Putin trifft Araghtschi und sichert Iran Unterstützung zu
Der Iran legt den USA einen neuen Deal auf den Tisch: Strasse von Hormus öffnen, Krieg beenden – und das heikle Atomprogramm später verhandeln.

Das Wichtigste in Kürze
- Der Iran schlägt den USA die Öffnung der Strasse von Hormus und ein Kriegsende vor.
- Verhandlungen über das iranische Atomprogramm sollen auf später verschoben werden.
- Trump hält bislang an der Seeblockade fest und erwartet baldiges Einlenken Teherans.
Seit Wochen hält der Krieg zwischen den USA und dem Iran die Welt in Atem. Am 8. April hatten beide Seiten – vermittelt durch Pakistan – eine zweiwöchige Waffenruhe verkündet.
Doch die Lage bleibt brüchig: Eine erste Verhandlungsrunde in Pakistan endete ergebnislos, eine zweite Runde am 22. April platzte ganz.
Streitpunkt Nummer eins: die Strasse von Hormus, durch die normalerweise ein Grossteil der weltweiten Öltransporte fliesst. Die USA blockieren iranische Schiffe und Häfen, der Iran wiederum hält die Meerenge weitgehend dicht.
Am 21. April verlängerte US-Präsident Donald Trump (79) die Waffenruhe – bis ein Vorschlag aus Teheran auf dem Tisch liege. Genau dieser scheint nun zu existieren.
Im Nau.ch-Ticker erfährst du alles rund um den Iran-Krieg:
Netanjahu: Kampf gegen Hisbollah ist noch nicht beendet
21.07: Im Kampf gegen die libanesische Hisbollah-Miliz sieht der israelische Ministerpräsident Benjamin Netanjahu die andauernde Bedrohung seines Landes durch Raketen und Drohnen als zentrales Problem. Das machte er auf einer Militärkonferenz deutlich. Dieses Problem müsse man mit einer Kombination aus operativen und technologischen Massnahmen lösen, sagte der Regierungschef. Erst dann sei man «auf dem Weg, die Hisbollah zu entwaffnen».
Die Hisbollah verfüge nur noch über etwa zehn Prozent der Raketen, die sie zu Beginn des Kriegs gehabt habe, sagte Netanjahu. Nach Schätzungen habe die proiranische Miliz ursprünglich ein Arsenal von rund 150.000 Raketen und Drohnen gehabt.

Zum Kampf gegen die Hisbollah sagte Netanjahu: «Die Arbeit ist noch nicht abgeschlossen.» Die Lage bereite den Einwohnern des israelischen Nordens weiterhin Sorgen. Um die Hisbollah wie angestrebt zu entwaffnen, müsse das Problem mit den Drohnen und Raketen gelöst werden. «Denn die politische Seite können wir meines Erachtens lösen, wenn wir das gelöst haben», sagte er mit Blick auf das Ziel einer friedlichen Einigung mit der libanesischen Führung.
Im Konflikt zwischen der Hisbollah und Israel gilt offiziell eine Waffenruhe. Diese hatte US-Präsident Donald Trump nach Gesprächen mit Netanjahu und dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun verkündet. Die Mitte April verkündete Feuerpause gilt noch gut zwei Wochen. Faktisch kommt es aber fast täglich zu Angriffen beider Seiten. Der Libanon ist offiziell keine Konfliktpartei.
Der israelische Verteidigungsminister Israel Katz drohte bei einem Treffen mit der UN-Sonderkoordinatorin für den Libanon, Jeanine Hennis-Plasschaert, es werde «keine Realität einer Waffenruhe im Libanon geben, während gleichzeitig auf unsere Streitkräfte und auf die Ortschaften in Galiläa geschossen wird». Sollte die libanesische Führung sich nicht klar von der Hisbollah distanzieren, werde «ein Feuer ausbrechen und die Zedern des Libanons verbrennen». Die Zeder ist das Nationalsymbol des Libanons und erscheint etwa auf der Flagge des Mittelmeerlandes.
Merz äussert sich «desillusioniert» zum Iran-Krieg
19.54: Der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hat sich «desillusioniert» vom Vorgehen der USA und Israels gegen den Iran gezeigt. «Ja, ich bin da mittlerweile desillusioniert», sagte er am Rande der Unions-Klausur in Berlin. Die von den USA und Israel anfangs angestrebte Lösung des «Problems» in wenigen Tagen sei nicht erfolgt.

