Neue Proteste in Italien gegen Polizei
Nach dem Tod eines Einwanderers bei einem Polizeieinsatz sind in mehreren Städten Italiens wieder Tausende auf die Strasse gegangen. Proteste gab es am Abend unter anderem in Mailand, Neapel und Florenz. Nach ersten Berichten verliefen sie friedlich. Am Abend zuvor war es in Bologna, wo der 42-jährige Marokkaner am Sonntag starb, zu Krawallen gekommen. Wegen des Todesfalls ermittelt inzwischen die Staatsanwaltschaft.
Bei Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten wurden nach Angaben der Rettungskräfte am Montagabend in Bologna mindestens elf Menschen verletzt, sowohl Polizisten als auch Demonstranten. Die Polizei sprach von 64 verletzten Ordnungskräften. Angesichts der Proteste versprach Ministerpräsidentin Giorgia Meloni, «etwaige Verantwortlichkeiten mit äusserster Strenge aufzuklären». Zugleich verurteilte die rechte Regierungschefin Gewalt gegen die Polizei.
Der Tod von Abderradim Fakir, der seit mehr als 30 Jahren in Italien lebte, beherrscht seit Sonntag in Italien die Schlagzeilen. Auf den Kundgebungen gab es erneut Rufe wie «Gerechtigkeit für Fakir». Viele Demonstranten ziehen Vergleiche mit dem Fall des Schwarzen George Floyd, der im Mai 2020 in den USA bei einem Polizeieinsatz starb.
Der Marokkaner war am Sonntag auf einer Strasse in Bologna ums Leben gekommen, nachdem Anwohner die Polizei gerufen hatten. Auf einem Video ist zu sehen, wie er von zwei Polizisten mit dem Gesicht nach unten auf den Boden gedrückt wird. Seine Hände sind mit Handschellen gefesselt. Mehrfach ruft er: «Hilfe! Genug, genug!» Die Beamten lassen jedoch erst nach mehreren Minuten von ihm ab, als er sich nicht mehr bewegt. Ein Notarzt stellte dann seinen Tod fest.
Aufschluss erhoffen sich die Ermittler von der Obduktion, die noch diese Woche stattfinden soll. Zudem wurde die Körperkamera (Bodycam) eines der beiden beteiligten Beamten der Staatsanwaltschaft übergeben. Auch das Video, mit dem ein Nachbar die Szene dokumentierte, ist in deren Besitz. Gegen die Polizisten laufen inzwischen Vorermittlungen wegen fahrlässiger Tötung – ebenso wie gegen vier Sanitäter, die die Szene zunächst nur beobachteten.










