Frankreich-Demos: Polizei setzt in mehreren Städten Tränengas ein
Heute soll es in Frankreich erneut zu Demonstrationen kommen. Die Behörden hoffen, dass die Proteste nicht erneut eskalieren wie vor einer Woche.

In Frankreich liegen die Nerven blank, und die Anspannung ist gross: An diesem Samstag werden erneut landesweite Demonstrationen erwartet, bei denen die Behörden Ausschreitungen wie schon am vergangenen Wochenende befürchten.
Alle Entwicklungen im Nau.ch-Ticker:
Demonstrierende in Lille bewerfen laut «BFMTV» die Ordnungskräfte mit Gegenständen. Derweil greift die Polizei zu Wasserwerfern.
Derweil klagen Demonstrierende in den Sozialen Medien, die Polizei habe die offizielle Demonstrationsroute plötzlich blockiert und Tränengas eingesetzt.
Nicht nur in Lyon, auch in Rennes und Marseille setzt die französische Polizei Tränengas gegen die Demonstrierenden ein.

In Marseille droht die Situation gar zu eskalieren. Es kommt zu Konfrontationen zwischen den Ordnungskräften und einigen Demonstrierenden.
Auch einen Brand hat es am Rande eines Demozugs gegeben. Dieser konnte gelöscht werden.
🔴 Situation actuelle à Marseille.#24octobre pic.twitter.com/rnPfDk24s8
— confrontation française (@confrontfr) October 24, 2026
In der Hauptstadt Paris verlaufen die Proteste zeitgleich friedlich.
Während die Lage in Frankreich allgemein ruhig scheint, ist die Lage in Lyon angespannt.
Die Polizei setzt gegen die Demonstrierenden Tränengas ein. Rund tausend Personen hatten sich zuvor auf einem Platz im Süden der Stadt versammelt.
Rund 150 Personen sollen zudem versucht haben, eine Strasse zu blockieren, wie die AFP berichtet.

«Einige Personen haben versucht, mit Kapuzen und Masken das Sperrgebiet zu betreten», heisst es aus einer polizeinahen Quelle derweil bei «BFMTV».
Deshalb habe man die Personen in zwei Gruppen aufgeteilt und verfolge sie nun, um den Versuch, Barrikaden zu errichten zu verhindern.
Der Chef von «La France insoumise», Jean-Luc Mélenchon, fordert vom französischen Präsidenten Emmanuel Macron Bewegung.
Es sei «Zeit, nachzugeben», was die Forderungen der Schülerproteste angehe, mahnt Mélenchon. Sonst bleibe Macron am Ende nur noch der Rücktritt.

Der Sozialist kritisiert zudem die Änderung der Demonstrationsroute in Paris. Er ist der Ansicht, diese schaffe «Voraussetzungen für Unruhen».
Mélenchon, der selbst an der Demonstration teilnimmt, meint: «Es ist alles darauf ausgerichtet, eine Explosion auszulösen.»
Zu Beginn des Protesttages in Frankreich hat die Polizei zahlreiche Menschen kontrolliert.
Die Polizeipräfektur von Paris teilte mit, bei 635 Kontrollen viele verbotene Gegenstände beschlagnahmt und mehrere Verdächtige festgenommen zu haben.

Sie führe «massive Kontrollen» durch, insbesondere in Bahnhöfen und öffentlichen Verkehrsmitteln, «um jene abzuschrecken, die mit schlechten Absichten in die Hauptstadt kommen wollen».
In Paris sei die Lage nach den ersten Angaben zur Mittagszeit aber «ruhig».
Auch Innenminister Laurent Nuñez hat sich zur Lage in Frankreich in einer Pressekonferenz zu Wort gemeldet. Es habe bis 13 Uhr bereits 135 Festnahmen gegeben.
Mit einem massiven Polizeiaufgebot sollen Gewalt und Plünderungen verhindert werden, wie Innenminister Laurent Nuñez ankündigte. Landesweit würden 70’000 Beamte im Einsatz sein. Es gebe zahlreiche Aufrufe zu Gewalttaten und Plünderungen, bei denen es sich offensichtlich um Botschaften der Randalierer handele.
Premierminister Sébastien Lecornu sagte am Abend bei einem Besuch in Limoges, wo am vergangenen Wochenende das Rathaus brannte: «Die Bedrohungslage ist nach wie vor hoch.»

Eine Reihe von Demonstrationen ist laut dem Innenminister bereits verboten worden. Erlaubt würden Kundgebungen, die von den Organisatoren mit einem Ordnungsdienst begleitet werden, «und unter der Voraussetzung, dass sie natürlich nicht an Orten stattfinden, an denen es zu Plünderungen, Störungen der öffentlichen Ordnung und Ähnlichem kommen könnte.»
Die angespannte Lage in Frankreich wurde am Freitag durch eine Gewalttat weiter angeheizt, bei der ein Zusammenhang mit den Sozialprotesten und Unruhen im Land aber nicht direkt erkennbar war.

Ein Mann hatte in Gemeinden bei Paris aus einem Auto mit einer automatischen Waffe geschossen. Ein Mensch kam dabei ums Leben, fünf weitere wurden verletzt. Der Mann wurde kurze Zeit später festgenommen. Präsident Macron sprach von einem rassistischen Terroranschlag.
Den seit Wochen für eine bessere Ausstattung von Schulen demonstrierenden jungen Leute hatten sich am Wochenende bei Kundgebungen in zahlreichen Städten weitere Gruppen angeschlossen, unter anderem um gegen zu hohe Lebenshaltungskosten zu demonstrieren.
Präsident Emmanuel Macron hatte in einer Rede «ultralinken» Gruppen einen Umsturzversuch im Zusammenhang mit den Ausschreitungen vorgeworfen. Die «organisierten Gruppen» hätten «aufrührerische» Handlungen begangen mit dem Ziel, «die Republik zu stürzen», sagte Macron.

Vor den erneuten Demonstrationen hatte der Staatschef sich am Freitagnachmittag erstmals mit protestierenden Schülerinnen und Schülern zusammengesetzt.
Macron habe Gymnasiasten und Vertreter ihrer Organisationen empfangen wollen, um «sich ihre Forderungen und Sorgen anzuhören», teilte der Élysée-Palast mit. Als einen weiteren Schritt, um auf die Protestierenden zuzugehen, wolle die Regierung die für Januar geplante Erhöhung des Mindestlohns vorziehen, berichtete die Zeitung «Les Échos».