«Deswegen wollen wir uns ja auch von der europäischen Seite aus diplomatisch mit um eine Lösung bemühen», sagte Merz. «Wir stimmen uns da eng mit der amerikanischen Seite ab, sagen aber auch, dass wir eigene europäische Vorstellungen haben, wie man hier zu einer Lösung des Konfliktes kommen kann.»
Der Kanzler hatte sich bereits am Morgen bei einer Diskussion mit Schülern im Sauerland mit deutlichen Worten zum Iran-Krieg geäussert und den USA fehlende Strategie vorgeworfen. «Da wird eine ganze Nation gedemütigt durch die iranische Staatsführung», sagte er. Die USA könnten den Krieg nicht schnell beenden, «weil die Iraner offensichtlich stärker sind als gedacht und die Amerikaner offensichtlich auch in den Verhandlungen keine wirklich überzeugende Strategie haben», sagte Merz.
Putin trifft Araghtschi und sichert Iran Unterstützung zu
17.24: Kremlchef Wladimir Putin hat Teheran bei einem Treffen mit dem iranischen Aussenminister Abbas Araghtschi in St. Petersburg die weitere Unterstützung Moskaus zugesichert. Er habe vorige Woche eine Botschaft des obersten Führers Modschtaba Chamenei, Sohn des getöteten Ajatollahs Ali Chamenei, erhalten und könne nur bestätigen, dass Russland und der Iran ihre strategische Partnerschaft fortsetzten, sagte Putin der russischen Nachrichtenagentur Interfax zufolge.
Araghtschi sagte laut russischer Übersetzung in der Präsidentenbibliothek der Newa-Metropole, dass die Beziehungen zwischen Teheran und Moskau auf höchstem Niveau seien und weiter gefestigt würden. Er dankte Russland für die Unterstützung.

Putin wiederum äusserte die Hoffnung auf baldigen Frieden in der Region. «Wir sehen, wie tapfer und heldenhaft das iranische Volk um seine Unabhängigkeit kämpft, um seine Souveränität», sagte Putin. «Wir werden von unserer Seite alles tun, was in ihrem Interesse liegt und den Interessen alles Völker der Region entspricht, damit der Frieden so schnell wie möglich erreicht werden kann.»
Kremlsprecher Dmitri Peskow erklärte zu dem Treffen, dass eine Rückkehr zu Kampfhandlungen weder im Interesse Teherans noch im Interesse der Weltwirtschaft sei. Russland sei zur Vermittlung in dem Konflikt bereit. Peskow hatte zuvor auch gesagt, das Gespräch sei wegen der Entwicklungen im Iran und im Nahen Osten von unschätzbarer Wichtigkeit.
Zuvor hatte der iranische Aussenminister Islamabad besucht, um pakistanischen Vermittlern die Bedingungen Teherans für eine Beendigung des Kriegs an die USA zu übergeben. Direkte Verhandlungen beider Seiten gibt es derzeit nicht.
EU-Kommissar warnt vor Belastungen im Luftverkehr wegen Iran-Krieg
16.15: Steigende Kerosinpreise, gestrichene Flüge und die Angst vor Engpässen: Der EU-Verkehrskommissar Apostolos Tzitzikostas warnt angesichts des Iran-Krieges und der Schliessung der Strasse von Hormus vor erheblichen Belastungen für den Luftverkehr. «Die Lage ist nicht gut», sagte er dem griechischen Nachrichtensender Skai.

Zwar seien aktuell ausreichend Treibstoffe verfügbar, und mehr als 80 Prozent der Flughäfen meldeten keine Engpässe. Allerdings hätten sich die Preise mehr als verdoppelt. Dies führe dazu, dass zahlreiche Fluggesellschaften Verbindungen einstellten, die bereits vor dem Krieg wirtschaftlich kaum tragfähig gewesen seien. Sollte die Sperrung andauern und keine Lösung gefunden werden, könnten nach Juni jedoch auch Knappheiten auftreten.
Eine echte Knappheit in Europa sei vorerst nicht zu erwarten, betonte Tzitzikostas und verwies auf vorhandene Notfallreserven. Die EU-Staaten seien verpflichtet worden, ihre Bestände täglich zu melden, um einen Überblick über die verfügbaren Reserven zu behalten. Sollten sich nach Juni Engpässe abzeichnen, könnten diese Vorräte gezielt freigegeben werden, fügte er hinzu.
Israels Armee meldet neue Angriffe auf Hisbollah im Libanon
15.03: Israels Militär bombardiert eigenen Angaben zufolge trotz formell geltender Waffenruhe erneut Ziele der vom Iran unterstützten Hisbollah im Libanon.
Die israelische Armee sagte am Nachmittag, sie habe begonnen, Infrastrukturanlagen der Miliz im Süden sowie in der Bekaa-Ebene im Nachbarland ins Visier zu nehmen. Die Bekaa-Ebene erstreckt sich im Osten des Landes. Das israelische Militär hat dort seit Beginn der Feuerpause nicht mehr angegriffen.

Aus libanesischen Sicherheitskreisen hiess es, dort habe Israels Armee Orte angegriffen, die als Hochburgen der Hisbollah gelten. Demnach gab es am Nachmittag auch heftige Angriffe der israelischen Luftwaffe in mehreren Orten im Süden des Landes. Berichte über Opfer gab es zunächst nicht.
Kreml bezeichnet Treffen mit Irans Aussenminister als sehr wichtig
13.25: Der russische Präsident Wladimir Putin wird nach Kremlangaben mit dem iranischen Aussenminister Abbas Araghtschi in St. Petersburg zusammentreffen.
Putin werde Araghtschi in der Präsidentenbibliothek der Newa-Metropole empfangen, sagte Kremlsprecher Dmitri Peskow.

