Rainer Maria Woelki macht es spannend. Fest steht nur, dass am Mittwoch seine fünfmonatige Auszeit als Kölner Erzbischof ausläuft. Dann muss sich entscheiden, ob er trotz aller Widerstände weitermacht.
Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln. Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild
Kardinal Rainer Maria Woelki, Erzbischof von Köln. Foto: Oliver Berg/dpa/Archivbild - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Im Erzbistum Köln wird über die geplante Rückkehr von Kardinal Rainer Maria Woelki gerätselt.

Seine fünfmonatige Auszeit als Erzbischof läuft am Mittwoch (2. März) aus.

Die ursprünglich geplante Teilnahme an einer Messe im Kölner Dom hat er in der vergangenen Woche jedoch abgesagt, ebenso wie einen ökumenischen Gottesdienst in Düsseldorf am Samstag. Doch sein Amt will er offenbar wieder antreten. Jedenfalls teilte das Erzbistum Köln mit: «Für den Zeitpunkt seiner Rückkehr als Erzbischof von Köln am 2. März hat der Kardinal einen Fastenhirtenbrief und eine Medienmitteilung angekündigt.»

Aus Bistumskreisen kommen widersprüchliche Signale. Zum einen heisst es, Woelki werde niemals aus eigenen Stücken zurücktreten. Den Gottesdiensten bleibe er vermutlich deshalb fern, weil er den Medienrummel scheue. Er hoffe wohl darauf, dass die Aufmerksamkeit nach einiger Zeit abebben werde. Es kursiert aber auch das Gerücht, dass Woelki am Mittwoch seinen Rückzug ankündigen wolle und der Münsteraner Bischof Felix Genn das Erzbistum dann vorübergehend als Apostolischer Administrator übernehmen werde.

Woelki habe bisher zu keinem einzigen hohen Verantwortungsträger des Erzbistums Kontakt aufgenommen, um seine Rückkehr praktisch vorzubereiten, heisst es aus Bistumskreisen. Die gegensätzlichen Signale sind in jedem Fall Ausdruck der Intransparenz, mit der Personalentscheidungen in der katholischen Kirche gehandhabt werden.

Papst Franziskus hatte Woelki im September in eine fünfmonatige Auszeit geschickt, nachdem er ihm «grosse Fehler» vorgeworfen hatte. Was sich der Vatikan von dieser Auszeit versprochen hat, ist unklar. Vermutet wird, dass man in der Zentrale der katholischen Kirche einfach darauf hoffte, dass sich die Aufregung im grössten deutschen Bistum in dieser Zeit von selbst legen oder zumindest abschwächen würde. Das hat sich allerdings nicht erfüllt.

Viel Geld für PR-Beratung- Kardinal bleibt unbeliebt

Woelki hatte 2020 eine Vertrauenskrise ausgelöst, als er sich entschied, ein Gutachten der Kanzlei Westpfahl Spilker Wastl zum Umgang von Bistumsverantwortlichen mit Vorwürfen des sexuellen Missbrauchs nicht zu veröffentlichen. Er führte rechtliche Gründe an. Danach verschlechterte sich das Verhältnis zwischen dem als ebenso konservativ wie verschlossen geltenden Kardinal und den Gremien des Erzbistums immer weiter. Die Zahl der Kirchenaustritte in Köln stieg steil an. Während der Auszeit sind zusätzliche belastende Fakten bekannt geworden, zum Beispiel der Umstand, dass Woelki 820.000 Euro für externe PR-Beratung ausgegeben hat. Umfrage-Ergebnisse deuten darauf hin, dass damit kein allzu grosser Effekt erzielt worden ist.

Nach einer Forsa-Umfrage im Auftrag des «Kölner Stadt-Anzeigers» vertreten 82 Prozent der Katholiken im Erzbistum Köln die Ansicht, dass Papst Franziskus Woelki jetzt absetzen sollte. 92 Prozent meinen, dass Woelki von sich aus Konsequenzen hätte ziehen und zurücktreten müssen. Auch die wichtigsten Gremien des Erzbistums haben alle mehr oder weniger deutlich zum Ausdruck gebracht, dass sie sich eine Zukunft mit dem Kardinal nicht mehr vorstellen können.

Wie Woelki künftig sein Amt ausfüllen will, wenn er öffentliche Auftritte wie Gottesdienste meidet, ist unklar. Schon in den letzten Monaten vor seiner Auszeit hatte er sich mehr und mehr ins Erzbischöfliche Haus zurückgezogen. «Ein Erzbischof ohne Volk - das ist im Bauplan der katholischen Kirche nicht vorgesehen und ein Widerspruch in sich», sagte der Kirchenrechtler Thomas Schüller der Deutschen Presse-Agentur. «Der Kardinal stellt sein persönliches Wohlergehen, seine Karriere vor die Sorgen und Nöte seiner Gläubigen.»

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