Jetzt kaufen Franzosen Waffen für Selbstverteidigung
Französische Waffenhändler erleben einen Anstieg der Nachfrage nach den Krawallen. Die Leute seien «traumatisiert, sie haben Angst».

Das Wichtigste in Kürze
- Französische Ladenbesitzer bewaffnen sich wegen der drohenden Krawalle.
- Laut einem Waffenhändler werden vor allem Pfefferspray und Tränengas nachgefragt.
- Der Präsident der Handelskammer rät dringend vor Selbstverteidigung ab.
Vor einer Woche kam es in Frankreich zu grossen Demonstrationen gegen die hohen Lebenshaltungskosten. In vielen Städten eskalierten sie. Es kam zu Ausschreitungen, Sachbeschädigungen, Brandstiftung und Plünderungen.
Heute Samstag sind weitere Proteste angekündigt. Die Regierung wird rund 70’000 Polizisten einsetzen, um Szenen wie vor einer Woche zu verhindern.
Viele Franzosen sind aber skeptisch – und wollen die Sache selbst in die Hand nehmen.
So auch der Besitzer eines Motorrad- und Scooter-Geschäfts im zentralen 15. Arrondissement in Paris. Gegenüber der Nachrichtenagentur «Reuters» erzählt er, dass er drei grosse Kanister Tränengas gekauft hat.
«Du kannst überrascht werden», sagt er. «Die Leute kommen ohne Warnung. Deshalb musst du vorbereitet sein.»
Der Ladenbesitzer ist kein Einzelfall: Yves Gollety führt ein Waffengeschäft in Paris und berichtet von einem starken Anstieg der Nachfrage nach nicht-tödlichen Waffen seit Samstag.

Einen solchen Anstieg habe er noch nie gesehen, erzählt er. Leute aus allen Schichten der Gesellschaft würden sich eindecken. «Sie sind traumatisiert und haben Angst.»
Vor allem Tränengas in Kanistern und Pfefferspray würden sehr stark nachgefragt. Sie können laut dem Händler bloss für die Selbstverteidigung eingesetzt werden. Bei anderen Waffen gebe es keinen Anstieg der Nachfrage.
Handelskammer-Präsident berichtet von Brecheisen und Schrotflinten
Anderes erzählt Alain Di Crescenzo, der Präsident der Handelskammer, gegenüber dem Radiosender «Europe 1». So habe er persönlich Ladenbesitzer gesehen, die sich mit Baseballschlägern, Brecheisen und Schrotflinten bewaffnet hätten.
Das sei «zutiefst besorgniserregend». Er rät den Ladenbesitzern dringend davon ab, die Verteidigung selbst in die Hand zu nehmen. «Das ist nicht ihr Job, es würde bloss noch mehr Leid verursachen.» Stattdessen solle man der Polizei vertrauen.
Die französische Regierung hat versprochen, die Sicherheit besser zu gewährleisten. Heute Samstag sind einzig Kundgebungen der Gewerkschaften erlaubt. Die Gelbwesten und Studenten erhielten keine Genehmigung.

















