Der Vizepräsident der Wissenschaftsakademie Leopoldina, Robert Schlögl, hat die sofortige drastische Reduzierung von Kontakten in Deutschland gefordert.
Corona-Intensivstation in Stuttgart
Corona-Intensivstation in Stuttgart - AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Schlögl: Jeder vertane Tag bedeutet Gesundheitsschäden und Tote.

Um die eskalierende Corona-Lage einzudämmen, müsse es jetzt eine Kontaktreduktion geben, «denn Impfen wirkt nicht sofort», sagte Schlögl am Montag dem Sender RBB. Zudem forderte er umgehend eine Impfpflicht für Beschäftigte im Gesundheitswesen.

Auf die Frage, ob er einen Lockdown fordere, sagte Schlögl: «Das Wort darf man nicht sagen, aber natürlich ist die erste Massnahme, wenn man sich überlegt die jetzige Pandemie einzudämmen, einfach Kontaktreduktion». Bund und Länder müssten jetzt einheitlich argumentieren und einheitlich handeln, forderte der Wissenschaftler. Deshalb sei der vorgesehene Corona-Krisenstab im Kanzleramt extrem wichtig. Darin müsse auch die Leopoldina vertreten sein.

Zu seinem Drängen auf eine rasche Impfpflicht sagte Schlögl, selbst wenn man jetzt alle impfen würde, brauche es noch mindestens bis Weihnachten, ehe das wirke. «Jeder Tag, den wir hier vertun, ist ein Tag, der schwere Gesundheitsschäden und Tote fordert», warnte er. Es müsse generell dafür gesorgt werden, dass sich alle impfen lassen, die es jetzt noch nicht getan haben. Ausserdem müsse das Boostern organisiert werden. Dabei dürfe es nicht passieren, dass an irgendeiner Stelle der Impfstoff fehle.

Für den Fall, dass nicht sofort gehandelt werde, werde die aktuelle vierte Corona-Welle weiter anwachsen, warnte Schlögl. Sie werde dann zwar irgendwann natürlicherweise abebben, danach werde es ohne Gegenmassnahmen jedoch gleich wieder eine fünfte Welle geben. Die wissenschaftlichen Modelle hierfür seien sehr präzise. «Wenn wir glauben, dass wir durch Meinungen dagegen argumentieren können, wird uns die Natur einfach eines Besseren belehren», stellte der Wissenschaftler klar.

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