Schweizer Armee

Heftige Brände: Schweiz schickt 3 Armee-Helikopter nach Korsika

Die Waldbrände in Südwestfrankreich rücken bis auf 15 Kilometer an Bordeaux heran. Macron leitet am Montag eine Krisensitzung, eine weitere Hitzewelle droht.

Waldbrände in Frankreich
Eine neue Hitzewelle ab Dienstag dürfte die Lage rund um die Waldbrände in Frankreich zusätzlich verschärfen. - Keystone

Seit Mittwoch wütet in der französischen Gironde ein aussergewöhnlicher Waldbrand, der laut Behörden bereits rund 42'000 Hektar Land zerstört hat – einer der grössten Waldbrände in Frankreich seit dem Zweiten Weltkrieg.

Mehr als 220'000 Menschen mussten bereits evakuiert werden, betroffen sind vor allem Gebiete rund um das Bassin d'Arcachon. Die Waldbrände sind bereits bis auf 15 Kilometer an Bordeaux herangerückt.

Machen dir die Waldbrände in Frankreich Sorgen?

Die Schweiz hat Unterstützung bei der Bekämpfung der Brände zugesagt. Auf ein Ersuchen des französischen Zivilschutzes hin sollen voraussichtlich zwei Super-Puma-Helikopter der Armee im Süden des Landes zum Einsatz kommen.

Auch in Spanien kämpfen Einsatzkräfte gegen mehrere grosse Brände, unter anderem bei Valencia und in der Region Ávila westlich von Madrid, wo rund 90'000 Menschen ihre Häuser verlassen mussten.

Die neuesten Informationen gibt es hier im Nau.ch-Ticker:

Waldbrände stoppen Tourismus in Bordeaux – Saison bricht ein

Die von Waldbränden betroffene französische Tourismusregion um Bordeaux bangt um die Saison, nachdem die Regierung Urlauber aufgerufen hat, vorerst nicht anzureisen.

«Das ist ein schwerer Schlag für einen Grossteil des vorwiegend vom Tourismus geprägten Departements – der Tourismus ist komplett zum Erliegen gekommen, die Saison ist vorbei», sagte der Präsident der Industrie- und Handelskammer (IHK) der Gironde, Patrick Seguin, wie der Sender BFMTV berichtete.

Evakuierte Menschen
Zahlreiche Menschen wurden evakuiert. - keystone

«Wir bitten die Französinnen und Franzosen eindringlich, sich nicht in die Gironde zu begeben, solange das Feuer noch nicht unter Kontrolle ist», erklärte Regierungssprecherin Maud Bregeon am Morgen. Am Vortag hatte die Präfektin von Bordeaux, Sophie Brocas, «den Touristen, die kurz vor den Augustferien stehen» eindringlich dazu geraten «nicht zu kommen, zumindest nicht in die Gironde zu reisen, solange das Feuer nicht unter Kontrolle ist.»

«Und ich bitte auch die Touristen, die bereits vor Ort sind, ein anderes Reiseziel in Betracht zu ziehen, da wir nicht vor einer Verschlimmerung der Lage gefeit sind, die uns zwingen würde, die Evakuierungen noch weiter zu beschleunigen», sagte die Präfektin.

Schweiz schickt weitere Helikopter nach Korsika

Die Schweiz reagiert auf ein Hilfsersuchen der französischen Behörden und entsendet drei Armee-Helikopter sowie bis zu 20 Spezialisten zur Brandbekämpfung nach Korsika. Das gibt der Bund in einer Medienmitteilung am Montagabend bekannt.

Man habe entschieden, sich dem internationalen Einsatz von Lösch- und Rettungskräften anzuschliessen.

Super Puma
Die Schweiz unterstützt Frankreich bei der Bekämpfung der Brände. - keystone

Ein Vorausdetachement des Bundes, bestehend aus Mitgliedern der Direktion für Entwicklung und Zusammenarbeit (DEZA) und der Armee, reist am Dienstagvormittag ins Einsatzgebiet.

Anschliessend werden drei Helikopter des Typs Super Puma und Mitarbeitende der Armee ab Locarno TI in Richtung Korsika abheben. Bereits am Sonntag gab der Bund bekannt, dass man zwei Helikopter nach Frankreich schicken werde. Die ersten Löscheinsätze sollen ab Mittwoch geflogen werden. Die Einsatzdauer wurde auf sieben Tage festgelegt.

Kantonspolizei Basel-Stadt warnt vor Rauch und Brandgeruch

«Der Rauch der Waldbrände im Südwesten Frankreichs, insbesondere in den Regionen Gironde und Landes, kann demnächst je nach Windrichtung auch in der Region Basel sichtbar und als Geruch wahrgenommen werden.»

Flammen
Noch immer kämpfen zahlreiche Einsatzkräfte gegen die Flammen. - keystone

Das schreibt die Kantonspolizei Basel-Stadt am Montag auf ihrem WhatsApp-Kanal. Es handele sich nicht um einen grenznahen Waldbrand.

