Russland verfüge über ein modernes Atomwaffenarsenal und werde jeden Angreifer vernichten, sagte Putin bei seiner Rede zu Beginn der russischen Invasion. Friedensnobelpreisträger sind besorgt.
Beatrice Fihn, Daniel Högsta und Grethe Ostern von der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN). Foto: Martial Trezzini/KEYSTONE/dpa
Beatrice Fihn, Daniel Högsta und Grethe Ostern von der Internationalen Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN). Foto: Martial Trezzini/KEYSTONE/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen (ICAN) sieht nach dem Einmarsch Russlands in die Ukraine die Gefahr eines Atomwaffeneinsatzes.

Zur Rhetorik des russischen Präsidenten Wladimir Putin teilte ICAN am Donnerstag in Genf mit: «Von seinen Worten und Taten her ist klar, dass der Einsatz von Atomwaffen immer auf dem Tisch ist und das Risiko eines Atomwaffeneinsatzes steigt.» ICAN rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, Russland mit Nachdruck zu Dialog und Diplomatie zurückzubringen.

Muratow: Putin dreht am Nuklearknopf

Auch der russische Friedensnobelpreisträger Dmitri Muratow warf Kremlchef Wladimir Putin ein leichtfertiges Spiel mit atomaren Drohungen vor. «Der Oberkommandierende dreht am Nuklearknopf wie an einem Schlüsselbund von einem teuren Auto», sagte der Chefredakteur der kremlkritischen Zeitung «Nowaja Gaseta» am Donnerstag in einer Videobotschaft. «Was kommt als nächstes: ein atomarer Schlag?» Wie sollten Putins Worte anders zu verstehen sein, fragte der im vergangenen Jahr mit dem Nobelpreis ausgezeichnete Journalist.

Putin hatte in seiner Fernsehansprache zum Beginn der russischen Invasion in die Ukraine gewarnt, niemand solle versuchen, ihn an der Operation in dem Nachbarland zu hindern. Russland verfüge über ein modernes Atomwaffenarsenal und werde jeden Angreifer vernichten.

Trauer und Scham

«Unser Land hat auf Befehl von Präsident Putin einen Krieg gegen die Ukraine begonnen», sagte Muratow. «Und niemand kann diesen Krieg stoppen.» Das sei ein Grund für Trauer und Scham, meinte Muratow. Zugleich zeigten er und seine Redaktion sich solidarisch mit der Ukraine: «Wir werden die Ukraine nie als Feind anerkennen.» Die nächste Ausgabe des Blatts an diesem Freitag solle deshalb auf Russisch und Ukrainisch erscheinen. Muratow meinte auch, nur eine Anti-Kriegs-Bewegung in Russland könne den Planeten noch retten.

ICAN hatte 2017 den Friedensnobelpreis gewonnen. Das Bündnis hat einen völkerrechtlich verbindlichen Vertrag über das Verbot von Atomwaffen angeschoben, der inzwischen von mehr als 120 Ländern unterstützt wird und 2021 in Kraft trat. Allerdings ist es ein symbolischer Vertrag: Weder die Länder, die Atomwaffen besitzen, noch deren Verbündete sind dabei.

Mehr zum Thema:

Friedensnobelpreis Wladimir Putin Nobelpreis Krieg