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    Antibiotikaresistenz: Arzt warnt vor stiller tödlicher Pandemie

    Simon Binz
    Simon Binz

    Grossbritannien,

    Ein britischer Spitzenarzt warnt vor einer stillen tödlichen Pandemie, die seiner Ansicht nach «schlimmer als Corona» sein wird: Antibiotikaresistenz.

    Antibiotikaresistenz
    Antibiotika werden laut einem britischen Top-Mediziner heutzutage viel zu oft verschrieben. - Keystone

    Das Wichtigste in Kürze

    • Ein britischer Spitzenarzt warnt: Antibiotikaresistenz ist schlimmer als Corona.
    • Schon jetzt sterben demnach mehr als eine Million Menschen pro Jahr daran.
    • 2028 könnten es so Opfer geben, wie vor der Entdeckung von Penicillin 1928.

    Ara Darzi (63) gehört in Grossbritannien zu den bekanntesten Ärzten überhaupt. Er war der erste Mediziner im Königreich, der Operationen mit Robotern durchführte oder künstliche Intelligenz zur Diagnose von Blutkrebs nutzte.

    Der Spitzenarzt hat in einem Interview mit der «Times» enthüllt, was seiner Meinung nach die nächste globale Pandemie sein könnte. Die Rede ist von Antibiotikaresistenz!

    Verschreibt Ihr Arzt oft Antibiotika?

    Laut Darzi ist diese stille Bedrohung schon jetzt für eine Million Todesfälle pro Jahr verantwortlich. Ausserdem führe sie zu nicht behandelbaren Superbakterien. Er bezeichnet die Antibiotikaresistenz schliesslich in vieler Hinsicht auch als «beängstigender als Corona».

    100 Jahre nach Entdeckung von Penicillin

    Der Chirurg zeichnet ein Bild der Zukunft, bei dem es in Spitälern vorkommen könnte, dass keine effektiven Antibiotika zur Behandlung einer Infektion zur Verfügung stehen können. Schon jetzt sei dies teilweise der Fall, so Darzi.

    Besonders folgender Vergleich des Spitzen-Mediziners lässt aufhorchen: «Im Jahr 2028 werden so viele Menschen an Infektionen sterben, die gegen Antibiotika resistent sind, wie im Jahr 1928 vor der Entdeckung des Penicillins an Infektionen starben.»

    Bakterien gebe es schon seit drei Milliarden Jahren, lange bevor es die Menschheit gab, erläutert Darzi. «Sie haben alle möglichen Bedingungen überlebt und werden in Zukunft auch gegen Antibiotika resistent sein.»

    Antibiotikaresistenz: Ein menschengemachtes Problem – aber nicht nur...

    Doch woher stammt die Antibiotikaresistenz von der, der Brite warnt? Laut Darzi würden Antibiotika heutezutage übermässig eingesetzt. Schon bei Erkältungen würden die Ärzte Antibiotika verschreiben, obwohl diese eigentlich nur für die Behandlung bakterieller Infektionen gedacht wäre.

    Der Mediziner geht mit seinen Kollegen hart ins Gericht und meint, dass es sich Ärzte zu leicht machen würden. Er betont aber auch, dass es nicht nur ein menschengemachtes Problem sei. «In einigen Teilen der Welt wird das Vieh auch mit Antibiotika vollgestopft. Das verschlimmert das Problem zusätzlich.»

    Antibiotika
    Antibiotikaresistenzen stellen schon heute eine der grössten gesundheitlichen Herausforderungen in Europa dar. - Armin Weigel/dpa

    Die gute Nachricht: Ara Darzi stellt sich schon jetzt auf den Kampf gegen die Antibiotikaresistenz ein. Er hat ein eigenes Zentrum zur Bekämpfung gegründet. Das «Flaming Centre» mit Prinz William als Patron soll im Jahr 2028 eröffnet werden.

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