Feuer wütet weiter bei Bordeaux – Rauch macht Atmen schwer

Der Innenminister Laurent Nuñez hat erklärt, dass der Brand «stabilisiert» aber «noch nicht unter Kontrolle» sei. 2.500 Feuerwehrleute, 18 Löschflugzeuge und 1.500 Soldaten seien im Einsatz.

Der Minister rief wie zuvor bereits die Regierungssprecherin dazu auf, nicht in die betroffene Region Gironde zu reisen. Noch habe sich die Lage nicht beruhigt. Sorge bereite den Behörden eine erneute Hitzewelle, die ab Dienstag die Region treffen soll. «Ich möchte niemanden beruhigen», sagte der Minister.

Für die Brandbekämpfung sei auch die weitere Wetterentwicklung mit dem Aufkommen von Wind und Hitze wichtig, hiess es von den Behörden. Am Nachmittag wurde Präsident Emmanuel Macron in der betroffenen Tourismusregion erwartet, die der Brand mitten in der Hauptsaison trifft.

Bordeaux
Die Brände rund um Bordeaux machen den Menschen in der Region zu schaffen. - keystone

Rund 240 Wohnhäuser wurden zerstört. In einem weiten Umkreis verdunkeln riesige Rauchwolken den Himmel und der Qualm ist überall zu riechen und macht das Atmen schwer, die Luftqualität sei stark beeinträchtigt, berichtete ein dpa-Reporter aus Bordeaux.

Schon Dutzende Kilometer vor Bordeaux hängt ein rauchiger Schleier über der Landschaft, der in der Stadt noch einmal intensiver ist. Und der Rauch setzt der Gesundheit zu, schnell fühlen sich viele unwohl. Die Kehle ist plötzlich trocken, die Augen brennen, man ist auf einmal aus der Puste. Über geparkte Autos ziehen sich weisse Russpartikel.

Waldbrand bei Bordeaux: Lage blieb über Nacht stabil

An der französischen Atlantikküste kämpft die Feuerwehr weiter mit einem Grossaufgebot gegen den riesigen Waldbrand, der sich in der Nacht zum Montag aber nicht weiter gefährlich ausgedehnt hat. In der Nacht «blieb die Lage insgesamt stabil», teilte die Präfektur des Departments Gironde am Morgen mit, wie die Zeitung «Sud-Ouest» berichtete.

Von einer «eher ruhigen Nacht» berichtete auch das Departement Landes südlich von Bordeaux. Der dortige Brand habe sich nicht weiter ausgedehnt. Für die Brandbekämpfung sei auch die weitere Wetterentwicklung mit dem Aufkommen von Wind und Hitze wichtig, hiess es von den Behörden..

Riesige «Feuerwolken» machen den Einsatzkräften in Frankreich zu schaffen

Bei den Bränden rund um Bordeaux entstehen sogenannte Pyrocumulonimbus-Wolken, auch Feuerwolken genannt. Dabei handelt es sich um gewaltige Gewitterwolken, die über besonders starken Waldbränden entstehen können, wie die Zeitung «The Guardian» berichtet.

Durch die enorme Hitze eines Grossbrandes steigen Rauch, Asche und feuchte Luft schnell in die Atmosphäre auf, wo sich eine riesige Wolke bildet, die bis in grosse Höhen reichen kann.

Pyrocummulonimbus
Riesige Feuerwolken, sogenannte Pyrocummulonimbus-Wolken, machen den Einsatzkräften in Frankreich zu schaffen. - keystone

Diese Feuerwolken sind gefährlich, weil sie starke und unvorhersehbare Winde erzeugen, die die Ausbreitung des Feuers beschleunigen können. Ausserdem können sie Blitze hervorbringen, die weit entfernt neue Brände auslösen.

Experten beobachten, dass solche Phänomene häufiger auftreten, da der Klimawandel zu längeren Hitzeperioden, mehr Trockenheit und extremen Waldbrandbedingungen führt. Besonders in Europa, wo Hitzewellen und trockene Böden zunehmen, steigt deshalb die Gefahr, dass Feuerwolken künftig öfter entstehen und Waldbrände noch schwerer kontrollierbar werden.

Langsame Fortschritte bei Waldbrand-Bekämpfung in Spanien

Bei der Bekämpfung der verheerenden Waldbrände in Spanien gibt es zwar Fortschritte, doch Innenminister Fernando Grande-Marlaska warnt vor verfrühtem Optimismus. «Die Lage bei den Bränden verbessert sich, aber nur langsam», sagte Grande-Marlaska vor Journalisten.

Allein das Feuer in der Provinz Ávila, das seit Tagen weniger als 100 Kilometer westlich von Madrid wütet, habe nach Schätzungen bereits 47.000 Hektar erfasst, so der Minister. Damit wäre es der grösste Waldbrand der jüngeren Geschichte Spaniens, wie unter anderem der staatliche TV-Sender RTVE hervorhob.

