Lebenslange Haft für Todesfahrer von Magdeburg gefordert
Im Prozess um den Anschlag auf den Magdeburger Weihnachtsmarkt hat die Generalstaatsanwaltschaft für den Angeklagten eine lebenslange Freiheitsstrafe gefordert.

Die Tat habe «in ihrer Massivität jede menschlich begreifbare Dimension gesprengt», sagte Oberstaatsanwalt Matthias Böttcher vor dem Landgericht Magdeburg. Es sei schier unbeschreiblich, welches Leid der Angeklagte über viele Menschen und Familien gebracht habe.
Bei dem Anschlag am 20. Dezember 2024 waren in der ostdeutschen Stadt sechs Menschen getötet und mehr als 300 weitere teils schwer verletzt worden. Die Anklage wirft dem 51-Jährigen unter anderem sechsfachen Mord und versuchten Mord in 338 Fällen vor.
An der Täterschaft habe zu keinem Zeitpunkt Zweifel bestanden, sagte Böttcher. Der Angeklagte habe die Tat lange geplant. Er habe keine ernsthaften ideologischen Ziele verfolgt, sondern vor allem aus persönlichen Motiven gehandelt. «Es ging und geht dem Angeklagten nur um sich selbst.» Der psychiatrische Sachverständige habe ihm eine narzisstische Persönlichkeitsstörung bescheinigt und ein enormes Bedürfnis nach Aufmerksamkeit festgestellt.
Während des Plädoyers unterbrach der Angeklagte die Verhandlung mehrfach mit lautstarken Zwischenrufen. Der Vorsitzende Richter liess daraufhin sein Mikrofon abschalten. Der 51-Jährige beruhigte sich erst wieder, nachdem beantragt worden war, ihn für den Rest der Verhandlung auszuschliessen.
Seit dem 10. November 2025 wird vor dem Landgericht Magdeburg gegen den Mann verhandelt. Wegen der Vielzahl der Betroffenen wurde eigens ein Interimsgerichtsgebäude errichtet. Mehr als 200 Nebenkläger beteiligen sich an dem Verfahren.
Im Prozess wurde deutlich, dass viele Betroffene bis heute unter den Folgen des Anschlags leiden. Zahlreiche Zeugen berichteten von Angst- und Panikattacken, Schlafstörungen und Problemen im Umgang mit Menschenmengen. Unter den Opfern sind Kinder und Jugendliche ebenso wie Erwachsene und Senioren aus verschiedenen Bundesländern und dem Ausland.
Der Angeklagte, der aus Saudi-Arabien stammt und jahrelang als Psychiater im Massregelvollzug in Bernburg arbeitete, stellte insbesondere zu Beginn des Prozesses seine Sicht der Dinge dar. Er bezeichnete sich als Aktivisten und sprach von vermeintlichen Vertuschungsaktionen deutscher Behörden.
Der psychiatrische Sachverständige Bernd Langer sieht den Angeklagten weiterhin als Gefahr für die Allgemeinheit. Er sprach sich für eine Unterbringung in der Sicherungsverwahrung aus. Man müsse jederzeit mit weiteren Gewalttaten rechnen, sagte Langer. Der Angeklagte habe wiederholt Druckmittel eingesetzt, um Aufmerksamkeit zu erhalten oder Entscheidungen zu beeinflussen.














