Mallorca-Polizei geht gegen Anti-Touri-Aktivisten vor

Etienne Sticher
Etienne Sticher

Spanien,

Auf Mallorca wurden zwei Anti-Tourismus-Aktivistinnen wegen Farbattacken festgenommen. Die Bewegung spricht von Einschüchterungsversuchen.

mallorca
Die Polizei geht gegen Aktivisten auf Mallorca vor, die mit illegalen Mitteln gegen den Übertourismus kämpfen. - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Auf Mallorca wurden zwei Aktivistinnen, die gegen Übertourismus kämpfen, festgenommen.
  • Ihnen werden Farbattacken auf Immobilienbüros vorgeworfen.
  • Vor wenigen Tagen veröffentlichte die Bewegung Anleitungen für solche Angriffe.
  • Auf Mallorca wächst der Widerstand gegen den Übertourismus.

Sommer für Sommer wird Mallorca von Touristen überschwemmt. Schon seit einigen Jahren regt sich dagegen Widerstand, immer wieder kommt es zu Protesten und Aktionen gegen den Übertourismus. Nun ist es zu Festnahmen gekommen, wie die «Mallorca-Zeitung» berichtet.

Vor wenigen Tagen veröffentlichte die Bewegung «Menys Turisme, Més Vida» ein «Handbuch gegen die Touristifizierung». Darin wurden unter anderem Anleitungen gegeben, wie Überwachungskameras umgangen oder Farbattacken unerkannt durchgeführt werden können. Im Visier stehen Ferienhäuser und Immobilienbüros. Mittlerweile wurde es nach viel Kritik wieder zurückgezogen.

Ende Mai kam es in Santa Maria del Camí zu einer Farbattacke auf fünf Immobilienbüros. Am Mittwochmorgen wurden dann zwei Verdächtige festgenommen. Den beiden Frauen werden Sachbeschädigung sowie Straftaten gegen Eigentum vorgeworfen. Zudem sollen sie an der Erstellung von Flugblättern, die zu Angriffen auf touristische Anlagen aufriefen, beteiligt gewesen sein,

Sie wurden zu einer Dienststelle der Guardia Civil gebracht. Dort überreichten sie die Kleidung, die sie bei der Tat trugen, freiwillig der Polizei. Die Aussage verweigerten sie aber.

Warst du schon einmal auf Mallorca?

Nach der Veröffentlichung des Handbuches äusserten Wirtschaftsverbände und die Hotelbranche scharfe Kritik. Sie kündigten zudem an, rechtliche Schritte zu prüfen. Die Regierung distanzierte sich von dem Handbuch, erstattete aber keine Anzeige.

Bewegung plant Demonstration Ende Juli

Anders eine internationale Anwaltskanzlei: Diese reichte eine Strafanzeige gegen die Bewegung, eine Jugendorganisation und weitere Beteiligte ein. Sie wirft ihnen vor, Mitglieder in einer kriminellen Vereinigung zu sein.

Diesen Vorwurf weist Jaume Puyol, Sprecher von «Menys Turisme, Més Vida», zurück. Er kritisiert die Festnahme, da eine einfache gerichtliche Vorladung für die beiden Frauen gereicht hätte. Er spricht von einer politisch motivierten Kriminalisierung der Bewegung. «Die Festnahme macht erneut die repressiven Mechanismen des Staates deutlich.»

Er sieht in dem Vorgehen der Polizei den Versuch, Mitglieder der Bewegung und Teilnehmer der Proteste einzuschüchtern. Er betont aber, dass die geplante Demonstration gegen das aktuelle Tourismusmodell am 26. Juli unverändert stattfinden werde.

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