Reden wollen viele Politiker bei der Weltklimakonferenz. Ob sie auch tatsächlich etwas Wichtiges zu sagen haben, bleibt abzuwarten. Die Liste der Forderungen an die Politik ist jedoch lang.
Klimaaktivisten haben den George Square in Glasgow vor der Weltklimakonferenz mit einer Kunstinstallation aus künstlichen Flammen, Rauch, Bannern und riesigen Feuerlöschern «in Brand gesetzt». Foto: Andrew Milligan/PA Wire/dpa
Klimaaktivisten haben den George Square in Glasgow vor der Weltklimakonferenz mit einer Kunstinstallation aus künstlichen Flammen, Rauch, Bannern und riesigen Feuerlöschern «in Brand gesetzt». Foto: Andrew Milligan/PA Wire/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Vor der Weltklimakonferenz im schottischen Glasgow haben am Freitag Politiker, Verbände und der Papst die Teilnehmer zu entscheidendem Handeln gegen die Erderwärmung aufgerufen.

Deutschlands amtierende Bundeskanzlerin Angela Merkel ergreift zum Auftakt der Konferenz am Montag gleich zwei Mal das Wort. Wie die stellvertretende Regierungssprecherin Martina Fietz am Freitag mitteilte, wird Merkel zunächst mittags im Plenum der Staats- und Regierungschefs für Deutschland sprechen und anschliessend beim Event «Action and Solidarity - the Critical Decade» auftreten.

Neben Merkel reden am Montag auch Dutzende weitere Staats- und Regierungschefs. Angekündigt für die je dreiminütigen Beiträge wurden neben den Präsidenten der USA und Frankreichs, Joe Biden und Emmanuel Macron, auch die Präsidenten der Türkei, Spaniens, Ägyptens und Indonesiens sowie die Spitzen der EU, Charles Michel und Ursula von der Leyen. Dazu kommen unter anderem die Regierungschefs von Kanada, Italien, Australien, Indien und Pakistan.

In Paris hatte sich die Staatengemeinschaft vor sechs Jahren darauf geeinigt, die Erderwärmung möglichst auf 1,5 Grad zu begrenzen, um die drohende Klimakatastrophe abzuwenden. In Glasgow geht es nun darum, dieses Ziel im Rahmen des physikalisch Möglichen zu halten und um die konkrete Umsetzung zu ringen. Bislang reichen die ausgegebenen Pläne der Staaten bei weitem nicht aus.

Russlands Präsident Wladimir Putin betonte die Relevanz gemeinsamen Handels gegen den Klimawandel. Die Erfüllung der Klimaziele hänge davon in grossem Masse ab, sagte Putin laut Kreml-Mitteilung am Freitag bei einem Treffen mit Finnlands Staatsoberhaupt Sauli Niinistö in Moskau.

Papst Franziskus, der wie Putin nicht nach Schottland reist, forderte von den Entscheidern effektive Antworten auf die Umweltkrise. Der Klimawandel und die Covid-19-Pandemie hätten eine tiefe Verletzbarkeit und zahlreiche Zweifel an den Wirtschaftssystemen und der Gesellschaft enthüllt, sagte das Oberhaupt der katholischen Kirche im Radiosender BBC. «Jede Krise verlangt nach einer Vision, Planungsfähigkeit und Schnelligkeit in der Umsetzung.» In der Krise stecke die Chance für Veränderung, aber auch die Herausforderung, nicht einfache radikale Entscheidungen zu treffen.

«Die Staaten weltweit, insbesondere aber die Staaten der G20 und der G7, müssen dringend ihre Klimaschutzambitionen steigern», schrieb auch der Vorsitzende der Deutschen Bischofskonferenz, Georg Bätzing. Die Erderwärmung müsse auf 1,5 Grad begrenzt werden. «Gerade Deutschland hat als Industrieland und aufgrund seiner historischen Emissionen eine besondere Verantwortung und Verpflichtung für das Weltklima, aber auch für die finanzielle Unterstützung ärmerer Länder», mahnte Bätzing.

Die Klimaaktivistin Greta Thunberg kritisierte die ungleiche Vertretung reicher und ärmerer Staaten bei der Klimakonferenz. «Es ist nicht fair, wenn zum Beispiel ein Land noch und noch Delegierte schickt und ein anderes sehr unterrepräsentiert ist», sagte die 18-Jährige in einem vorab veröffentlichten Ausschnitt eines BBC-Interviews. «Dadurch entsteht ein Ungleichgewicht.» Die Verhandlungen seien zum Scheitern verurteilt, solange die historische Verantwortung der reicheren Ländern für die Klimakrise ignoriert würde und die am stärksten betroffenen Staaten weniger gehört würden.

Die Umweltschutzorganisation Greenpeace forderte eine Einigung der Weltgemeinschaft auf ein Ende aller neuen fossilen Projekte. «Paris war die Verlobungsparty, aber jetzt sind wir auf der Hochzeit und warten gespannt darauf, ob die wichtigen Player bereit sind, «Ja, ich will» zu sagen», sagte die Greenpeace-Chefin Jennifer Morgan.

Greenpeace fordert zudem eine Garantie reicher Länder, mindestens 100 Milliarden US-Dollar pro Jahr für weniger entwickelte Staaten zur Verfügung zu stellen, um die Energiewende und Anpassung zu schaffen. Vor wenigen Tagen war bereits bekannt geworden, dass dieses im Pariser Klimaabkommen bekräftigte Ziel erst 2023, drei Jahre später als ursprünglich geplant, erreicht wird.

Greenpeace und andere fordern ausserdem, weitere Gelder für besonders von der Klimakrise betroffene Staaten zur Verfügung zu stellen. Das Climate Action Network weltweiter Klimaschutzorganisationen forderte in einem offenen Brief in dieser Woche, sich in Glasgow auf Regeln zu einigen, um die dafür notwendigen Summen zu ermitteln und zu sichern. Für 2030 erwartet das Netzwerk Schäden von bis zu 580 Milliarden US-Dollar (rund 496 Mrd. Euro) allein in Entwicklungsländern.

Unicef fordert bei den notwendigen Investitionen ein besonderes Augenmerk auf Kinder und Jugendliche. «Die Vereinbarungen der Klimakonferenz entscheiden über das Leben und die Zukunft von Millionen Kindern und zukünftigen Generationen», sagte Christian Schneider, Geschäftsführer von Unicef Deutschland. Nach Angaben des UN-Kinderhilfswerks sind bereits heute eine Milliarde Kinder wegen der Auswirkungen des Klimawandels extrem stark gefährdet.

Auch die Naturschutzorganisationen WWF und Nabu sehen die deutschen Vertreter in der Verantwortung. «Ein ambitioniertes Klimaschutz-Sofortprogramm der kommenden Ampelkoalition wäre ein wichtiges Aufbruchssignal an die Staatengemeinschaft», sagte Nabu-Präsident Jörg-Andreas Krüger.

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