Nach international viel kritisierten Prozessen richtet der Iran drei weitere Demonstranten hin. Aus Deutschland kommt Kritik.
todesstrafe iran
Iraner in Berlin protestieren gegen die Anwendung der Todesstrafe in ihrem Heimatland (Archivbild). - dpa
Ad

Das Wichtigste in Kürze

  • Immer wieder werden im Iran Demonstranten hingerichtet.
  • Aus Deutschland kommt Kritik.
  • Verurteilte Deutsch-Iraner machen sich Sorgen.

Nach international viel kritisierten Prozessen richtet der Iran drei weitere Demonstranten hin. Aus Deutschland kommt Kritik – und die Sorgen um einen verurteilten Deutsch-Iraner wachsen. Der Iran hat am Freitag drei weitere Teilnehmer der Massenproteste gegen die Staatsführung hinrichten lassen.

Die Männer wurden am Morgen exekutiert, wie das Justizportal Misan berichtete. Sie waren schuldig gesprochen worden, während der landesweiten Demonstrationen im November drei Sicherheitskräfte in der Metropole Isfahan getötet zu haben. Unabhängig überprüfen lassen sich die Vorwürfe nicht.

Iran
Saleh Mirhaschemi (l-r), Said Jakobi und Madschid Kasemi während ihrer Prozesse. Die Demonstranten sind im Iran nach umstrittenen Prozessen hingerichtet worden. - Uncredited/Mizan News Agency/AP/dpa

Bei den Hingerichteten handelte es sich um Saleh Mirhaschemi, Madschid Kasemi und Said Jakobi. Gemäss islamischer Rechtsauffassung im Iran wurden sie wegen «Kriegsführung gegen Gott» zum Tode verurteilt. Bis zuletzt hatten Menschenrechtler und Angehörige dafür gekämpft, die Vollstreckung zu verhindern. Amnesty International berichtete, die Geständnisse seien unter Folter erzwungen worden.

Iran: Ziel ist Einschüchterung

Seit Jahren kritisieren Menschenrechtler die Anwendung der Todesstrafe im Iran. Die Exekution von vier Protestteilnehmern zu Jahresbeginn löste international einen Aufschrei aus. Der Staat verfolgt nach Einschätzung von Kritikern damit das Ziel, die Protestbewegung einzuschüchtern.

Während die Strassenproteste nach den Hinrichtungen deutlich abnahmen, drücken viele ihren Protest mittlerweile in anderen Formen aus. In den Metropolen etwa ignorieren viele Frauen demonstrativ die Kopftuchpflicht.

Bundesregierung fordert Einstellung der Todesstrafe

Das Auswärtige Amt in Berlin verurteilte die Hinrichtungen. «Die Bundesregierung lehnt die Todesstrafe unter allen Umständen ab. Wir rufen Iran weiterhin dazu auf, diese unmenschliche, grausame und erniedrigende Art der Bestrafung umgehend auszusetzen», sagte ein Ministeriumssprecher.

Die EU forderte den Staat ebenfalls auf, die Verhängung und Vollstreckung von Todesurteilen gegen Demonstranten unverzüglich einzustellen. Auch die Menschenrechtsbeauftragte der Bundesregierung, Luise Amtsberg, äusserte sich bestürzt.

Ad
Ad

Mehr zum Thema:

Amnesty InternationalTodesstrafeProtestStaatEU