Kachelmann zu Deutschen: «Ihr seid ein durchgeknalltes Land»
Wetter-Experte Jörg Kachelmann wettert gegen den Aberglauben in Deutschland. Und er sagt, die Deutschen hätten bei den Hitzewellen noch Glück gehabt.

Das Wichtigste in Kürze
- Jörg Kachelmann bezeichnet Deutschland als «Schwurbler-Land Nummer 1».
- Er gibt dem Aberglauben über Durchzug und Klimaanlagen eine Mitschuld an den Klimatoten.
- Der Politik wirft er Heuchelei und Inkonsequenz vor.
Europa leidet schon seit Wochen unter der Hitze und der Trockenheit. Dabei haben Deutschland und die Schweiz noch Glück, wie Wetter-Experte Jörg Kachelmann im «Bild»-Podcast sagt. Denn der Schwerpunkt lag weiter westlich.
Die Hitze sei «so aussergewöhnlich, dass wir das in dieser Form seit Beginn der Wetteraufzeichnung noch nie hatten». Seit bald zwei Wochen seien die Temperaturen in Süddeutschland nicht mehr unter 30 Grad gefallen, so Kachelmann.
Die Hitze lasse sich damit erklären, dass die Menschen die Atmosphäre aufheizten: «Wenn man mehr Treibhausgase in dieses System reinbläst, dann wird das System wärmer.»
Der Schwerpunkt der Hitze sei in Frankreich gewesen, erklärt er und warnt: «Wenn das Ganze 500 Kilometer weiter östlich wäre, dann hätte es wahrscheinlich in Berlin 45 Grad geben können.»
Der Wetter-Experte rät von den üblichen Tipps gegen die Hitze ab und kritisiert den Aberglauben in Deutschland. So solle man tagsüber die Fenster nicht geschlossen halten, denn: «Das führt dazu, dass viele alte Menschen in ihren kleinen Wohnungen auf erbärmlichste Art und Weise verrecken.»
Kachelmann: Nirgendwo gibt es so viel Aberglauben
Stattdessen könnte ein Ventilator einen halben Meter oder einen Meter vor dem Gesicht helfen. «Aber der Aberglaube in diesem Land ist so gross. Wir sind global gesehen das Schwurbel-Land Nummer eins. Nirgendwo auf der Welt gibt es so viel Aberglauben.»
Der landläufige Glaube ist, dass Durchzug zu einem steifen Nacken führt oder krank macht. Auch die Skepsis gegenüber Klimaanlagen ist gross. Doch genau damit hätte man Hitzetote verhindern können, sagt Kachelmann.
Dennoch werde in Köln aktuell eine Schule ohne Kühlung gebaut. Der in der Schweiz lebende Experte sagt: «Ihr seid einfach ein durchgeknalltes Land. Da sind wir wieder bei bildungsfern und wissenschaftsfeindlich.»
Der Politik stellt Kachelmann ein schlechtes Zeugnis aus: «Selbst Grüne sehen das Waldverbrennen, also über Holz- und Pelletöfen, als was ganz Tolles an.» Dabei sei das noch klimaschädlicher als Kohle, Öl und Gas. Diese Heuchelei, diese Inkonsequenz seien «sehr, sehr schwer auszuhalten».
















