«Halt dein Maul»: Bergführer greift Alpinist auf 3000 Meter Höhe an

    Riccardo Schmidlin
    Riccardo Schmidlin

    Österreich,

    Ein polnisches Paar gerät auf einem schmalen Bergsteig mit einem Bergführer aneinander. Der Streit endet handgreiflich und hat nun Konsequenzen.

    Auf dem österreichischen Berg Grossglockner kam es zu einem Mega-Streit zwischen einem Bergführer und einem Alpinisten.

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ein Bergführer gerät auf einem schmalen Steig am Grossglockner mit einem polnischen Paar aneinander.
    • Der Streit eskaliert, der Bergführer wird handgreiflich. Ein Video des Vorfalls sorgt in den sozialen Netzwerken für Aufsehen.
    • Der Kalser Berg- und Skiführerverein will ihm künftig keine Aufträge mehr vermitteln. Auch die Polizei ermittelt.

    Es sollte eine entspannte Bergtour werden. Doch am Grossglockner in Österreich eskalierte am vergangenen Wochenende ein Streit auf dem Mürztaler Steig. Der schmale Bergpfad führt zur Erzherzog-Johann-Hütte auf rund 3000 Metern Höhe.

    Ein polnisches Paar war unterwegs, als ein Bergführer von oben kam und die beiden überholen wollte. Der Mann bat ihn zu warten, weil seine Begleiterin auf dem engen Steig noch unterhalb stand.

    Der Bergführer reagierte: «Ich bin Bergführer, halt dein Maul!»

    Er ging weiter, passierte die Frau und rief kurz darauf: «Ich komme rauf und geb dir eine!»

    Streit eskaliert

    Der Bergführer drehte um und ging zurück zum Polen. Ein Video zeigt, wie sich die beiden auf dem schmalen Steig gegenüberstehen. Der Bergführer wird handgreiflich. Die Begleiterin versucht, den Streit zu stoppen.

    Dann ging der Bergführer weiter. Der Pole rufte ihm nach: «Es ist wirklich unglaublich».

    Das Video verbreitete sich in den sozialen Netzwerken und sorgte für viele Reaktionen.

    Den Auftrag hatte der Kalser Berg- und Skiführerverein vermittelt, wie die österreichische Zeitung «Krone» berichtet. Der Bergführer ist kein Mitglied des Vereins. Vereinschef Michael Amraser findet klare Worte: «Das Verhalten war katastrophal und absolut inakzeptabel».

    Verein zieht Konsequenzen

    Der Verein will dem Bergführer künftig keine Aufträge mehr vermitteln. Zudem schrieb er dem polnischen Bergsteiger über Social Media und entschuldigte sich. Eine Antwort sei bislang ausgeblieben.

    Der Bergführer wollte sich gegenüber «Krone» nicht äussern.

    Auch der österreichische Berg- und Skiführerverband reagierte. Präsident Walter Zörer bezeichnete das Verhalten als «zwischenmenschlich und alpinistisch untragbar». Der Verband distanziert sich von einem solchen Auftreten.

    Wer ist im Recht?

    Gleichzeitig betont der Verband, dass sich der Vorfall anhand einzelner Videoausschnitte nur eingeschränkt beurteilen lässt. Der zuständige Landesverband soll den Fall prüfen und aufarbeiten. Auch disziplinarrechtliche Massnahmen seien möglich.

    Jetzt ermittelt die Polizei

    Der Streit beschäftigt inzwischen auch die Polizei. Bei der Polizeiinspektion Matrei in Osttirol ging eine Anzeige ein.

    «Es werden Ermittlungen wegen Gefährdung der körperlichen Sicherheit geführt», sagte der stellvertretende Postenkommandant gegenüber dem ORF.

    Auf den untersuchten Vorwurf stehen bis zu drei Monate Haft.

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    Kommentare

    User #1361 (nicht angemeldet)

    Das passt zur allgemeinen Kulturlosigkeit und Verwahrlosung der Bevölkerung, gerade beim Sport. Eine Horde unerzogener Egoisten.

    User #3818 (nicht angemeldet)

    vorab: Der Bergführer hat falsch reagiert aber: Als Alpinistin erlebt man so einiges in den Bergen. Heute ist da Hinz und Kunz unterwegs - völlig überfordert, falsch ausgerüstet, aber Hauptsache die Cam läuft... Dass es da irgendwann mal einem den Deckel lupft, kann ich nachvollziehen. Zudem gehe ich stark davon aus, dass es hier eine Vorgeschichte gibt, die der Pole selbstverständlich nicht veröffentlicht hat. Man muss immer beide Seiten anhören bevor man ein Urteil bildet.

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