Mutmassliche Kamerun-Separatisten in Belgien festgenommen
Wegen möglicher Verbrechen gegen die Menschlichkeit und Kriegsverbrechen im westafrikanischen Kamerun haben die belgischen Behörden vier mutmassliche Separatisten festgenommen.

Wie die Staatsanwaltschaft mitteilte, wurden drei von ihnen nach Hausdurchsuchungen in der Hafenstadt Antwerpen und in Londerzeel unweit der Hauptstadt Brüssel in Untersuchungshaft genommen.
Hintergrund ist ein bewaffneter Konflikt in Kamerun, der unter anderem von der Separatistenbewegung Ambazonia Defence Forces (ADF) geführt wird. Ziel der Gruppe ist die Abspaltung einer englischsprachigen Region im Westen des Landes zur Gründung eines neuen Staates. In dem Konflikt werden sowohl Zivilpersonen als auch die kamerunische Armee angegriffen.
Die Ermittlungen der belgischen Staatsanwaltschaft richten sich den Angaben nach gegen mehrere in Belgien lebende Menschen, die verdächtigt werden, zur Führung der ADF zu gehören. «Berichten zufolge sollen Gelder für den bewaffneten Kampf sowie für den Kauf von Waffen und Munition gesammelt worden sein. Zudem sollen von Belgien aus Anweisungen für Angriffe und gezielte Tötungen erteilt worden sein», heisst es. Die Ermittlungen liefen weiter.
Die Mehrheit von Kameruns rund 30 Millionen Einwohnern spricht Französisch, die Regionen Nord-West und Süd-West nahe der Grenze zu Nigeria sind vorwiegend englischsprachig. Die Anglophonen fühlen sich benachteiligt. 2017 griffen Separatisten nach der Niederschlagung friedlicher Proteste zu den Waffen, das kamerunische Militär und Bürgerwehren gingen gegen sie vor.
Seitdem sind in den beiden englischsprachigen Regionen rund 10.000 Menschen getötet worden, wie aus Daten der Beobachterorganisation Acled hervorgeht, davon mehr als ein Drittel Zivilisten. Hunderttausende Menschen mussten vor Gewalt fliehen.
Mittlerweile sind in den englischsprachigen Regionen Dutzende bewaffneter Gruppen aktiv, die teils separatistische Ziele verfolgen, teils der organisierten Kriminalität zugerechnet werden. Humanitäre Organisationen kritisieren immer wieder, dass der Konflikt international kaum Aufmerksamkeit erhält.










