Mann missbraucht 13-Jährige – und kommt nach 48 Stunden frei
Nach einem mutmasslichen Missbrauchsfall in Turin (I) wächst die Empörung. Trotz schwerer Vorwürfe kam der Verdächtige nach kurzer Zeit wieder frei.

Das Wichtigste in Kürze
- Ein 13-jähriges Mädchen wurde in Turin (I) von einem 42-jährigen Mann mutmasslich in einem Kiosk sexuell missbraucht.
- Nach 48 Stunden wurde der Mann wieder entlassen: Justizminister Nordio lässt den umstrittenen Gerichtsentscheid prüfen.
- Politiker der rechten Partei «Fratelli d'Italia» fordern die Schliessung des Kiosks zum Schutz weiterer möglicher Opfer.
Ein 13-jähriges Mädchen will nur kurz etwas für ihre Brüder kaufen. Der Kiosk im Turiner Stadtteil «Madonna di Campagna» liegt nahe bei ihrem Zuhause. Doch dann geschieht etwas Grauenvolles.
Laut Ermittlern wird das Mädchen im Laden sexuell missbraucht. Überwachungskameras zeichnen den Vorfall auf. Danach kann sie nicht mehr alleine nach Hause gehen.

Die Aufnahmen zeigen zudem: Bereits rund 40 Minuten zuvor soll derselbe Mann eine weitere Frau missbraucht haben. Laut der italienischen Zeitung «La Stampa» sprechen die Ermittler von einem Wiederholungstäter.
Richter lässt den Verdächtigen nach zwei Nächten frei
Der Tatverdächtige ist ein 42-jähriger Mann. Er wurde verhaftet und verbringt zwei Nächte in einem Turiner Gefängnis. Danach kommt er wieder frei.
Der Ermittlungsrichter begründet den Entscheid unter anderem damit, dass der Mann nicht vorbestraft sei und die Videoaufnahmen selbst übergeben habe. Auch das «Trauma der Verhaftung» sei abschreckend. Zudem habe er Reue gezeigt.
Der Staatsanwalt fordert Haft. Laut «La Stampa» warnte er vor Rückfallgefahr und verwies auf die Schwere der Tat sowie das junge Alter des Opfers. Sein Antrag wird jedoch abgelehnt.
Justizminister Nordio ordnet Inspektion an
Die Freilassung des Verdächtigen sorgt in Italien für Aufsehen. Justizminister Carlo Nordio reagiert mit einer offiziellen Massnahme: Er ordnet die Entsendung von Inspektoren zum Turiner Gericht an. Mit der Entsendung von Inspektoren lässt das Justizministerium prüfen, ob beim Entscheid des Gerichts alles korrekt ablief.

Nordio betont jedoch die Grenzen seines Einflusses: Der Entscheid des Ermittlungsrichters falle in die Unabhängigkeit der Justiz, in die er nicht eingreifen dürfe. Wegen der «aussergewöhnlichen Natur des Falls» und der grossen öffentlichen Reaktion habe er dennoch Inspektoren entsandt, so die Zeitung «LaPress».
Auch Ministerpräsidentin Giorgia Meloni äussert sich auf Facebook zu dem Fall: «Wer erklärt das ihrer Familie? Wer erklärt das dem Quartier, das heute Nacht dieser Mann wieder da ist?»

In ihrem Post zeigt sie sich bestürzt über die schnelle Freilassung des Täters. Jedoch betont sie, dass die Ordnungskräfte «ihre Pflicht» erfüllt hätten.
Der Verdächtige ist inzwischen auf freiem Fuss. Er muss sich regelmässig bei der Polizei melden.
Politiker fordern Kontrollen von Kiosken
In Turin fand danach eine spontane öffentliche Kundgebung. Dabei äusserte sich auch Augusta Montaruli, die stellvertretende Fraktionschefin der Partei «Fratelli d'Italia»: Sie kritisierte die Entscheidung des Richters und verlangte die Schliessung des Kiosks aus Sicherheitsgründen.

Montaruli betonte, der Betrieb solle geschlossen werden. Sie sagt: «Es ist notwendig, das Risiko zu vermeiden, dass andere Frauen oder sogar andere Mädchen Opfer werden könnten».
Vizepräsident Marrone schliesst sich dieser Forderung an. Zudem fordert er das Polizeipräsidium auf, alle verfügbaren Mittel zu nutzen, um die Schliessung des Ladens anzuordnen.












