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299 Missbrauchsfälle in Frankreich: Justiz sucht weitere Opfer

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Frankreich,

Ein französischer Arzt steht wegen 299 Missbrauchsfällen vor Gericht. Neue Ermittlungen könnten noch mehr Opfer aufdecken.

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Ein französischer Arzt, der wegen 299 Missbrauchsfällen vor Gericht steht, könnte noch mehr Opfer missbraucht haben. (Symbolbild) - dpa

Ein derzeit wegen 299 Missbrauchsfällen vor Gericht stehender französischer Arzt hat möglicherweise noch mehr Menschen missbraucht als bisher bekannt. Die französische Justiz habe neue Ermittlungen eingeleitet, um weitere Opfer zu finden. Dies teilte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag in Rennes mit.

«Es ist durchaus möglich, dass manche Opfer noch nicht identifiziert sind», erklärte die Staatsanwaltschaft. Der ehemalige Chirurg Joël Le Scouarnec muss sich seit Februar wegen Missbrauchs von 299 Patienten vor Gericht verantworten, die meisten von ihnen Kinder. Seine Opfer waren im Schnitt elf Jahre alt.

74-Jähriger gesteht Taten zu Prozessbeginn

Der 74-Jährige hatte seine Taten zu Prozessbeginn weitgehend gestanden. Nach Darstellung der Anklage verging er sich an seinen jungen Patientinnen und Patienten unter dem Vorwand von Untersuchungen oder während sie unter Narkose standen.

Le Scouarnec war bereits 2020 wegen Missbrauchs und Vergewaltigung von vier Mädchen zu 15 Jahren Haft verurteilt worden. Die Ermittler waren bei den Ermittlungen zu diesen Fällen auf Tagebücher des Arztes gestossen. In denen schilderte er detailliert den Missbrauch oder die Vergewaltigung hunderter Kinder.

Unzugeordnete Namen in Tagebüchern

Häufig notierte er dazu Namen und Alter, weswegen rund 300 Opfer identifiziert werden konnten. Manche der Namen aus den Tagebüchern seien bislang jedoch nicht zugeordnet worden, erklärte die Staatsanwaltschaft nun. Einige der mutmasslichen Opfer hätten noch nicht angehört werden können.

Die Opferanwältin Francesca Satta bezeichnete die Aufnahme der Ermittlungen als «grossen Fortschritt». «Mich kontaktieren ständig weitere Menschen, die mich fragen, ob sie möglicherweise auch zu den Opfern zählen», sagte sie.

Mögliche Strafe: Bis zu 20 Jahre Haft

Eine Stiftung fordert ausserdem, von der Krankenkasse eine vollständige Patientenliste des Chirurgen anzufordern. Le Scouarnec arbeitete in rund zwölf verschiedenen Spitälern im Westen Frankreichs.

Obwohl manche seiner Chefs und Kollegen wussten, dass er bereits früher wegen Kinderpornographie verurteilt worden war, behinderte dies nicht seine Karriere. Der Prozess ist auf vier Monate angesetzt. Dem Angeklagten drohen bis zu 20 Jahre Haft.

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