Kreml nennt Pestberichte aus Sibirien grösstenteils falsch
Nach dem Tod einer Laborantin in Sibirien verlangen WHO und USA Auskunft. Moskau nennt die meisten Berichte falsch und sieht kein Epidemierisiko.

Russland weist Forderungen nach mehr Transparenz zum Tod einer Laborantin in Sibirien zurück, wie «Euronews» berichtet. Die Gesundheitsaufsicht Rospotrebnadzor sieht nach eigenen Angaben kein epidemisches Risiko nach dem Tod der 28-jährigen Mitarbeiterin des Instituts in Irkutsk.
Die Verstorbene sei geimpft und gegen die Erreger im Labor immun gewesen, so die Behörde. Fast 5000 Labortests hätten zudem keine gefährlichen Krankheitserreger nachgewiesen, mehr als 90 Prozent der Kontaktpersonen hätten die Überwachung abgeschlossen.
Kremlsprecher Dmitri Peskow bezeichnete den Grossteil der Medienberichte über den Fall in Sibirien als falsch, meldet «Euronews». Die Bevölkerung solle sich ausschliesslich auf die offiziellen Mitteilungen der Gesundheitsaufsicht Rospotrebnadzor stützen, forderte er am Mittwoch vor Journalisten.
WHO und USA verlangen Klarheit
Laut «T-Online» forderte WHO-Chef Tedros Adhanom Ghebreyesus am Mittwoch Klarheit über einen zweiten Mitarbeiter mit einer Lungenentzündung ungeklärter Ursache. Auch die USA und die EU verlangten demnach Aufklärung, die EU-Kommission forderte zeitnahe und transparente Berichte aus Russland.
Ein Sprecher des US-Aussenministeriums erklärte, man habe die russische Regierung offiziell um weitere Informationen gebeten. Präsident Donald Trump kündigte zudem ein Telefonat mit Wladimir Putin an, das in Kürze stattfinden soll.
Joseph Allen, Medizinprofessor an der Universität Harvard, sagte laut «T-Online», es wirke, «als hätten sie etwas zu verbergen». Die WHO stuft die Gefahr in Irkutsk bislang als moderat bis niedrig ein, allerdings nur auf Basis russischer Angaben.
Was bisher aus Sibirien bekannt ist
Die 28-jährige Laborantin starb laut «ZDFheute» Anfang Oktober im Spital der Stadt Schelechow bei Irkutsk. Die Behörde Rospotrebnadsor schloss einen Laborunfall am Institut in Irkutsk aus, zuvor war über ein zerbrochenes Reagenzglas spekuliert worden.

Drei Spitäler, eine Kinderklinik und eine Geburtsklinik in Irkutsk stehen mindestens drei Wochen unter Quarantäne. US-Aussenminister Marco Rubio warnte am Montag, wenn so etwas nach aussen dringe, könne es sich schnell ausbreiten.
Würde sich eine Pestinfektion in Sibirien bestätigen, wäre es laut «Euronews» seit 2016 der erste nachgewiesene Fall in Russland. Die Lungenpest gilt als gefährlichste Form und ist bei früher Behandlung gut heilbar.















