Brände in Südeuropa: Riesige «Feuerwolken» treiben die Flammen voran
Die Waldbrände in Südwestfrankreich rücken bis auf 15 Kilometer an Bordeaux heran. Macron leitet am Montag eine Krisensitzung, eine weitere Hitzewelle droht.

Im Überblick
- Waldbrand bei Bordeaux: Lage blieb über Nacht stabil
- Riesige «Feuerwolken» machen den Einsatzkräften in Frankreich zu schaffen
- Langsame Fortschritte bei Waldbrand-Bekämpfung in Spanien
- Feuerwehr-Oberstleutnant: «Wird mehrere Wochen, ja sogar mehrere Monate andauern»
- Adria-Küste: Feriengäste müssen per Schiff fliehen
- Hitzewelle verschärft die Lage
- Macron beruft zur Krisensitzung
- Ferienlager in der Gironde ausgesetzt
Seit Mittwoch wütet in der französischen Gironde ein aussergewöhnlicher Waldbrand, der laut Behörden bereits rund 42'000 Hektar Land zerstört hat – einer der grössten Waldbrände in Frankreich seit dem Zweiten Weltkrieg.
Mehr als 220'000 Menschen mussten bereits evakuiert werden, betroffen sind vor allem Gebiete rund um das Bassin d'Arcachon. Die Waldbrände sind bereits bis auf 15 Kilometer an Bordeaux herangerückt.
Die Schweiz hat Unterstützung bei der Bekämpfung der Brände zugesagt. Auf ein Ersuchen des französischen Zivilschutzes hin sollen voraussichtlich zwei Super-Puma-Helikopter der Armee im Süden des Landes zum Einsatz kommen.
Auch in Spanien kämpfen Einsatzkräfte gegen mehrere grosse Brände, unter anderem bei Valencia und in der Region Ávila westlich von Madrid, wo rund 90'000 Menschen ihre Häuser verlassen mussten.
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An der französischen Atlantikküste kämpft die Feuerwehr weiter mit einem Grossaufgebot gegen den riesigen Waldbrand, der sich in der Nacht zum Montag aber nicht weiter gefährlich ausgedehnt hat. In der Nacht «blieb die Lage insgesamt stabil», teilte die Präfektur des Departments Gironde am Morgen mit, wie die Zeitung «Sud-Ouest» berichtete.
Von einer «eher ruhigen Nacht» berichtete auch das Departement Landes südlich von Bordeaux. Der dortige Brand habe sich nicht weiter ausgedehnt. Für die Brandbekämpfung sei auch die weitere Wetterentwicklung mit dem Aufkommen von Wind und Hitze wichtig, hiess es von den Behörden..
Bei den Bränden rund um Bordeaux entstehen sogenannte Pyrocumulonimbus-Wolken, auch Feuerwolken genannt. Dabei handelt es sich um gewaltige Gewitterwolken, die über besonders starken Waldbränden entstehen können, wie die Zeitung «The Guardian» berichtet.
Durch die enorme Hitze eines Grossbrandes steigen Rauch, Asche und feuchte Luft schnell in die Atmosphäre auf, wo sich eine riesige Wolke bildet, die bis in grosse Höhen reichen kann.

Diese Feuerwolken sind gefährlich, weil sie starke und unvorhersehbare Winde erzeugen, die die Ausbreitung des Feuers beschleunigen können. Ausserdem können sie Blitze hervorbringen, die weit entfernt neue Brände auslösen.
Experten beobachten, dass solche Phänomene häufiger auftreten, da der Klimawandel zu längeren Hitzeperioden, mehr Trockenheit und extremen Waldbrandbedingungen führt. Besonders in Europa, wo Hitzewellen und trockene Böden zunehmen, steigt deshalb die Gefahr, dass Feuerwolken künftig öfter entstehen und Waldbrände noch schwerer kontrollierbar werden.
Bei der Bekämpfung der verheerenden Waldbrände in Spanien gibt es zwar Fortschritte, doch Innenminister Fernando Grande-Marlaska warnt vor verfrühtem Optimismus. «Die Lage bei den Bränden verbessert sich, aber nur langsam», sagte Grande-Marlaska vor Journalisten.
Allein das Feuer in der Provinz Ávila, das seit Tagen weniger als 100 Kilometer westlich von Madrid wütet, habe nach Schätzungen bereits 47.000 Hektar erfasst, so der Minister. Damit wäre es der grösste Waldbrand der jüngeren Geschichte Spaniens, wie unter anderem der staatliche TV-Sender RTVE hervorhob.

