Möglicher Pest-Fall: Experte sieht keine Anzeichen für Biowaffe
Nach dem Tod einer Labormitarbeiterin in Sibirien gibt es Spekulationen über Biowaffenforschung. Ein Experte sieht dafür keine Hinweise – warnt jedoch auch.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein Experte sieht keine Hinweise auf ein militärisches Labor in der russischen Region Irkutsk.
- Die Laborantin dürfte also nicht an Biowaffen-Forschung beteiligt gewesen sein.
Nach dem Tod einer 28-jährigen Laborantin in einem Pest-Forschungszentrum in Sibirien kommen Fragen über mögliche Biowaffenforschung auf.
Unter anderem wird spekuliert, ob die junge Frau daran forschte, die Lungenpest als Waffe für Russland einzusetzen.
Könnte tatsächlich etwas dahinterstecken? Ein Experte schätzt die Situation ein.
Militär-Experte: Bilder deuten nicht auf militärische Einrichtung hin
Oberst Martin Weiler vom ABC-Abwehrzentrum des österreichischen Bundesheers sieht keine Anzeichen für Biowaffenforschung, wie er zur österreichischen «Presse» sagt.
Eine umfassende Beurteilung aus der Entfernung sei zwar unmöglich. Doch: Die Medienbilder des Labors in der russischen Region Irkutsk deuteten nicht auf eine militärische Einrichtung hin, erklärt Weiler.
Er erklärt: «Wenn bei uns Pest im Boden oder bei Nagetieren vorkommen würde, würden sich bei uns auch Labore mit der Pest beschäftigen.»
Solche Forschungslabore gerieten schnell unter Verdacht. Russland warf beispielsweise 2022 der Ukraine vor, an biologischen Kampfstoffen zu forschen.
Weiler sagt dazu: «Das ist natürlich ein gefundenes Fressen für Informationskampagnen, weil ein wahrer Kern da ist. Der Erreger ist da und ist potenziell gefährlich.»
Biowaffenkonvention ohne Kontrollregime
Bis in die 1970er-Jahre hätten sowohl Russland als auch die USA versucht, Krankheitserreger wie die Hasenpest oder Ebola gefährlicher und militärisch nutzbar zu machen.
Das Genfer Protokoll von 1925 verbot den Einsatz biologischer und chemischer Kampfstoffe im Krieg. 1971 wurde die Biowaffenkonvention unterzeichnet.

Ein umfassendes Kontrollsystem fehlt allerdings bis heute. Weiler erklärt: «Das Problem der Biowaffenkonvention ist, dass es kein Kontrollregime dahinter gibt.»
Anders sieht es bei chemischen Waffen aus: Die Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW) kann die Einhaltung der entsprechenden Konvention durch Kontrollen vor Ort überwachen.
Bei einem mutmasslichen Einsatz biologischer Waffen wäre letztlich der UNO-Sicherheitsrat zuständig.
Auch im Fall des früheren irakischen Diktators Saddam Hussein, dessen Regime ein Biowaffenprogramm betrieb, waren Beschlüsse des Sicherheitsrats nötig, um Kontrolleure entsenden zu können.
Weiler erklärt: «In Wirklichkeit ist das System also ein bisschen schwerfällig.»
Japan setzte Biowaffen im Zweiten Weltkrieg ein
Nachgewiesene Einsätze biologischer Waffen sind selten. Weiler sagt: «Die einzigen, die das grossflächig gemacht haben, waren die Japaner im Zweiten Weltkrieg auf dem chinesischen Festland.»
Biologische Waffen bergen grosse Risiken: Erreger lassen sich nicht vollständig kontrollieren und könnten auch die eigenen Soldaten oder die eigene Bevölkerung anstecken.
Zudem kann es Wochen dauern, bis eine Krankheit ausbricht. Diese Verzögerung sei im Gefecht ein Nachteil gegenüber anderen Waffen.
Eine weitere Gefahr ist der wirtschaftliche Schaden. Werden etwa Pflanzenschädlinge oder Erreger von Tierseuchen verbreitet, können ganze Wirtschaftszweige schwer getroffen werden.