Feuer
Die in der Provinz Ávila vom Feuer erfasste Fläche entspricht bisher etwa 65.000 Fussballfeldern. - keystone

Die in Ávila vom Feuer erfasste Fläche entspricht etwa 65.000 Fussballfeldern. Sollten sich die vorläufigen amtlichen Schätzungen bestätigen, wäre der Brand der grösste seit Beginn der Erfassungen durch die Zentralregierung im Jahr 1968.

Nach Angaben der Militärischen Nothilfeeinheit (UME) sind inzwischen bei den Bränden in Madrid und in den angrenzenden Provinzen alle Hauptfronten eingedämmt, auch wenn mehrere Brandherde aktiv bleiben.

Feuerwehr-Oberstleutnant: «Wird mehrere Wochen, ja sogar mehrere Monate andauern»

Der Grossbrand in der Gironde «wird mehrere Wochen, ja sogar mehrere Monate andauern», erklärte Feuerwehr-Oberstleutnant David Annotel gegenüber «franceinfo». «Über viele Wochen und Monate hinweg müssen wir mit Verstärkung rechnen, die weiterhin aus ganz Frankreich kommen wird», sagte er.

Der Feuerwehrmann vergleicht den Brand von Saumos mit dem von Landiras, der im Sommer 2022 mehr als 13.000 Hektar Wald verwüstet hatte. Vor vier Jahren wurde der Brand Ende September für gelöscht erklärt. «Wir werden es mit denselben Entwicklungen zu tun haben», warnt David Annotel.

Feuer Frankreich
Frankreich erlebt erstmals Pyrocumulonimbus-Wolken: Die seltenen Feuerwolken erzeugen Blitze und Sturm – und machen die Waldbrände unkontrollierbar. - keystone

Zumal die Umstände gegen die Feuerwehrleute sprechen: «Während wir die Brände löschen, entstehen neue, und andere Feuerwehrleute sind in den Rettungswagen im Einsatz. Die bevorstehende Hitzewelle wird die Lage verschlimmern und die Zahl der Einsätze erhöhen», betont der Oberstleutnant.

Die Feuerwehrleute «werden durchhalten und wir werden weiterkämpfen», versichert er und fordert gleichzeitig, «die Personalstärke zu erhöhen, wenn wir langfristig durchhalten und die zahlreichen Krisen bewältigen wollen, die künftig im Zusammenhang mit dem Klimawandel auftreten werden».

Adria-Küste: Feriengäste müssen per Schiff fliehen

Auch in Italien machen die heftigen Waldbrände den Menschen zu schaffen. Rund um die Stadt Peschici an der Adriaküste mussten Touristen mit Schiffen evakuiert werden, da die Brände entlang der Strassen zu heftig wären.

Wie die Küstenwache in Onlinediensten berichtet, seien am Sonntag über 400 Menschen evakuiert worden. Gemäss einem Sprecher müssen wohl noch rund 300 weitere in Sicherheit gebracht werden.

Warst du schon einmal an der Adria-Küste?

Um die vielen Menschen zu transportieren, standen sechs Schiffe der Küstenwache, drei Boote der italienischen Finanzpolizei und etwa zehn private Schiffe im Einsatz, so die Küstenwache. Der Bürgermeister von Peschici beschreibt die Lage laut lokalen Medien als «unter Kontrolle».

Hitzewelle verschärft die Lage

Die Wetteraussichten machen die Arbeit der Einsatzkräfte in Frankreich nicht einfacher: Ab Dienstag werden in Teilen Frankreichs Temperaturen bis zu 40 Grad erwartet. Die neue Hitzewelle könnte die Brände zusätzlich anfachen und die Löscharbeiten erschweren.

Macron beruft zur Krisensitzung

Präsident Emmanuel Macron leitet am Montagmorgen im Innenministerium eine interministerielle Krisensitzung zu den Waldbränden in Frankreich. Landesweit wurden laut Innenminister Laurent Nuñez seit Jahresbeginn bereits 115'000 Hektar Land durch Feuer zerstört – bei täglich 30 bis 40 gleichzeitig bekämpften Bränden.

Waldbrände in Frankreich
Emmanuel Macron lädt heute zur Krisensitzung wegen den Waldbränden in Frankreich. - Keystone

Ferienlager in der Gironde ausgesetzt

Die Präfektin der Gironde, Sophie Brocas, hat in der Nacht auf Montag ein Verbot für Ferienlager, Freizeitzentren mit Übernachtung sowie Pfadfinderlager mit Übernachtung im Departement erlassen. Grund seien die andauernden Brände, die seit Mittwoch rund 42'000 Hektar Land zerstört haben.

Kommentare

User #1690 (nicht angemeldet)

Touris wieder sagenhaft

User #6362 (nicht angemeldet)

Das ist wirklich die Hölle.

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