DWS-Aufsichtsratschef warnt vor Vorverurteilungen

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    Deutschland,

    Statt eines Rückblicks auf gute Zahlen werden bei der DWS-Hauptversammlung die jüngste Razzia und die Auswechslung des Vorstandschefs im Fokus stehen. Vom Mutterkonzern Deutsche Bank kommt eine Mahnung.

    Bei der DWS Group gab es Durchsuchungen.
    Bei der DWS Group gab es Durchsuchungen. - Arne Dedert/dpa

    Das Wichtigste in Kürze

    • Nach der Durchsuchung bei der Deutsche-Bank-Fondstochter DWS im Zusammenhang mit «Greenwashing»-Vorwürfen hat Aufsichtsratschef Karl von Rohr vor Vorverurteilungen gewarnt.

    «Wir werden klare Konsequenzen ziehen, wenn sich hier oder an anderer Stelle Fehlverhalten herausstellen sollte», wird der Deutsche-Bank-Vize laut vorab veröffentlichtem Redetext den Aktionären bei der DWS-Online-Hauptversammlung an diesem Donnerstag (9. Juni) versichern. «Aber auch hier sollte die Unschuldsvermutung gelten: Anschuldigungen sind keine Beweise, und Untersuchungen sind kein Urteil.»

    Wechsel an der Spitze

    Am Fokus auf nachhaltige Investmentprodukte bei der DWS soll von Rohr zufolge nicht gerüttelt werden: «Der Aufsichtsrat, der intensiv am Strategieprozess der DWS beteiligt ist, und auch die Deutsche Bank als Mehrheitsaktionär der DWS stehen ohne Wenn und Aber hinter der Strategie und den Finanzzielen der DWS.»

    Am 31. Mai hatten etwa 50 Einsatzkräfte von Staatsanwaltschaft, Finanzaufsicht Bafin und Bundeskriminalamt (BKA) Räume in der Zentrale der Deutschen Bank Frankfurt sowie im benachbarten Gebäude der DWS unter die Lupe genommen. Nicht einmal 24 Stunden nach Beginn der Razzia gaben Deutsche Bank und DWS bekannt, dass der amtierende DWS-Chef Asoka Wöhrmann mit Ablauf der Hauptversammlung ausscheiden wird. Nachfolger wird mit Wirkung zum 10. Juni Deutsche-Bank-Manager Stefan Hoops.

    Anlass der Durchsuchung war nach Angaben der Staatsanwaltschaft Frankfurt der Verdacht des Kapitalanlagebetrugs. Dem Vermögensverwalter DWS wird vorgeworfen, sogenannte grüne Finanzprodukte als «grüner» verkauft zu haben, als diese tatsächlich sind - «Greenwashing» also. Ins Rollen gebracht hatte die Ermittlungen die frühere DWS-Nachhaltigkeitsbeauftragte Desiree Fixler mit öffentlicher Kritik an ihrem früheren Arbeitgeber.

    DWS-Aufsichtsratschef von Rohr erklärte in seiner Rede, das Kontrollgremium lasse sich regelmässig über den Umgang mit dem Thema ESG («Environment, Social, Governance», auf Deutsch: Umwelt, Soziales und gute Unternehmensführung) informieren. «Ich möchte an dieser Stelle gerade mit Blick auf die Ereignisse der vergangenen Woche betonen: Bis zum jetzigen Zeitpunkt haben sich hieraus keine Sachverhalte ergeben, die eine gesonderte Prüfung durch den Aufsichtsrat erforderlich gemacht oder Anlass gegeben hätten einzugreifen.»

    Die DWS hatte die «Greenwashing»-Vorwürfe stets zurückgewiesen. Der scheidende Vorstandsvorsitzende Wöhrmann bekräftigte in seiner am Dienstag ebenfalls vorab veröffentlichten Rede: «Unsere Stellungnahme ist seither unverändert. Ebenso unsere Überzeugungen.» Das Thema Nachhaltigkeit sei «viel zu bedeutend und viel zu wichtig, als dass es für uns in Ordnung sein darf, dass es von Einzelnen dazu instrumentalisiert wird, persönliche Vorteile daraus zu ziehen».

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