Der venezianische Künstler Bernardo Bellotto nannte sich Canaletto wie sein berühmter Onkel. Das hat den Blick auf den Vedutenmaler lange verstellt - eine opulente Retrospektive in Dresden zeugt von seiner bereits frühen Klasse.
Blick auf Dresden mit der Kuppel der Kunstakademie (l-r), dem Ständehaus, der Hofkirche, der Frauenkirche, dem Hausmannsturm und der Semperoper.
Blick auf Dresden mit der Kuppel der Kunstakademie (l-r), dem Ständehaus, der Hofkirche, der Frauenkirche, dem Hausmannsturm und der Semperoper. - Robert Michael/dpa

Das Wichtigste in Kürze

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Geburtstag von Bernardo Bellotto (1722-1780) sind so viele Gemälde des aus Venedig stammenden Vedutenmalers wie noch nie versammelt.

Die Gemäldegalerie Alte Meister Dresden präsentiert den Schöpfer des Canaletto-Blicks, der sich wie sein berühmter Onkel Antonio Canal auch Canaletto nannte, unter seinem richtigen Namen. In der mit «Zauber des Realen» betitelten Ausstellung sind bis Ende August allein 69 Ölbilder des Künstlers zu sehen, auch einige nur selten gezeigte.

In Umfang und Qualität einzigartig

«Wir haben 36, hier schöpfen wir wie immer aus der Fülle», sagte die Generaldirektorin der Staatlichen Kunstsammlungen Dresden, Marion Ackermann, am Freitag wenige Stunden vor der Eröffnung. Dazu kommen 33 Bilder aus Museen in Europa und den USA, sowie Zeichnungen und Radierungen. «Es ist die grösste Bellotto-Ausstellung, die es je gab», sagte Galerie-Direktor Stephan Koja. Sie sei in Umfang und auch Qualität einzigartig.

Insgesamt 140 Exponate beleuchten Leben und künstlerisches Schaffen des «wichtigsten Chronisten» der einstigen Residenz. Darunter ist auch das Gemälde «Dresden vom rechten Elbufer unterhalb der Augustusbrücke» von 1748, das das Bild der Stadt in der Welt prägte. Dazu kommen Werke aus der Frühzeit in Venedig, dann die italienischen Ansichten, Werke seiner Wiener und Münchner Zeit und der zweiten Dresdner Periode 1762 bis 1767. Grossformatige Radierungen und Handzeichnungen machen den «Strich von Bellotto» sichtbar, Instrumente zur Vermessung und eine Camera obscura zeugen davon, wie er gearbeitet hat, um die vom Kurfürsten bestellte Abbildung der Wirklichkeit zu liefern.

Die Präsentation ist Schlusspunkt eines Forschungs- und Restaurierungsprojekts zum Bestand der Bellotto-Gemälde, das 2009 begann und im Zuge dessen auch mit Hilfe von Spenden 12 der 14 bewahrten Stadtansichten aus dem 18. Jahrhundert bearbeitet wurden. Die Untersuchung der Bilder habe zu ganz neuen Erkenntnissen über die ursprüngliche Farbigkeit und Maltechnik geführt, sagte Koja. Aus dem Königlichen Schloss in Warschau, Kooperationspartner und zweite Station der Schau, stammt eine Wand mit elf Bellottos - zum «fulminanten Schluss».

Sein Onkel war der berühmte Canaletto

Bellotto kam 1747 nach Dresden und arbeitete über ein Jahrzehnt für Sachsens Kurfürst Friedrich August II., der als August III. auch König von Polen war. Neben dem Original malte er stets eine kleinere Version für dessen Premierminister Graf Brühl und kopierte weitere in verschiedenen Formaten. Die grossformatigen Kompositionszeichnungen steuerte das Dresdner Kupferstich-Kabinett bei.

«Wir wollen Bellotto abheben vom Onkel, bei dem er seine Ausbildung gemacht hat», sagte Koja. Während es Werke dieses Canaletto in allen Museen der Welt gibt, sei er weniger bekannt. Er habe auf dem Kunstmarkt inzwischen aber «enorm aufgeholt», da bisher Canal zugeschriebene Bilder deutlich von der Handschrift des schon «extrem begabten» Werkstattgehilfen zeugten. Auch der Ankauf eines Gemäldes für die National Gallery London zeige, «dass da eine Neubewertung stattfindet».

«Zauber des Realen. Bernardo Bellotto am sächsischen Hof», 21. Mai bis 28. August 2022Öffnungszeiten: täglich ausser montags 10 Uhr bis 18 UhrEintritt: 14 Euro, ermässigt 10,50 Euro, Kinder und Jugendliche unter 17 Jahren frei

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