Die in Ávila vom Feuer erfasste Fläche entspricht etwa 65.000 Fussballfeldern. Sollten sich die vorläufigen amtlichen Schätzungen bestätigen, wäre der Brand der grösste seit Beginn der Erfassungen durch die Zentralregierung im Jahr 1968.
Nach Angaben der Militärischen Nothilfeeinheit (UME) sind inzwischen bei den Bränden in Madrid und in den angrenzenden Provinzen alle Hauptfronten eingedämmt, auch wenn mehrere Brandherde aktiv bleiben.
Der Grossbrand in der Gironde «wird mehrere Wochen, ja sogar mehrere Monate andauern», erklärte Feuerwehr-Oberstleutnant David Annotel gegenüber «franceinfo». «Über viele Wochen und Monate hinweg müssen wir mit Verstärkung rechnen, die weiterhin aus ganz Frankreich kommen wird», sagte er.
Der Feuerwehrmann vergleicht den Brand von Saumos mit dem von Landiras, der im Sommer 2022 mehr als 13.000 Hektar Wald verwüstet hatte. Vor vier Jahren wurde der Brand Ende September für gelöscht erklärt. «Wir werden es mit denselben Entwicklungen zu tun haben», warnt David Annotel.

Zumal die Umstände gegen die Feuerwehrleute sprechen: «Während wir die Brände löschen, entstehen neue, und andere Feuerwehrleute sind in den Rettungswagen im Einsatz. Die bevorstehende Hitzewelle wird die Lage verschlimmern und die Zahl der Einsätze erhöhen», betont der Oberstleutnant.
Die Feuerwehrleute «werden durchhalten und wir werden weiterkämpfen», versichert er und fordert gleichzeitig, «die Personalstärke zu erhöhen, wenn wir langfristig durchhalten und die zahlreichen Krisen bewältigen wollen, die künftig im Zusammenhang mit dem Klimawandel auftreten werden».
Auch in Italien machen die heftigen Waldbrände den Menschen zu schaffen. Rund um die Stadt Peschici an der Adriaküste mussten Touristen mit Schiffen evakuiert werden, da die Brände entlang der Strassen zu heftig wären.
Wie die Küstenwache in Onlinediensten berichtet, seien am Sonntag über 400 Menschen evakuiert worden. Gemäss einem Sprecher müssen wohl noch rund 300 weitere in Sicherheit gebracht werden.
Um die vielen Menschen zu transportieren, standen sechs Schiffe der Küstenwache, drei Boote der italienischen Finanzpolizei und etwa zehn private Schiffe im Einsatz, so die Küstenwache. Der Bürgermeister von Peschici beschreibt die Lage laut lokalen Medien als «unter Kontrolle».
Präsident Emmanuel Macron leitet am Montagmorgen im Innenministerium eine interministerielle Krisensitzung zu den Waldbränden in Frankreich. Landesweit wurden laut Innenminister Laurent Nuñez seit Jahresbeginn bereits 115'000 Hektar Land durch Feuer zerstört – bei täglich 30 bis 40 gleichzeitig bekämpften Bränden.

Die Präfektin der Gironde, Sophie Brocas, hat in der Nacht auf Montag ein Verbot für Ferienlager, Freizeitzentren mit Übernachtung sowie Pfadfinderlager mit Übernachtung im Departement erlassen. Grund seien die andauernden Brände, die seit Mittwoch rund 42'000 Hektar Land zerstört haben.












