Nachdem das Migrantenlager an der belarussisch-polnischen Grenze geräumt wurde, sind die Menschen in einer Logistikhalle untergebracht worden.
Eine grosse Anzahl von Migranten haben sich am Kontrollpunkt Kuznica an der belarussisch-polnischen Grenze versammelt. Foto: Oksana Manchuk/BelTA/AP/dpa
Eine grosse Anzahl von Migranten haben sich am Kontrollpunkt Kuznica an der belarussisch-polnischen Grenze versammelt. Foto: Oksana Manchuk/BelTA/AP/dpa - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Flüchtlingslager an der belarussisch-polnischen Grenze ist geräumt worden.
  • Die Migranten wurden in einer Logistikhalle untergebracht.

Das provisorische Zeltlager von Migranten entlang der belarussisch-polnischen Grenze beim Übergang Kuznica-Brusgi ist geräumt worden. Das gibt der Grenzschutz in Belarus an.

Migranten würden auf den Grünstreifen entlang der polnischen Grenzbefestigung nicht mehr vorgelassen. So eine Sprecherin der Behörde der Nachrichtenagentur dpa am Freitag. Dort haben zuvor Migranten trotz kühler Temperaturen ausgeharrt.

Die Migranten sind mittlerweile in einem Logistikzentrum in der Nähe untergebracht. In der Notunterkunft am Vortag ist ein erster Covid-Fall gemeldet worden. Am Freitag soll dort eine Impfstelle den Betrieb aufnehmen. Geplant ist die Verabreichung eines chinesischen Vakzins.

Menschen sind in einer Logistikhalle untergebracht

Staatsnahe belarussische Medien veröffentlichten am Morgen erneut Videos aus der Logistikhalle. Mittlerweile sind dort fast alle Menschen untergebracht, die zuvor im Wald kampiert hatten. In der Notunterkunft lagen Erwachsene und Kinder dicht gedrängt auf Matratzen am Boden.

Vor dem Gebäude wurde demnach Essen ausgeteilt. Weil so viele durchnässte und frierende Menschen dort Zuflucht suchten, war auch eine zweite Etage für die Migranten bereitgestellt worden.

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Polnische Polizisten und Grenzschützer stehen in Grodno am Stacheldrahtzaun. Foto: Leonid Shcheglov/BelTA/dpa - dpa-infocom GmbH

Sie klagen über Hunger und mangelnde Hygiene. Es gebe nicht ausreichend zu essen und kaum eine Möglichkeit, sich zu waschen, sagen sie. Einige sprechen offen über ihre Angst, deportiert zu werden, wie ein Reporter der Deutschen Presse-Agentur vor Ort berichtete. Sie hoffen, dass die EU doch noch die Grenzen öffnet.

Der autoritäre belarussische Machthaber Alexander Lukaschenko steht unter Vorwürfen der polnischen Regierung und der EU. Er soll gezielt Menschen aus Krisenregionen einfliegen lassen, um sie dann in die EU zu schleusen.

Immer wieder versuchen Migranten die EU-Grenze zu überqueren

Polens Grenzschutz registrierte am Donnerstag 255 Versuche von Migranten, die EU-Aussengrenze illegal zu überqueren. Darunter seien auch zwei grössere Gruppen von 500 und 50 Migranten gewesen, teilte die Behörde per Kurznachrichtendienst Twitter mit.

Immer wieder haben Migranten versucht, die von polnischen Sicherheitskräften stark gesicherte Grenze zu überwinden. In einigen Fällen ist dies auch gelungen. Polens Grenzschutz zufolge haben belarussische Lastwagen am Donnerstagabend auf der Höhe des Ortes Dubicze Cerkiewne Migranten an die Grenze gebracht. Die rund 500 Menschen hätten mit Steinen und Ästen geworfen, belarussische Uniformierte hätten die Polen mit Laserstrahlen geblendet.

Europäische Länder mischen sich ein

Die britische Regierung will indes weitere Soldaten nach Polen zur Unterstützung schicken. Ebenso der Baltenstaat Estland, der 100 Soldaten entsenden will. Dies teilten die beiden Länder mit.

Die deutsche Kanzlerin Angela Merkel sprach in dieser Woche gleich zweimal mit Lukaschenko. Kritik kam etwa von den Regierungen Polens und Litauens sowie den Grünen.

Die schwedische Aussenministerin Ann Linde, sagte bei einem Besuch in Moskau: «Wir können feststellen, dass es in den letzten 24 Stunden Veränderungen gegeben hat. Minsk hat die Migranten in ein hangarähnliches Gebäude verlegt.» Sie hat derzeit den Vorsitz der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) inne.

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