Italien verabschiedet Dekret für zivile Seenotretter – Helfer empört

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    Mit einem neuen Dekret will die italienische Regierung die Einsätze der Seenotretter im Mittelmeer einschränken. Die Hilfsorganisationen üben scharfe Kritik.

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    Seenotrettung im Mittelmeer - AFP/Archiv

    Das Wichtigste in Kürze

    • Italien schränkt die Einsätze der Seenotretter im Mittelmeer ein.
    • Die Hilfsschiffe müssen nach einer ersten Rettung neu sofort einen Hafen ansteuern.
    • Die Zahl der Toten werde dadurch steigen, warnt Ärzte ohne Grenzen.

    Die italienische Regierung hat ein Dekret verabschiedet, das die Einsätze von zivilen Seenotrettern im Mittelmeer deutlich einschränken soll. Internationale Helfer reagierten empört auf die Initiative der rechten Regierung von Ministerpräsidentin Giorgia Meloni.

    Das Dekret sieht unter anderem vor, dass die Schiffe der Hilfsorganisationen nach einer ersten Rettung sofort einen dann zugewiesenen Hafen ansteuern müssen, ohne eventuell weiteren Booten in Seenot Hilfe leisten zu können. Normalerweise führen die Schiffe pro Einsatz mehrere Rettungen von Menschen auf kleinen Booten durch.

    Geldstrafen bis zu 50'000 Euro

    Zudem sollten Migranten und Flüchtlinge noch auf dem Schiff sagen, ob und vor allem in welchem EU-Land sie um Asyl ansuchen wollen und dann die Anträge ausfüllen. Bei Verstössen gegen die neuen Regelungen droht Rom den Kapitänen der zivilen Schiffe mit hohen Geldstrafen bis zu 50'000 Euro. Ausserdem könnten die Schiffe von den Behörden konfisziert und in den italienischen Häfen festgesetzt werden.

    Giorgia Meloni
    Giorgia Meloni in Italien. - keystone

    Meloni sagte am Donnerstag bei einer Jahresabschluss-Pressekonferenz, ihre Regierung habe das Thema Migration wieder auf die internationale Agenda gesetzt. Daneben behauptete sie, dass durch das Dekret die Einsätze der NGOs mit dem internationalen Recht vereinbart würden.

    «Das neue Dekret der italienischen Regierung ist eine Aufforderung zum Ertrinkenlassen», sagte Oliver Kulikowski vom deutschen Verein Sea-Watch, der regelmässig auf Einsätzen im zentralen Mittelmeer ist. «Schiffe in den Hafen zu zwingen, verstösst gegen die Pflicht zur Rettung, sollten noch weitere Menschen in Seenot sein. Wir werden uns auch diesem Versuch entgegenstellen, zivile Seenotrettung zu kriminalisieren und Flüchtende ihrer Rechte zu berauben.»

    «Zahl der Toten wird steigen»

    Auch Ärzte ohne Grenzen übte Kritik. «Wir werden gezwungen, die Rettungszone im Mittelmeer ungeschützt zu lassen, was dazu führen wird, dass die Zahl der Toten steigt», sagte Marco Bertotto, der Italien-Verantwortliche der NGO, der Zeitung «La Stampa».

    ärzte ohne grenzen
    Die Organisation «Ärzte ohne Grenzen» rettet mit dem Schiff «Geo Barents» Bootsmigranten aus dem Mittelmeer. - Carmelo Imbesi/ANSA via ZUMA Press/dpa/Archiv

    Die Einsätze der zivilen Schiffe sind den Rechten in Rom schon seit Langem ein Dorn im Auge. Im November wurde versucht, zwei Schiffen zu verbieten, die geretteten Menschen an Land zu bringen. Zuletzt wiesen die Behörden Schiffen nur sehr weit entfernte Häfen zu, um sie – nach Ansicht der Helfer – zu schikanieren. Die «Ocean Viking» von SOS Méditerranée etwa muss aktuell mit 113 Geretteten von Süditalien rund 900 Seemeilen bis nach Ravenna an die nördliche Adria fahren.

    Die italienische Regierung begründet ihr Vorgehen gegen die Organisationen mit der Behauptung, diese würde die illegale Migration begünstigen und Schleppern im Mittelmeer helfen. Die NGOs weisen das zurück.

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