Das Gespräch sei wegen der Entwicklungen im Iran und dem Nahen Osten von unschätzbarer Wichtigkeit. Einen genauen Zeitpunkt für das Treffen nannte er nicht. Araghtschi ist nach Medienangaben bereits in St. Petersburg gelandet.
Wahlbündnis gegen Netanjahu: «Wer wagt, gewinnt»
12.40: In Israel ist ein Wahlbündnis gegen Ministerpräsident Benjamin Netanjahu entstanden – der daran beteiligte frühere Ministerpräsident Naftali Bennett spricht von einer guten Entscheidung.
«Wer wagt, gewinnt», schrieb Bennett auf der Plattform X, nachdem er am Sonntag mit Oppositionsführer Jair Lapid angekündigt hatte, gemeinsam bei der kommenden Wahl anzutreten.
Regulär soll am 27. Oktober ein neues israelisches Parlament gewählt werden. Die Opposition hofft, dann die Koalition von Ministerpräsident Benjamin Netanjahu abzulösen.
Hisbollah lehnt direkte Verhandlungen mit Israel ab
11.57: Die vom Iran unterstützte Hisbollah lehnt direkte Verhandlungen mit Israel nach Worten ihres Generalsekretärs Naim Kassim weiterhin ab.
Die libanesische Organisation werde weiter «defensiven Widerstand» gegen Angriffe Israels leisten, teilte Kassim heute mit. Die Miliz werde ihre Waffen auch nicht abgeben, weil diese nötig seien, um sich gegen Israel zu verteidigen.

Im Konflikt zwischen der Hisbollah und Israel gilt eine Waffenruhe. Diese hatte US-Präsident Donald Trump nach Gesprächen mit Israels Ministerpräsident Benjamin Netanjahu und dem libanesischen Präsidenten Joseph Aoun verkündet. Die Mitte April verkündete Feuerpause gilt noch gut zwei Wochen. Der Libanon ist offiziell keine Konfliktpartei.
Ölpreise steigen wegen Nahost-Spannungen weiter
09.36: Die Ölpreise sind am Montag im asiatischen Handel weiter gestiegen und bleiben damit anhaltend hoch. Angetrieben wurden sie zuletzt von der anhaltenden Unsicherheit im Nahen Osten, wo Gespräche zwischen Iran und den USA abgesagt worden waren.

Die für den Ölhandel wichtige Meeresstrasse von Hormus bleibt damit nahezu lahmgelegt.
Der Preis für ein Fass der Nordseeöl-Sorte Brent zur Lieferung im Juni legte am Morgen um über 2 Prozent auf 107,60 Dollar zu. Auch der Preis für ein Barrel der US-Sorte West Texas Intermediate (WTI) zur Lieferung im selben Monat stieg um fast 2 Prozent auf 96,25 Dollar.
Iran legt neuen Vorschlag vor: Hormus öffnen, Krieg beenden
05.30: Bewegung im festgefahrenen Konflikt: Aus Teheran kommt ein neuer Vorstoss in Richtung Washington.
Wie das US-Portal «Axios» unter Berufung auf einen Regierungsbeamten und zwei Insider berichtet, will der Iran die Strasse von Hormus für den Schiffsverkehr freigeben und den Krieg beenden – im Gegenzug soll das heikle Thema Atomprogramm zunächst ausgeklammert und erst zu einem späteren Zeitpunkt verhandelt werden.

Übermittelt wurde der Vorschlag demnach über pakistanische Kanäle, die schon bei der ersten Waffenruhe als Vermittler aufgetreten waren. Erst soll die US-Seeblockade fallen, danach folgen weitere Schritte.
Für Teheran hat das Manöver ein Ziel
Die iranische Führung ist sich laut «Axios» intern uneinig, wie weit man Washington in der Atomfrage entgegenkommen soll. Wird das Thema vertagt, fällt dieser Knoten vorerst weg – und eine schnelle Einigung rückt näher.
Für Trump wäre der Deal hingegen ein zweischneidiges Schwert. Sobald Hormus offen und das Kriegsende verkündet ist, verliert er sein wichtigstes Druckmittel.
Genau dieses braucht er aber, um zwei seiner zentralen Kriegsziele durchzusetzen: die Vernichtung der iranischen Uran-Bestände und ein Stopp der Anreicherung.
Trump will Seeblockade offenhalten
Wie es weitergeht, dürfte sich bereits am Montag entscheiden. Trump empfängt nach Angaben dreier US-Beamter sein nationales Sicherheits- und Aussenpolitik-Team im Weissen Haus zur Iran-Sitzung. Auf der Agenda: die blockierte Verhandlungslage und das weitere Vorgehen.

Wie der Präsident dazu steht, machte er am Sonntag bei Fox News klar. Trump will die Seeblockade aufrechterhalten und damit Irans Ölexporte weiter abklemmen – in der Hoffnung, Teheran innerhalb weniger Wochen mürbe zu machen.











