Ameisen sind für den Tierhandel ein einfaches Geschäft. Doch ausgerechnet eine invasive Ameisenart erfreut sich im internationalen Tierhandel äusserster Beliebtheit - das könnte fatale Folgen für das heimische Ökosystem haben.
Der internationale Handel mit Ameisen als Haustiere boomt seit Jahren. Eine invasive Art könnte allerdings zur Bedrohung für heimische Arten werden. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa
Der internationale Handel mit Ameisen als Haustiere boomt seit Jahren. Eine invasive Art könnte allerdings zur Bedrohung für heimische Arten werden. Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Der internationale Handel mit Ameisen als Haustiere boomt seit Jahren - und könnte nach einer Schweizer Studie vielerorts die Artenvielfalt bedrohen.

Im weltweiten Tierhandel seien gerade diejenigen Arten überrepräsentiert und kommerziell erfolgreich, die sich leicht in gebietsfremden Regionen ausbreiten, schreiben Wissenschaftler aus Lausanne in der Fachzeitschrift «Proceedings of the National Academy of Sciences» (PNAS). «Unsere Analyse zeigt einen aufkommenden und schnell wachsenden Invasionspfad für Ameisen. (...) Wir gehen davon aus, dass der Haustierhandel mit Ameisen in Zukunft zur Ausbreitung invasiver Arten beiträgt», schreiben die Forscher.

Das Problem mit dem Tierhandel gehe aber über Ameisen hinaus: Auch bei Säugetieren, Vögeln, Reptilien, Amphibien und Fischen seien invasive Arten deutlich überrepräsentiert - ihr Anteil sei gut 7,4 grösser als im Gesamtpool der Arten. Invasive Ameisenarten seien 6,6 Mal häufiger im Tierhandel vertreten als der natürlichen Verteilung entsprechen würde. «Unsere Ergebnisse unterstreichen, wie dringend es nötig ist, den weltweiten Handel mit lebenden - auch wirbellosen - Tieren international zu regulieren», schreiben Cleo Bertelsmeier und Jérôme Gippet vom Institut für Ökologie und Evolution in Lausanne. Die geltenden Regeln seien unzureichend.

Invasive Arten sind laut Bundesamt für Naturschutz (BfN) solche, die sich durch den Einfluss des Menschen in Regionen ausbreiten, in denen sie vorher nicht heimisch waren, sei es in Gepäck und Ware etwa an Bord von Schiffen oder durch den Tierhandel. Sie hätten oft unerwünschte Auswirkungen auf andere Arten, Lebensgemeinschaften oder Biotope, weil sie einheimischen Arten Konkurrenz um Lebensraum und Ressourcen machen und diese auch verdrängen können.

Generell breiten sich Arten mit ohnehin grossen Verbreitungsgebieten und wenig speziellen Ansprüchen an ihre Umgebung öfter auch dort aus, wo sie eigentlich nicht heimisch sind, wie es in der Lausanner Studie heisst. Dass sie im Tierhandel überdurchschnittlich vertreten sind, könne zum einen daran liegen, dass die Händler diese Arten, weil sie weit verbreitet sind, einfacher besorgen können. Zum anderen seien sie womöglich auch attraktiver für Käufer, weil sie pflegeleichter seien als Arten mit spezieller Bedürfnissen.

Für Tierhändler seien Ameisen ein einfaches Geschäft, weil sich eine Königin mit einer kleinen Schar Tiere problemlos per Post verschicken lasse, heisst es in der Studie. Es gebe keine Beschränkungen für den Handel mit Ameisen, obwohl hinreichend bekannt sei, wie stark sie das Ökosystem in einer neuen Umgebung bedrohen können.

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