In Frankreich hatte die erste Ausgangssperre im Frühjahr 2020 grosse Auswirkungen auf die Psyche junger Menschen: Die Zahl der Depressionen verdoppelte sich.
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Die Depression ist eine Volkskrankheit. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Corona beeinträchtigt die psychische Gesundheit junger Menschen in Frankreich stark.
  • Nach der ersten Ausgangssperre verdoppelte sich die Zahl depressiver junger Menschen.
  • Über 20 Prozent der 15- bis 24-Jährigen waren davon betroffen.

Die Pandemie hat in Frankreich die psychische Gesundheit von jungen Menschen massiv beeinträchtigt. Nach der ersten Ausgangssperre im Frühjahr 2020 habe sich die Zahl der jungen Menschen mit depressiven Leiden verdoppelt, heisst es in einem am Mittwoch veröffentlichen Bericht über die Rechte der Kinder. Mehr als 20 Prozent der 15- bis 24-Jährigen seien davon betroffen gewesen.

Es hätten auch mehr junge Menschen Angstzustände und soziale Phobien entwickelt als zuvor, führt der Bericht aus. Die Schliessung von Schulen – die in Frankreich weniger lange gedauert hat als in anderen Ländern – habe das Risiko der Abhängigkeit von Bildschirmen vergrössert.

Mehr Schlaf- und Essstörungen

«Man hat den jungen Menschen gesagt, sie sollen nicht so viel Zeit vor dem Bildschirm verbringen, und zugleich haben sie Unterricht am Bildschirm gehabt, das war widersprüchlich», sagte die Ombudsfrau für Kinderrechte, Claire Hédon, dem Sender France Inter. Zu den Folgen zählten des vermehrten Bildschirmmedien-Konsums etwa Schlaf- und Essstörungen sowie Aufmerksamkeitsprobleme.

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Mädchen bei Schulaufgaben zu Hause. (Symbolbild) - AFP/Archiv

Die Kinderrechtsbeauftragte forderte einen besseren Zugang zu psychologischer Hilfe für Kinder und junge Menschen. Wartezeiten von sechs bis zwölf Monaten für einen Termin bei einem Psychologen seien nicht akzeptabel.

Das UN-Kinderhilfswerk Unicef hatte vergangenen Monat die Auswirkungen der Corona-Pandemie und der damit zusammenhängenden Restriktionen auf die Psyche junger Menschen in aller Welt als «gravierend» bezeichnet. Diese seien «über viele Jahre» spürbar, warnte Unicef in einem Bericht und verwies auf eine weltweit grosse Lücke zwischen dem Bedarf an Hilfsangeboten und den verfügbaren Geldern für die Behandlung psychischer Auffälligkeiten und Störungen bei jungen Leuten.

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