Zahl der Toten nach Ceuta-Ansturm steigt auf 67

Etienne Sticher
Etienne Sticher

Spanien,

Die meisten der Migranten wurden wieder nach Marokko zurückgebracht. Italien hat das Schengen-Abkommen mit Spanien ausgesetzt. Alles Neue gibt es im Ticker.

ceuta
Zehntausende Migranten strömten nach Ceuta. Fast alle wurden zurück nach Marokko gebracht. - keystone

Rund 50’000 bis 60’000 Migranten stürmten in die spanische Exklave Ceuta in Nordafrika. Laut spanischen Angaben sind fast alle wieder nach Marokko zurückgekehrt. Mindestens 57 Personen sind gestorben.

Die Krise sorgte für viel Kritik an der spanischen Politik und am Schengen-Abkommen. Italien hat dieses mit Spanien ausgesetzt. Rom will bei Reisenden, die von dort kommen, wieder Grenzkontrollen durchführen.

Ceuta
Ceuta liegt in Nordafrika, gehört aber zu Spanien. Sie liegt direkt am Mittelmeer und ist von Marokko umgeben. Um den Grenzzaun zu umgehen, schwammen die Migranten nun übers Meer. - Google Maps

In Ceuta leben rund 85’000 Menschen. Das Gebiet gehört zwar zum Schengen-Raum, es gelten jedoch spezielle Regeln. So müssen bei der Ausreise Richtung Spanien Grenzkontrollen durchgeführt werden.

Im Ticker von Nau.ch bleibst du auf dem Laufenden.

Zahl der Toten steigt auf 67

Laut der spanischen Regierung ist die Zahl der Toten nach dem Ansturm durch Migranten auf Ceuta auf 67 gestiegen. Das gab sie am Samstag bekannt.

Angespannte Nacht in Nordafrika-Exklave Melilla

Nach versuchten Grenzübertritten hat die Polizei in der zweiten spanischen Nordafrika-Exklave Melilla Medienberichten zufolge die ganze Nacht die Grenze zu Marokko abgesichert. Auf Bildern des staatlichen Fernsehens RTVE war zu sehen, wie zahlreiche Streifenwagen der Guardia Civil mit Blaulicht den Grenzverlauf entlangfahren.

Melilla
Hier liegt die zweite spanische Enklave in Nordafrika: Melilla, - Google Maps

Unbekannt blieb, wie viele Menschen versuchten, den Grenzzaun zu überqueren oder gar in die Stadt gelangten. Ein Reporter von RTVE sprach von «mehreren Versuchen». Am späten Freitagabend hatten rund 500 Menschen in mindestens zwei Schüben versucht, sich von Marokko aus Zutritt zu der Exklave zu verschaffen, wie Medien berichteten.

Mehrere Menschen warfen demnach Steine auf die Beamten, während die Sicherheitskräfte Tränengas eingesetzt hätten. Es blieb unklar, ob einige der Migranten nach Melilla gelangt waren. Der Grenzübergang Beni Enzar ist seit Donnerstagabend geschlossen.

Marokko zog kurz vor Ansturm Grenzpolizisten ab

Laur spanischen Sicherheitskreisen hatten sich die marokkanischen Grenzpolizisten kurz vor der Invasion von der Grenze zu Ceuta zurückgezogen. Laut der «Bild» griffen die marokkanischen Behörden erst am Abend des Ansturms auf Ceuta mit Tränengas und Wasserwerfern ein.

Marokko Spanien Ceuta
Angehörige der marokkanischen Hilfstruppen sichern am 31. Juli 2026 das Gebiet rund um den Grenzübergang Bab Sebta in der Nähe von Fnideq, Marokko. - keystone

Das sorge bei spanischen Regierungsvertretern für Unmut. Ihnen zufolge wäre der Massenansturm so kaum möglich gewesen, hätten die marokkanischen Sicherheitskräfte nicht zuerst tatenlos zugesehen.

Mit der Kritik hält sich die spanische Regierung öffentlich aber zurück. Stattdessen wird von einer «exemplarische Zusammenarbeit» gesprochen.

EU berät sich in Krisensitzung

In der spanischen Exklave Ceuta in Nordafrika hat der grosse Andrang von Migranten zwar nachgelassen – doch die Folgen der Krise sind in Europa längst nicht vorbei. Heute wollen sich Experten der EU-Mitgliedstaaten in einer Krisensitzung über die Entwicklungen austauschen, wie ein Sprecher der irischen Ratspräsidentschaft mitteilte.

Ceuta Migranten
Menschen gehen am Freitag, dem 31. Juli 2026, am Strand entlang, nachdem sie versucht hatten, von der nordmarokkanischen Stadt Fnideq in die spanische Enklave Ceuta zu gelangen. - keystone

Spaniens Ministerpräsident Pedro Sánchez konterte die Kritik einiger EU-Mitgliedstaaten an der spanischen Migrationspolitik. Er rief dazu auf, an einem starken und geeinten Europa weiterzubauen – und Europa nicht zu spalten. «Solidarität und Mitgefühl sind freiwillig», schrieb er auf der Plattform X. Die Achtung der europäischen Verträge sei es jedoch nicht.

Migrant: Marokko ermutigte uns zu Grenzübertritt

Die Polizeigewerkschaft von Ceuta wirft Marokko vor, den Ansturm zu befeuern und als «Instrument politischer Erpressung einzusetzen». Gegenüber der britischen «Times» und der «New York Times» bekräftigen Migranten diesen Vorwurf.

Die Zeitungen sprachen mit mehreren Personen, die nach Ceuta gekommen waren. Diese sagten, Marokko habe sie ermutigt, die Grenze zu übertreten.

marokko ceuta
Die marokkanischen Polizisten hinderten die Migranten laut Berichten nicht am Grenzübertritt. - keystone

Einer der Flüchtlinge erzählt, Polizisten hätten ihm den Weg zur Grenze gezeigt. Sie hätten gesagt: «Geht da lang, geht da lang.»

Mehrere Migranten gaben zudem an, gehört zu haben, dass die Grenze «geöffnet» sei.

Mehr zum Thema:

Kommentare

User #2342 (nicht angemeldet)

Wer glaubt dass die alle zurückverfrachtet worden sind, glaubt auch an den Storch

User #4399 (nicht angemeldet)

Es warten millionen, ohne papiere einfach nach europa zu kommen, die hohle hand aufzumachen und nachher die familie nachzuziehen. Bis das ganze für europa unfinanzierbar wird. Solange linke und grüne an der willkommenskultur festhalten, geht es europa bergab. Und ihre märchen von den fachkräften glaubt niemand mehr. Deutschland mit ihren terrorproblemen lässt grüssen, abgesehen dass kein geld mehr da ist. Was tun?

Weiterlesen

ceuta
1'598 Interaktionen
Nach Ansturm
Weiterbildung
1 Interaktionen
Sich weiterbilden

MEHR IN NEWS

Russland Angriff Kiew
Neun Tote
Walensee SUP Unfall
Walensee
Walensee vermisste Person
27 Interaktionen
Suche geht weiter
Unfall E-Scooter
Staad SG

MEHR AUS SPANIEN

Madrid/Ceuta/Brüssel/Rom
durmiendo en el tejado
Nachbarn entsetzt
Ceuta
1'827 Interaktionen
Ceuta-Ansturm
José Mourinho
5 Interaktionen
Streichliste