Coronavirus: Darum setzt Merkel bisher nur Kantone auf Risikoliste

    Alexandra Aregger
    Alexandra Aregger

    Deutschland,

    Deutschland beobachtet die hohen Fallzahlen des Coronavirus in der Schweiz mit Argusaugen – setzt jedoch nur Kantone auf die Liste.

    Merkel Sommaruga Coronavirus
    Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga und Bundeskanzlerin Angela Merkel während eines Videoanrufs im Mai. Aufgrund der hohen Fallzahlen des Coronavirus droht der gesamten Schweiz die Quarantäne in Deutschland. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Sämtliche Kantone verzeichnen eine 7-Tage-Inzidenz von über 50 Fällen.
    • Damit erfüllt die gesamte Schweiz die Kriterien für die deutsche Risikoliste.
    • Das Auswärtige Amt in Deutschland verfolgt die Entwicklung in der Schweiz intensiv.

    Über Wochen zitterten Schweizer Ferienhungrige vor der Aufnahme ihrer Reiseziele auf die BAG-Risikoliste. Nun hat sich der Spiess gedreht: Die Schweiz ist zum Risikogebiet geworden.

    «Es ist kurz vor zwölf», warnte am Donnerstag Bundespräsidentin Simonetta Sommaruga. Die Konsequenzen lassen nicht lange auf sich warten: Gestern setzte Merkel acht weitere Kantone auf die Quarantäneliste. Nun sind es insgesamt zehn.

    Darunter Zürich oder Schwyz, welche jüngst mit besonders hohen Fallzahlen Alarm schlugen. Doch betrachtet man die Kriterien, mit welchen Deutschland Regionen zu Risikogebieten erklärt, wäre der Fall klar. Die gesamte Schweiz müsste auf die Liste.

    Alle Kantone erreichen kritischen Schwellenwert des Coronavirus

    Die täglichen Neuinfektionszahlen mit dem Coronavirus von über 2000 übersteigen gar die Spitzenwerte der ersten Welle im Frühling. Es drängt sich die Frage auf: Wann setzt Nachbar Deutschland die gesamte Schweiz auf die Quarantäneliste?

    Coronavirus
    Fast alle Kantone verzeichneten in den letzten 7 Tagen mindestens 50 neue Fälle des Coronavirus auf 100'000 Einwohner. - Nau.ch

    Betrachtet man die Fallzahlen der letzten sieben Tage, liegen mittlerweile sämtliche Kantone über dem deutschen Schwellenwert. Die tiefste 7-Tage-Inzidenz verzeichnen Solothurn (50,5 Fälle) und Schaffhausen (51,2 Fälle).

    Das Auswärtige Amt in Deutschland hält auf Anfrage von Nau.ch jedoch fest, es verfolge «die Lageentwicklung in der Schweiz intensiv».

    Kantone mit laschen Massnahmen werden abgestraft

    Schutzmassnahmen würden ergriffen, wenn ein Land oder eine Region 50 Fälle des Coronavirus pro 100'000 Einwohner über sieben Tage verzeichne. «Massgeblich sind dabei tatsächliche Trends des Infektionsgeschehens, nicht Momentaufnahmen», betont ein Sprecher. Die Entwicklung werde im Regelfall mindestens eine Woche beobachtet.

    Den Entscheid der Aufnahme auf die Risikoliste trifft jedoch nicht das Auswärtige Amt alleine. Auch das Bundesinnenministerium und das Bundesgesundheitsministerium müssen zustimmen.

    Autobahn Coronavirus
    Autofahrer auf einer Autobahn werden auf die Quarantäneregelung aufmerksam gemacht. (Symbolbild) - dpa

    Letzteres hält gegenüber Nau.ch fest: «Die Risikobewertung bemisst sich am Gesamtbild der quantitativen und qualitativen Kriterien im jeweiligen Land.» Konkret: Das aktuelle Infektionsgeschehen, aber auch die generelle Ausstattung des Gesundheitssystems fliessen in die Bewertung ein.

    Hinzu kommen die bestehenden Testmöglichkeiten vor Ort und «die ergriffenen Massnahmen im Kampf gegen die Pandemie».

    Letztes Kriterium würde auch erklären, weshalb etwa Bern trotz hoher Fallzahlen nicht auf der deutschen Risikoliste landet. Der Kanton hat die Maskenpflicht bisher am deutlichsten verschärft.

    Doch Merkel macht Druck. Bleiben die Infektionszahlen der Kantone hoch und es fehlt an griffigen Massnahmen, dürfte Deutschland schon bald den nächsten Quarantäne-Hammer schwingen.

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