Die EU-Gesundheitsbehörde warnt vor einem schwierigen Winter mit vielen Corona-Fällen, sollten keine sofortigen Corona-Massnahmen umgesetzt werden.
Coronavirus Intensivstation
Corona-Patient auf Intensivstation in Stuttgart. - AFP/Archiv

Das Wichtigste in Kürze

  • Die Corona-Zahlen nehmen in ganz Europa weiter zu.
  • Die EU-Gesundheitsbehörde warnt vor einem schwierigen Winter.
  • Die Festtage stellen ein erhebliches Risiko dar.

Die Lockerung der Schutzmassnahmen und weiter nur schleppende Impfkampagnen fordern ihren Tribut. Die EU-Gesundheitsbehörde zeichnet düstere Szenarien für die kommenden Monate in Europa. Ohne sofortige Corona-Massnahmen und höhere Impfzahlen steht Europa nach Angaben der EU-Gesundheitsbehörde ECDC ein schwieriger Winter bevor.

Modellierungsszenarien wiesen darauf hin, dass dem Europäischen Wirtschaftsraum (EWR) eine möglicherweise sehr hohe Krankheitsbelastung durch die Delta-Variante drohe. Diese soll im Dezember und Januar eintreten.

Corona
Eine Corona-kranke Person auf der Instensiv-Station. - AFP/Archiv

Es sei denn, man wende umgehend sogenannte nicht-pharmazeutische Interventionen (NPI) an, teilte die Behörde am Mittwoch mit. Zu solchen Massnahmen zählen zum Beispiel Abstand halten und das Tragen eines Mund-Nasen-Schutzes. Gleichzeitig müssten mehr Menschen geimpft werden, hiess es in der neuen Corona-Risikoeinschätzung des ECDC.

Festtage stellen erhebliches Risiko dar

Die Festtage zum Jahresende seien traditionell mit Zusammenkünften, Shopping-Touren und Reisen verbunden, schrieb die in Stockholm ansässige Behörde weiter. Dies stelle ein erhebliches Risiko einer noch stärkeren Infektionsverbreitung dar.

Festtage
Die Festtage stehen vor der Tür. (Symbolbild) - sda - KEYSTONE/GAETAN BALLY

Weil die Impfstoffe einen hohen Schutz gegen schwere Krankheitsfolgen bieten, werden Ungeimpfte eine grosse Zahl neuer Krankenhauseinweisungen ausmachen. Dies berichtete ECDC-Direktorin Andrea Ammon. Die derzeitige Gesamtimpfrate im EWR werde unzureichend sein, um die Belastung durch Corona-Fälle und Einweisungen in den Wintermonaten zu begrenzen. Europa müsse Immunitätslücken in der erwachsenen Bevölkerung schliessen.

Abnahme des Impfschutzes

Da der Impfschutz mit der Zeit offenbar abnehme, müssten nicht-pharmazeutische Massnahmen aufrechterhalten oder wiedereingeführt werden, sagte Ammon in einer Videobotschaft. Es gehe nicht darum, entweder zu impfen oder Massnahmen zu ergreifen. Vielmehr sei beides notwendig, um die Infektionsausbreitung zu minimieren. «Wir sollten nicht auf die Zunahme von Fällen warten, um persönliche Schutzmassnahmen einzuführen.»

Nicht ausreichende Impfzahlen und die weitgehende Massnahmenlockerung haben laut ECDC zum Anstieg der Corona-Zahlen beigetragen. Bislang sind demnach 65,4 Prozent der Gesamtbevölkerung und 76,5 Prozent der Erwachsenen im EWR vollständig gegen Covid-19 geimpft worden. Zum Wirtschaftsraum zählen neben der Europäischen Union ausserdem noch Norwegen, Island und Liechtenstein.

Mehr zum Thema:

EWR EU Coronavirus