Deutschland droht ein Gasmangel. Deshalb wird das Kohlekraftwerk Mehrum an den Strommarkt geholt.
Steinkohlekraftwerk Mehrum in Niedersachsen
Steinkohlekraftwerk Mehrum in Niedersachsen - dpa/dpa/picture-alliance/Archiv
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Das Wichtigste in Kürze

  • Deutschland reagiert auf den drohenden Gasmangel.
  • Ein erstes Reserve-Steinkohlekraftwerk wird an den Strommarkt zurückgeholt.
  • Das Kohlekraftwerk Mehrum befindet sich seit Dezember 2021 in der Reserve.

Zur Bekämpfung des drohenden Gasmangels kehrt ein erstes Reserve-Steinkohlekraftwerk an den Strommarkt zurück. Es handelt sich um das Kraftwerk Mehrum im niedersächsischen Hohenhameln (Landkreis Peine).

Es sei bislang die einzige «Marktrückkehr» eines Kraftwerks, die der Bundesnetzagentur angezeigt worden sei. Das teilte die Behörde auf Anfrage der Deutschen Presse-Agentur mit. Seit 14. Juli erlaubt eine Verordnung, dass Steinkohlekraftwerke aus der sogenannten Netzreserve wieder in Betrieb gehen können, um Erdgas einzusparen.

Seit Sonntagmittag sei das Kohlekraftwerk wieder am Netz, sagte der Geschäftsführer der Betreibergesellschaft, Armin Fieber, am Montag. Mindestens 14 Tage werde die Anlage nun im Betrieb sein, um das Netz zu stabilisieren. Unklar blieb am Montag, ob das Kraftwerk damit auch im formalen Sinne schon an den Strommarkt zurückgekehrt ist.

«Gaskrise darf nicht zur Stromkrise werden»

Um die Stromerzeugung aus Gas hatte sich am Wochenende eine Kontroverse innerhalb der Bundesregierung entwickelt. Finanzminister Christian Lindner forderte, diese zu stoppen. «Wir müssen daran arbeiten, dass zur Gaskrise nicht eine Stromkrise kommt», sagte der FDP-Vorsitzende der «Bild am Sonntag». «Deshalb darf mit Gas nicht länger Strom produziert werden, wie das immer noch passiert.»

Ein Sprecher Habecks wies darauf hin, dass ein völliger Verzicht auf Gas im Stromsektor zur Stromkrise und Blackouts führe. «Es gibt systemrelevante Gaskraftwerke, die mit Gas versorgt werden müssen. Bekommen sie kein Gas, kommt es zu schweren Störungen. Das ist leider die Realität des Stromsystems, die man kennen muss, um die Versorgungssicherheit herzustellen.»

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Christian Lindner sprach über das Kohlekraftwerk. - AFP/Archiv

Da, wo Gas aber in der Stromerzeugung ersetzt werden könne, solle es ersetzt werden. Und daran werde längst mit Hochdruck gearbeitet. Der Präsident der Bundesnetzagentur, Klaus Müller, sagte in den «Sat.1 Nachrichten», dass «ein bisschen Gas» weiterhin gebraucht werde – etwa für den Spitzenausgleich bei erneuerbaren Energien.

Kohlekraftwerk Mehrum seit 2021 in Reserve

Im Juli lag der Erdgas-Anteil an der öffentlichen Nettostromerzeugung in Deutschland laut Fraunhofer-Institut für Solare Energiesysteme (ISE) bei 9,8 Prozent. Darunter sind nach Angaben des ISE-Stromexperten Bruno Burger zum einen Gaskraftwerke mit Wärmeauskopplung. Diese versorgen zusätzlich zur Stromerzeugung auch Fernwärmenetze. Zum anderen gehören auch Gaskraftwerke dazu, die derzeit ihren Strom insbesondere wegen des Strommangels in Frankreich an der Börse verkaufen.

Das Kraftwerk Mehrum befindet sich nach Betreiberangaben seit Anfang Dezember 2021 in der Reserve. Es hat eine Nettoleistung von 690 Megawatt. Über die geplante Rückkehr von Mehrum an den Strommarkt hatte zuvor die «Braunschweiger Zeitung» berichtet.

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Christian Lindner Nachrichten Sat.1