Filippo Grandi, hoher Flüchtlingskommissar der vereinten Nationen, schlägt Alarm: Nie zuvor waren so viele Menschen auf der Flucht, wie 2020.
Hoher Flüchtlingskommissar der vereinten Nationen
Filippo Grandi, Uno-Hochkommissar für Flüchtlinge, gestikuliert. (Archivbild) - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • 2020 waren 82,4 Millionen Menschen auf der Flucht.
  • Dieser Umstand ist unter anderem auf Corona zurückzuführen.
  • Denn meisten Staaten schlossen aufgrund der Pandemie ihre Grenzen.

UN-Generalsekretär Guterres hatte gehofft, dass das weltbedrohende Coronavirus die Menschen wachrüttelt und Konflikte beendet werden. Ein Trugschluss, wie der neue UNHCR-Flüchtlingsbericht zeigt.

Ungeachtet der Corona-Pandemie sind im vergangenen Jahr weltweit so viele Menschen auf der Flucht gewesen wie nie zuvor.

Flüchtlinge
Flüchtlinge mit Schutzmasken auf Lesbos. - Nau.ch

Ende 2020 waren praktisch so viele Menschen wegen Konflikten, Verfolgung und Gewalt aus ihrer Heimat vertrieben wie Deutschland Einwohner hat.

Hoher Flüchtlingskommissar der vereinten Nationen: «Hinter jeder Person steht eine Geschichte»

Das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR) sprach in Genf von 82,4 Millionen. Das waren vier Prozent mehr als 2019 und doppelt so viele wie vor zehn Jahren. Auch der Klimawandel treibe immer mehr Menschen in die Flucht. Dies, weil sie in ihrer Heimat nicht mehr überleben können, berichtete UNHCR.

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Filippo Grandi, Hoher Flüchtlingskommissar der Vereinten Nationen. (Archivbild) - dpa

Filippo Grandi, Hoher Flüchtlingskommissar der vereinten Nationen, sagte: «Hinter jeder Zahl steht eine Person, eine Geschichte der Vertreibung, Enteignung und des Leids.»

Und weiter: «Sie verdienen unsere Aufmerksamkeit und unsere Unterstützung. Nicht nur durch humanitäre Hilfe, sondern auch dadurch, dass wir eine Lösung für ihre Not finden.»

Grenzen wegen Pandemie zu

So viele Länder wie seit fast zwei Jahrzehnten nicht mehr schlossen in der Pandemie ihre Grenzen. Darum fanden so wenige Flüchtlinge wie seit fast zwei Jahrzehnten keine neue Heimat mehr.

Flüchtling kind
Ein Flüchtlings-Mädchen singt im Schulunterricht. - Keystone

Nur 34 400 Menschen konnten in 21 Ländern umgesiedelt werden – etwa ein Drittel so viele wie im Jahr davor. Eigentlich brauchten 1,4 Millionen Menschen solche Plätze, so das UNHCR.

Deutlich mehr als die Hälfte der Menschen war im eigenen Land vertrieben. Die, die ins Ausland flohen, blieben vor allem in den Nachbarländern. 86 Prozent wurden von Entwicklungsländern aufgenommen. Minderjährige machen zwar rund 30 Prozent der Weltbevölkerung aus, unter den Geflüchteten sind es aber 42 Prozent.

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