Die jährlichen Wohnnebenkosten in Deutschland unterscheiden sich stark von Stadt zu Stadt. Während ein Mieter in Regensburg im Schnitt 915 Euro zahlt, wird in Leverkusen fast das Doppelte verlangt.
Häuser einer Neubausiedlung in Regensburg. Foto: Armin Weigel/dpa
Häuser einer Neubausiedlung in Regensburg. Foto: Armin Weigel/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Wie hoch die finanzielle Belastung der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland durch Wohnnebenkosten ist, hängt einer neuen Untersuchung zufolge stark vom Wohnort ab.

Wer etwa in Leverkusen wohnt, muss besonders viel zahlen: Rund 2046 Euro fallen in der rheinländischen Stadt pro Jahr an Gebühren für die Abfall- und Abwasserentsorgung sowie Grundsteuern an, wie das Forschungsunternehmen IW Consult im Auftrag des Eigentümerverbands Haus und Grund ausgerechnet hat. Nirgendwo in Deutschland sind demnach diese Wohnnebenkosten so hoch wie dort.

Regensburg in Bayern hingegen führt die Liste der günstigsten Orte an: 915 Euro und damit mehr als die Hälfte weniger zahlten die Menschen dort im Schnitt pro Jahr, heisst es in der Untersuchung. Auffällig: Acht der zehn teuersten Kommunen liegen demnach in Nordrhein-Westfalen. Die zehn günstigsten Orte teilen Bayern, Baden-Württemberg, Rheinland-Pfalz und Hessen unter sich auf.

Süden gut aufgestellt

«Unser Eindruck besteht durchaus, dass gerade die Bundesländer Bayern und Baden-Württemberg gut wirtschaften, dass sie mit Augenmass die Gebühren setzen, dass sie in engem Kontakt mit den Bürgern stehen und ein Interesse daran haben, dass eine hohe Bürgerzufriedenheit herrscht», sagte Studienleiter Hanno Kempermann am Dienstag in Berlin.

Strukturelle oder geografische Gründe für die hohen Unterschiede liessen sich hingegen nicht feststellen, betonte er. Auch die Grösse der Stadt oder die Einwohnerdichte böten keinen Massstab für die Höhe der Nebenkosten. Eine Ausnahme bilde das Ruhrgebiet. Hier hätten Kommunen aufgrund eines Notstandshaushalts oft gar keine andere Wahl, als Gebühren zu erhöhen, betonte Kempermann.

Grundlage für die Berechnung war ein symbolisches alleinstehendes Musterhaus mit 120 Quadratmetern Wohnfläche und vier Bewohnerinnen und Bewohnern - eine übliche Vergleichsgrösse, die jedoch in Grossstädten nicht immer dem durchschnittlichen Haushaltstyp entspricht.

Kritik: Kommunen seien nicht vergleichbar

Die Gebühren und Beiträge für die Abwasser- und Müllentsorgung in den 100 grössten Städten in Deutschland wurden auf Basis der öffentlich einsehbaren Gebührenordnungen der jeweiligen Kommunen erhoben. Wo bestimmte Leistungen nicht angeboten wurden, setzten die Autorinnen und Autoren hypothetische Gebühren an.

Kritik an den Zahlen kam am Dienstag unter anderem vom Verband kommunaler Unternehmen. «Wer Entgelte vergleicht, vergleicht Äpfel mit Birnen», teilte ein Sprecher auf Anfrage mit. «Die Höhe der Entgelte für Abwasser und Abfall ist von Region zu Region verschieden, weil sie unterschiedliche Leistungen, Standorte, Rahmenbedingungen vor Ort berücksichtigen.»

So böten etwa beim Abfall einige Kommunen eine kostenlose oder günstige Sperrmüll-Abholung an. Diese Leistungen seien dann in den Gebühren eingepreist. «Auch die Dichte und Anzahl der Wertstoffhöfe spielt eine Rolle.» Die Infrastrukturen für Abwasser wiederum seien «Massanfertigungen für Generationen. Daher funktionieren einfache Vergleiche nicht und können keine Transparenz für Verbraucher schaffen».

Haus-und-Grund-Präsident Kai Warnecke weist solche Kritik indes zurück. «Die Ausreden sind bunt, aber sie sind in den vergangenen Jahren nie stichhaltig gewesen», sagte er am Dienstag. Regensburg etwa habe bei der Abwasserentsorgung sicherlich mehr Steigungen zu überwinden als Potsdam. Trotzdem seien die Gebühren dort deutlich niedriger.

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