Der Angriffskrieg Russlands könnte Millionen Menschen in eine Hungersnot stürzen. Der Klimawandel verschärft das Problem – eine richtige Lösung existiert nicht.
Getreide (Symbolbild)
Getreide (Symbolbild) - Keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Getreideexporte der Ukraine sind wegen des Angriffskriegs Russlands gefährdet.
  • Dies, und der Klimawandel, könnte eine grosse Hungersnot ausläsen.
  • Eine richtige Lösung für das Problem gibt es bisher nicht.

David Beasley, der Chef des Uno-Welternährungsprogramms, warnte vor der grössten humanitären Krise seit dem Zweiten Weltkrieg.

Eigentlich dachte er, es könne nicht schlimmer kommen: Der Klimawandel mit verheerenden Dürren sowie Versorgungsengpässe durch die Pandemie drohten bereits im vergangenen Jahr Millionen Menschen in Hunger zu stürzen.

Doch jetzt, sagt er auf der Jahrestagung des Weltwirtschaftsforums, sei es noch schlimmer gekommen. Denn mit dem russischen Krieg gegen die Ukraine fällt die Kornkammer der Welt aus.

Es droht eine humanitäre Katastrophe

Experten und Politiker warnen vor einer globalen Nahrungsmittelkrise, vor Hunger in vielen Teilen der Welt. Seit Beginn des Krieges sind die Weltmarktpreise etwa für Weizen stark gestiegen.

Das an sich wäre schon Problem genug, doch Lebensmittel würden auch knapp, sagt Beasley voraus. Schon vor dem Krieg standen Schätzungen zufolge 44 Millionen Menschen in 38 Ländern am Rand einer Hungersnot. Jetzt könnten bis Jahresende weitere 40 Millionen dazukommen.

Wegen ihrer fruchtbaren Böden ist die Ukraine einer der wichtigsten Weizenexporteure weltweit. Hinzukommen hohe Weltmarktanteile bei Gerste, Mais und Sonnenblumenöl. Laut Uno-Angaben wurden 2020 allein gut 30 Millionen Tonnen Mais und knapp 25 Millionen Tonnen Weizen geerntet.

Zusammen produzieren die Ukraine und Russland einer Studie zufolge 12 Prozent der weltweit gehandelten Kalorien. Ein Grossteil davon droht nun auszufallen.

Andere Kornkammern ebenfalls unter Druck

Beasley zufolge könnte allein die Ukraine mit ihrem Getreide 400 Millionen Menschen versorgen. Das wäre gerade besonders wichtig, denn auch andere Kornkammern der Welt fallen aus. In China, dem grössten Weizenproduzenten, haben starke Regenfälle die Aussaat verzögert. Jetzt kommen Corona-Lockdowns dazu.

In Indien herrscht eine Hitzewelle. Im amerikanischen Korngürtel hat es zu wenig geregnet. Auch in Vietnam mache der Klimawandel durch steigende Meeresspiegel Probleme, sagt Vizeregierungschef Le Minh Khai.

Grossteil des Getreides wird für Fleisch verfuttert

Die Klima- und Umweltministerin der Vereinigten Arabischen Emirate, Mariam Mohammed Saeed Al Mheiri, rief in Davos zu mehr internationaler Zusammenarbeit auf.

«Lasst es uns ausserdem mit weniger Fleisch probieren», schlug Al Mheiri vor. Denn grosse Teile des angebauten Getreides wird als Tierfutter genutzt. Ebenfalls im Gespräch: Die Flächen anders nutzen, auf denen derzeit Getreide für Biosprit angebaut wird.

Mehr zum Thema:

Lebensmittel Klimawandel Studie Coronavirus Krieg WEF