Die Mitarbeiter des bosnischen Verfassungsgerichts haben sich im Nachbarland Serbien gegen Covid-19 impfen lassen. Die Möglichkeit habe sich ergeben, nachdem sich die Institution an entsprechende Stellen in Belgrad gewendet hatte, teilte das Verfassungsgericht am Dienstag in Sarajevo mit. Die Impfungen, die allen Mitarbeitern verabreicht wurden, seien am Tag zuvor im Krankenhaus der südwestserbischen Stadt Uzice erfolgt.
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Eine Person mit einer Spritze gegen das Coronavirus. (Symbolbild) - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • In Bosnien haben die Impfungen gegen Infektionen mit dem Coronavirus noch kaum begonnen.

Die Regierung des kleinen und wirtschaftlich schwachen Balkanlands hatte bei der Beschaffung von Impfstoffen wenig Geschick bewiesen. Serbien hingegen, das auch chinesische und russische Vakzine im grossen Stil einsetzt, hat bereits mehr als zwei Millionen Impfungen an die eigene Bevölkerung verabreicht.

Bereits zu Monatsbeginn hatte der serbische Präsident Aleksandar Vucic in Sarajevo eine Spende von 10 000 Dosen des Vakzins Astrazeneca überbracht. Der «Impf-Ausflug» des Verfassungsgerichts ins Nachbarland gilt in Sarajeo als delikat. Hinter der Grosszügigkeit Belgrads werden nämlich keine selbstlosen Motive vermutet.

Serbien trachte vielmehr danach, seinen Einfluss in Bosnien auszubauen, heisst es. Etwa 30 Prozent der Bevölkerung sind ethnische Serben. Die serbische Verwaltungseinheit, die im Bosnienkrieg (1992-1995) entstandene Republika Srpska, blockiert immer wieder die bosnischen Institutionen und strebt nach einem Anschluss an Serbien. Vucic, der seit 2012 die Politik in Belgrad bestimmt, unterstützt diese Bestrebungen.

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