Experte erklärt: Paris-Krawalle schaden dem Tourismus im Land

    Wie schnell beruhigt sich die explosive Lage in Frankreich? Das ist ungewiss. Für den Tourismus hat es aber grossen Einfluss, wie lange die Krawalle anhalten.

    frankreich
    In Frankreich kam es zu heftigen Krawallen. Das hat zumindest kurzfristig Auswirkungen auf den Tourismus. - keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Laut Tourismus-Experten haben die Krawalle in Frankreich kurzfristige Auswirkungen.
    • Ein dauerhafter Imageschaden sei aber keineswegs vorprogrammiert, sagt Adrian Müller.
    • Er appelliert auch an die Selbstverantwortung der Reisenden.

    Vor einer Woche eskalierte die Lage in Frankreich. Nach Demonstrationen gegen die hohen Lebenshaltungskosten kam es zu Krawallen, Sachbeschädigungen und Plünderungen.

    Die Bilder davon wurden in ganz Europa verbreitet. Die Ausschreitungen dominierten die Berichterstattung tagelang – auch in anderen Ländern.

    Es sind Bilder, die ein Gefühl von Unsicherheit verbreiten. Was bedeutet das für das Tourismus-Land Frankreich?

    Gegenüber Nau.ch erklärt Adrian Müller, Tourismusforscher an der Uni Bern, dass kurzfristige negative Auswirkungen zu erwarten seien. Es gebe bereits erste Berichte aus der Hotellerie zu Stornierungen und zu einer Abschwächung der Buchungsdynamik.

    Ausschreitungen könnten kurzfristig «zu Verunsicherung und einer Zurückhaltung bei Buchungen» führen. «Insbesondere, wenn sie grosse mediale Aufmerksamkeit erhalten.»

    Adrian Müller
    Adrian Müller von der Forschungsstelle für Tourismus der Universität Bern schätzt die Folgen der Krawalle für den Tourismus in Frankreich ein. - zvg

    Dazu gibt es auch Erfahrungswerte. «Aus der Forschung wissen wir, dass politische Gewalt und Unsicherheit die touristische Nachfrage beeinträchtigen können», erklärt der Experte.

    Wie stark die Auswirkungen sind und wie lange sie anhalten, hänge von verschiedenen Faktoren ab: Schwere, Dauer und räumliche Ausbreitung der Ereignisse.

    Sollte sich die Lage rasch wieder beruhigen, könne sich auch die touristische Nachfrage wieder erholen, sagt Müller. «Ein dauerhafter Imageschaden ist deshalb keineswegs vorprogrammiert.»

    Weitere Demonstrationen in Frankreich geplant

    In Frankreich sind für heute Samstag weitere Demonstrationen geplant, einige davon sind bewilligt. Es wird befürchtet, dass es erneut zu Ausschreitungen kommen kann.

    Tourismusforscher Müller erklärt: Wenn sich solche Ereignisse wiederholen und Reisende die Unsicherheit nicht mehr als vorübergehend wahrnehmen, «wird es längerfristig problematisch».

    frankreich
    Demonstranten blockieren den Zugang zum Louvre. - keystone

    Er betont, dass die wahrgenommene Sicherheit eine wichtige Rolle spielt. «Menschen beurteilen das Risiko einer Reise nicht ausschliesslich anhand der tatsächlichen Sicherheitslage, sondern auch aufgrund von persönlichen Erfahrungen und Medienberichten.»

    So könnten Bilder der Krawalle die Wahrnehmung einer Destination beeinflussen, selbst wenn die Ereignisse räumlich begrenzt waren. Reisende reagierten aber unterschiedlich auf Risiken.

    Tourismusforscher Müller sagt drum: «Es wäre daher falsch, von einer generellen Abschreckung aller Frankreich-Reisenden auszugehen.»

    Es seien auch nicht alle Formen des Tourismus gleichermassen betroffen. «Die Auswirkungen unterscheiden sich zwischen städtischen und ländlichen Regionen sowie je nach Reiseanlass und Möglichkeiten, eine Reise zu verschieben oder zu stornieren.»

    «Sicherheit muss erfahrbar sein»

    Frankreich müsse nun dafür sorgen, dass die Sicherheit von Bevölkerung und Gästen gewährleistet und das öffentliche Leben aufrechterhalten werde. Laut Müller sind auch transparente und sachliche Kommunikation wichtig.

    Würdest du aktuell nach Frankreich reisen?

    So könnten Reisende einschätzen, welche Gebiete sicher sind und wo tatsächlich Risiken bestehen. Und: «Sicherheit muss auch vor Ort erfahrbar sein.»

    Adrian Müller appelliert auch an die Eigenverantwortung der Touristen. Man solle sich vor und während der Reise informieren. «Eine sorgfältige Vorbereitung und ein umsichtiges Verhalten vor Ort können dazu beitragen, Risiken zu reduzieren.»

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    Kommentare

    User #6243 (nicht angemeldet)

    Ist das bereits eine "Kriegserklärung" der Linken Chaoten zu der Bevölkerung?!

    User #4711 (nicht angemeldet)

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