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CDU-Spahn fliegt Leihmutterschaft um die Ohren

Etienne Sticher
Etienne Sticher

Deutschland,

Jens Spahn wird dafür kritisiert, per Leihmutterschaft in den USA Vater geworden zu sein. In Deutschland lehnen er und seine CDU eine Legalisierung ab.

jens spahn
Stolze Papis: Jens Spahn (mit Kinderwagen) und sein Partner Daniel Funke mit Kinderwagen. - Instagram / @daniel_f_punkt

Das Wichtigste in Kürze

  • Jens Spahn und sein Ehemann nutzten eine Leihmutter in den USA, um Eltern zu werden.
  • In Deutschland ist das verboten, der CDU-Politiker kämpfte stets gegen eine Legalisierung.
  • Deswegen wird er scharf kritisiert, ihm wird Doppelmoral vorgeworfen.

Durch eine Leihmutterschaft wurden der CDU-Politiker Jens Spahn und sein Ehemann Daniel Funke Eltern. Weil das in Deutschland verboten ist, gingen sie in die USA. Dafür prasselt nun Kritik von verschiedenen Seiten auf das Ehepaar ein.

Eine CDU-Sprecherin sagt der «Bild», dass die Rechtslage zur Leihmutterschaft aus Sicht der Partei bleiben soll, wie sie sei. Erst im Februar bestätigte der Parteitag diese Haltung: «Angesichts ethischer, rechtlicher und praktischer Bedenken» bekräftige man die Forderung, Leihmutterschaft weiterhin zu verbieten. So wolle man Missbrauch, Ausbeutung und gesundheitliche Risiken verhindern.

Marion Rosin, Vorsitzende der Frauen-Union, befürwortet das Verbot ebenfalls. «Wer dieses Verbot durch eine Auslandslösung umgeht, setzt sich über den Geist des deutschen Gesetzes hinweg.» Sie bringt sogar den Rücktritt von Jens Spahn ins Spiel.

Susanne Wenzel, Vorsitzende der Christdemokraten für das Leben, weist darauf hin, dass Spahn kein Einzelfall sei. Im April wurde bereits der CDU-Politiker Hendrik Streeck durch Leihmutterschaft Vater. Da beide wichtige politische Funktionen innehaben, gehe die private Lebensentscheidung weit über die persönliche Situation hinaus.

Ist es richtig, dass Leihmutterschaft verboten ist?

Sie fände es nur konsequent, wenn Spahn bei sich dieselben Massstäbe anlegen würde wie bei den Bürgern. Er und Streeck erweckten mit ihren Taten den «Eindruck, dass für politische Entscheidungsträger andere Massstäbe gelten als für die Bürger».

Auch von linker Seite gibt es Kritik, beispielsweise von der Grünen-Abgeordneten Paula Piechotta: «Spahn als Politiker verbietet Millionen Menschen in ihrem Privatleben, was er sich selbst gönnt.» Es sei «klassische Doppelmoral».

Jens Spahn stellte sich 2020 gegen Legalisierung

Katja Weitzel von der SPD verweist auf die Gegensätzlichkeit: Politisch kämpft Spahn gegen die Legalisierung der Leihmutterschaft, privat aber nutzt er sie. Er müsse sich vor jenen Menschen rechtfertigen, die es sich nicht leisten könnten, für die Leihmutterschaft ins Ausland zu gehen.

Jens Spahn selbst äusserte sich 2015 in einem Interview mit «GQ» ausführlich zum Thema. Er könne sich als schwuler Mann und Christ nur schwer mit der Idee eines «gemieteten Mutterbauchs» anfreunden. Es verlange ein grosses Mass an Demut, zu akzeptieren, dass er nicht auf natürlichem Weg Vater werden könne. «Ob ich das aufbringen kann, weiss ich nicht.»

Im Frühling 2020 wollte die deutsche FDP die nichtkommerzielle Leihmutterschaft unter Auflagen legalisieren. Jens Spahn, damals noch Gesundheitsminister, wehrte sich stark dagegen.

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