Felix Blumer: Dieser Einfluss hat das Azorenhoch auf die Schweiz

Felix Blumer
Felix Blumer

Winterthur Stadt,

Felix Blumer beschäftigt sich mit Wetter und Klima und ist als Referent und Reiseleiter unterwegs. Aktuell ist der Ex-«SRF Meteo»-Meteorologe auf den Azoren.

Felix Blumer
Felix Blumer. - Nau.ch

Das Wichtigste in Kürze

  • Felix Blumer arbeitete von 2005 bis 2025 als Meteorologe bei «SRF Meteo».
  • Heute schreibt er in seiner Kolumne über das Wetter und Klima auf den Azoren.
  • Ein Azorenhoch gilt vermeintlich als Schönwettergarant für die Schweiz.

Der Begriff des Azorenhochs ist fast allbekannt, doch was sich genau hinter dem Begriff versteckt, ist den meisten unbekannt.

Neun Inseln mitten im Atlantik

Bei den Azoren handelt es sich um eine Inselgruppe, die weit im Atlantik draussen liegt, zu Portugal gehört, aber eine beschränkte Autonomie geniesst. Die Azoren bestehen aus neun Inseln und liegen auf rund 38 Grad Nord in gleicher Breitenlage wie Lissabon.

Sete Cidades auf der Hauptinsel Sao Miguel.
Sete Cidades auf der Hauptinsel Sao Miguel. - zVg

Aufgrund der Lage mitten im Atlantik haben die Azoren ein anderes Klima als das portugiesische Festland. Es ist feuchter mit viel Winterniederschlag.

Sowohl die jahreszeitlichen als auch die tageszeitlichen Temperaturunterschiede sind allerdings viel kleiner als auf dem Festland. Der Atlantik hat dabei eine ausgleichende Wirkung.

Die Jahreszeiten steuern das Azorenhoch

Zur Tag- und Nachtgleiche, also am 20. März und 23. September, steht die Sonne senkrecht über dem Äquator. Dies bedeutet, dass zu diesem Zeitpunkt die Sonneneinstrahlung am Äquator am stärksten ist.

Die Luft erwärmt sich dort entsprechend maximal, steigt auf, und es kommt zu kräftigen Regengüssen und Gewittern. Die nun fehlende Luft am Äquator in Bodennähe wird durch die Passatwinde mit Luft aus Norden und Süden kompensiert.

Das Abfliessen der Luft Richtung Äquator bedeutet in den Gebieten nördlich und südlich des Äquators ein Absinken der Luft. Dabei bilden sich Hochdruckgebiete im Bereich von 30 Grad Nord und 30 Grad Süd.

Dieser Zustand gilt aber nur während den Übergangsjahreszeiten. In unserem Sommer verlagert sich die Sonne nach Norden und erreicht am 21. Juni den nördlichsten Punkt ihrer scheinbaren Umlaufbahn.

Warst du schon einmal auf den Azoren?

Sie steht dann senkrecht über dem nördlichen Wendekreis auf 23½ Grad Nord. Gleichzeitig verschieben sich die Rossbreitenhochs nach Norden und erreichen ab Juni auch das Gebiet der Azoren. Dort verweilt das Hoch bis Ende Sommer.

Schema der allgemeinen Zirkulation (aus Bildungsserver.de).
Schema der allgemeinen Zirkulation. - Bildungsserver.de

Dann verlagert sich die Sonne wieder nach Süden und entsprechend wandern äquatoriale Tiefdruckrinne und Rossbreitenhoch wieder nach Süden.

In den Übergangsjahreszeiten und im Winter liegen die Rossbreitenhochs deutlich südlicher, und zu Weihnachten wird das Azorenhoch zu einem Kapverdenhoch.

Woher hat das Azorenhoch seinen guten Ruf?

In einem Hochdruckgebiet sinkt die Luft in der Regel ab und führt zu Wolkenauflösung. Allein das Azorenhoch ist bei uns noch kein Garant für sonniges und heisses Sommerwetter.

Erst wenn das Azorenhoch nach Osten zieht oder sich ein Teil abspaltet und in den Alpenraum verlagert, stellt sich bei uns sonniges und heisses Sommerwetter ein.

In diesem Sommer lief die Sache aus dem Ruder?

Ende Frühling stellte sich auch in diesem Jahr das Azorenhoch ein, und es bildete sich Ende Mai ein Ableger über Westeuropa und dem Alpenraum. Die erste Hitzewelle des Jahres schwappte über uns, danach wurde es bei uns wieder kühler.

Mitte Juni wiederholte sich der Prozess, allerdings blieb in der Folge das Hoch einfach über uns stehen und aus Norden erreichte ein Tief die Azoren. In der Folge änderte sich an dieser Konstellation praktisch nichts mehr.

Sonniges Sommerwetter gab es auf den Vulkaninseln im Atlantik dieses Jahr nur selten.
Sonniges Sommerwetter gab es auf den Vulkaninseln im Atlantik dieses Jahr nur selten. - zVg

Die Azoren lagen statt unter einem Hoch unter einem Dauertief und Teile Spaniens, Frankreichs, Westdeutschlands und weite Teile des Alpenraums lagen über Wochen auf der Vorderseite dieses Tiefs in einer heissen Süd- bis Südwestströmung.

Die Wetterverteilung war entsprechend ungerecht. Auf den Azoren gab es Dauerregen und verhältnismässig tiefe Temperaturen, während wir einen «Jahrhundertsommer» erlebten. Vergessen wir nicht: Europaweit gesehen war der Juli 2026 nur der neuntwärmste.

Rückkehr zur Normalität

Im Laufe des Monats August normalisierte sich die Wetterlage langsam wieder. Auch jetzt bestimmt das Azorenhoch noch das Wetter auf dem Atlantik, wenn auch mit Verspätung.

Im Alpenraum stellt sich die sommerliche Wetterlage dagegen mehr und mehr um, und wir liegen vermehrt am Rande von Tiefdruckgebieten über dem nahen Atlantik.

Zum Autor

Felix Blumer ist Klimatologe. 1994 promovierte er an der ETH Zürich mit dem Thema «Höhenabhängigkeit des Niederschlages im Alpenraum». Von 2005 bis 2025 arbeitete er bei SRF METEO. Seit 2005 führt er seine eigene Firma, die Blumer Communication & Consulting GmbH.

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