Deutschland ist grösster Exporteur von Plastikmüll
Deutschland ist der grösste Exporteur von Plastikmüll Ein Grossteil landet in der Türkei und sorgt dort für verschmutzte Küsten.

Das Wichtigste in Kürze
- Mit 810'000 Tonnen ist Deutschland der grösste Exporteur von Plastikabfall.
- Dieser sorgt unter anderem in der Türkei für Umweltschäden und verschmutzte Küsten.
- Und wegen einer EU-Regelung dürfte die Türkei bald noch mehr Plastikmüll erhalten.
Millionen Tonnen Plastikabfall werden jedes Jahr zum Recycling oder zur Verbrennung in andere Länder verschifft. Eine Analyse von Handelsdaten durch den «Guardian» zeigt nun: Deutschland ist der grösste Exporteur von Plastikmüll.
So verschiffte das Land im letzten Jahr 810'000 Tonnen Plastikabfall in andere Länder. Gleich dahinter folgt Grossbritannien mit 675'000 Tonnen.
Etwas überraschend landen die wirtschaftlichen Supermächte USA und China nur auf dem fünften (385'000 Tonnen) respektive 18. Rang. Begründet wird das damit, dass diese beiden Länder mehr Abfall selbst verbrennen oder recyclen.
Ein Grossteil des Mülls aus Deutschland und Grossbritannien wird in die Türkei, nach Malaysia und nach Indonesien exportiert. Doch dort steht die Plastikverarbeitungsindustrie in Verbindung mit Umweltschäden, illegaler Entsorgung und Verbrennung.
Der türkische Meeresbiologe Sedat Gündoğdu forscht zur Plastik-Verschmutzung der Ozeane. Gegenüber dem «Guardian» sagt er, die türkische Mittelmeerküste sei die «am stärksten verschmutzte Küste» des Mittelmeeres. Schuld daran sei der Plastikabfall aus den Recycling-Anlagen. «Es gibt so riesige Mengen an Mikroplastik, dass die Menschen manchmal nicht ins Meer dürfen.»
Abfall-Infrastruktur in der Türkei bereits überlastet
Die Abfall-Infrastruktur in der Türkei ist laut Gündoğdu überlastet. Das Land produziere jährlich selbst 3,3 Millionen Tonnen Plastikmüll – «das Doppelte unserer Recycling-Kapazitäten», so Gündoğdu. Hinzu kommt der importierte Abfall. Und davon dürfte in naher Zukunft noch viel mehr kommen.
Denn die EU hat eine Regelung für den Export von Plastikabfall beschlossen: Ab November 2026 darf dieser nur noch in OECD-Länder exportiert werden. Damit fallen Malaysia und Indonesien als Exportländer weg, die Türkei aber bleibt.
Die grüne Europaparlamentarierin Sara Matthieu beschreibt die Export-Einschränkungen als «Wendepunkt», kritisiert aber, dass die heimischen Recycling-Kapazitäten reduziert wurden. Das Hauptproblem sei, dass neu produzierter Plastik weiterhin viel günstiger als rezyklierter sei. «Wir kennen dieses Marktversagen seit Jahren, aber die EU-Kommission hat geschlafen und die Ursache des Problems nicht angepackt.»
«Das ist Müll-Kolonialismus»
Ein weiteres Problem: Grossbritannien darf auch nach November 2026 Plastikabfall in Nicht-OECD-Länder exportieren. Eine Einschränkung wird aktuell erst diskutiert.
Deshalb wird befürchtet, dass Plastikmüll aus der EU nach Grossbritannien und von dort weiter in Drittstaaten exportiert werden könnte. Bereits jetzt wird viel britischer Plastikabfall in Länder, die nicht der OECD angehören, verschifft. Weit oben auf der Liste befindet sich Malaysia.
Pua Lay Peng kämpft dort gegen den Import von Plastikmüll und die daraus folgende Umweltverschmutzung. Sie sagt: «Das ist Abfall-Kolonialismus.»

















