Reinhard Marx entschuldigt sich nach Missbrauchsgutachten

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    Reinhard Marx entschuldigt sich zum wiederholten Male für das Missbrauchsgutachten im Erzbistum München und Freising.

    Reinhard Marx
    Kardinal Reinhard Marx hat zuletzt nur ein kurzes Pressestatement abgegeben. Foto: Sven Hoppe/dpa POOL/dpa - dpa-infocom GmbH

    Das Wichtigste in Kürze

    • Das Missbrauchsgutachten im Erzbistum München sorgt weltweit für Aufsehen.
    • Der Kardinal Reinhard Marx bittet Betroffene und Gläubige erneut um Entschuldigung.

    Kardinal Reinhard Marx hat Betroffene wie Gläubige erneut um Entschuldigung gebeten und eine Erneuerung der Kirche gefordert. Das vor einer Woche vorgelegte Gutachten zum sexuellen Missbrauch von Kindern und Jugendlichen im Erzbistum München und Freising war erschütternd. «Wir sehen ein Desaster», sagte Marx am Donnerstag in München.

    Reinhard Marx zog keine personellen Konsequenzen

    «Wer jetzt noch systemische Ursachen leugnet und einer notwendigen Reform der Kirche in Haltungen und Strukturen entgegentritt, hat die Herausforderung nicht verstanden.»

    Reinhard Marx
    27.01.2022, Bayern, München: Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, äussert sich in einer Pressekonferenz zum Gutachten zu sexueller Gewalt gegen Kinder und Jugendliche im katholischen Erzbistum München und Freising. - dpa

    Personelle Konsequenzen zog Reinhard Marx dabei zunächst nicht. Jeder Verantwortliche solle selbst prüfen, wo er sich schuldig gemacht und welche Folgen er daraus zu ziehen habe, sagte er.

    Die Gutachter werfen auch dem Erzbischof selbst zwei Fälle von Fehlverhalten beim Umgang mit Verdachtsfällen vor. Er werfe sich vor, dass er engagierter hätte handeln können. In einem Fall sei er nicht aktiv auf Betroffene zugegangen zu sein, sagte Marx.

    Es sei für ihn persönlich unverzeihlich, die Betroffenen übersehen zu haben. «Ich war und bin nicht gleichgültig.» Reinhard Marx bot dem Papst allerdings nicht, wie von manchen erwartet, ein zweites Mal seinen Rücktritt an, betonte jedoch: «Ich klebe nicht an meinem Amt.»

    Marx: Reformen unabdingbar

    Allerdings seien Reformen für ihn unabdingbar, betonte Marx: «Es gibt keine Zukunft des Christentums in unserem Land ohne eine erneuerte Kirche!» Nach der Lektüre des Gutachtens sei er erneut erschüttert und erschrocken. Vor allem über das Leid der Betroffenen, aber auch über Täter und Beschuldigte und über das Verhalten von Verantwortlichen.

    Papst Vatikanstadt kardinal
    Papst Franziskus. - dpa

    «Für mich ist die Aufarbeitung sexuellen Missbrauchs Teil einer umfassenden Erneuerung und Reform, wie das der Synodale Weg aufgegriffen hat.»

    Das Erzbistum München und Freising selbst hatte das Gutachten der Anwaltskanzlei Westpfahl Spilker Wastl (WSW) in Auftrag gegeben. Es kam zu dem Ergebnis, dass Fälle von sexuellem Missbrauch in der Diözese über Jahrzehnte nicht angemessen behandelt worden waren.

    Marx gilt als Vertrauter von Papst Franziskus

    Es wirft auch den ehemaligen Erzbischöfen Friedrich Wetter und Joseph Ratzinger, dem heute emeritierten Papst Benedikt XVI., konkret und persönlich Fehlverhalten in mehreren Fällen vor. Insgesamt sprechen die Gutachter von mindestens 497 Opfern und 235 mutmasslichen Tätern. Sie gehen aber von einem deutlich grösseren Dunkelfeld aus.

    Marx gilt als enger Vertrauter von Papst Franziskus, er leitet den Päpstlichen Wirtschaftsrat. Von 2014 bis 2020 war Marx Vorsitzender der Deutschen Bischofskonferenz.

    In Deutschland gehören noch knapp 27 Prozent der Bevölkerung der katholischen Kirche an. Gut 24 Prozent gehören den evangelischen Landeskirchen der EKD an. Jahr für Jahr verlieren die grossen Kirchen hunderttausende Mitglieder. Mehr als 40 Prozent der Bevölkerung sind laut Forschungsgruppe Weltanschauungen in Deutschland (fowid) ohne Religionszugehörigkeit.

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