Weissrusslands Präsident Lukaschenko erhebt Vorwürfe gegen die geflüchtete Athletin Timanowskaja. Sie sei vom Westen manipuliert worden.
Kristina Timanovskaya Olympia 2021
Kristina Timanovskaya nach ihrer Flucht von Olympia 2021 bei einer Pressekonferenz in Warschau. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Kristina Timanowskaja ist nach den Olympischen Spielen nach Polen geflüchtet.
  • Nach kritischen Äusserungen sei sie in das Visier der Regierung gekommen.
  • Präsident Lukaschenko meint sie sei von Polen und dem Westen manipuliert worden.

Der autoritäre belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko hat die Flucht der Olympia-Läuferin Kristina Timanowskaja als vom Westen initiiert bezeichnet. «Sie hätte das selbst nicht getan, wenn sie nicht gesteuert worden wäre», sagte Lukaschenko am Montag.

Der Präsident sprach bei einer im Staatsfernsehen übertragenen Veranstaltung zu Journalisten, handverlesenen Bürgern und Mitgliedern des Staatsapparats.

Lukaschenko: «Timanowskaja ist manipuliert worden»

Die Leichtathletin Timanowskaja wirft den Behörden vor, sie hätten sie wegen kritischer Äusserungen von den Olympischen Spielen entführen wollen. Vor gut einer Woche suchte sie am Flughafen von Tokio den Schutz der japanischen Polizei und floh schliesslich nach Polen.

Timanowskaja sei von «ihren Freunden in Polen» manipuliert worden, sagte Lukaschenko. Kein Mitarbeiter des belarussischen Geheimdienstes habe sich in Japan aufgehalten, fügte der oft als «letzter Diktator Europas» kritisierte Machthaber hinzu. «Wir praktizieren so etwas nicht.»

Verwicklung in Schischow-Tod abgestritten

Auch eine Verwicklung seiner Behörden in den Tod des in die Ukraine geflohenen belarussischen Aktivisten Witali Schischko wies Lukaschenko zurück. «Er hat sich auf ihrem Territorium aufgehalten. Er hat sich auf ihrem Territorium erhängt oder wurde dort erhängt», sagte der 66-Jährige auf die Frage einer ukrainischen Journalistin. Belarussische Oppositionelle sind überzeugt, dass Schischow dem Staatsapparat Lukaschenkos zum Opfer fiel.

Belarus
Die Doppelbürgerin Natallia Hersche wurde in Belarus in ein anderes Gefängnis verlegt. Sie wurde bei einer Demonstration gegen das Regime von Alexander Lukaschenko verhaftet. - POOL/AFP/Archiv

Der Langzeitmachthaber hatte sich nach der weithin als gefälscht geltenden Präsidentenwahl vom 9. August 2020 erneut zum Staatsoberhaupt erklären lassen. Monatelang gab es daraufhin Massenproteste, gegen die seine Behörden oft brutal vorgingen. Den Jahrestag feierten belarussische Staatsmedien nun als neuen Sieg der Unabhängigkeit - und warfen Lukaschenkos Gegners Verrat vor.

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