Wie China die Onkologie aufmischt
Lange wurde die moderne Biotechnologie von den USA dominiert. In den vergangenen Jahren hat sich China jedoch zu einem der wichtigsten Innovationsstandorte entwickelt. Zahlreiche der derzeit am intensivsten beobachteten Onkologieprogramme stammen mittlerweile von dort. Das gilt sowohl für moderne Antikörper-Wirkstoff-Kombinationen (ADCs) als auch für neue Krebsmedikamente, die zwei Angriffspunkte gleichzeitig nutzen (VEGF/PD-1-Bispezifika).

Westliche Pharmakonzerne reagieren zunehmend mit Partnerschaften und Einlizenzierungen. Unternehmen wie Bristol Myers Squibb, Merck & Co., Astrazeneca und auch Roche setzen zunehmend auf Partnerschaften mit chinesischen Biotechfirmen.
Branchenkenner wie Portfoliomanager Terence McManus von Bellevue sehen darin das Ergebnis einer jahrelangen industriepolitischen Strategie. «China investierte massiv in Forschung, Ausbildung und Biotechnologieunternehmen. Gleichzeitig profitieren Entwickler von grossen Patientenzahlen und häufig schnelleren klinischen Studien», sagte er im Gespräch mit der Nachrichtenagentur AWP.
Das Land profitiert aber auch von der Rückkehr zahlreicher chinesischer Wissenschaftler. Viele von ihnen hatten zuvor bei Branchengrössen wie Roche, der Roche-Tochter Genentech, Pfizer, Amgen oder Merck gearbeitet und geforscht. Sie brachten Know-how in Bereichen wie Antikörper-Engineering, Linker-Chemie, klinische Entwicklung und regulatorische Prozesse mit.
Bei Roche hebt Stefan Frings, Deputy Chief Medical Officer, hervor, dass der Konzern zwei ADCs von MediLink einlizenziert habe, um genau sie bei der Behandlung von Lungenkrebs zu untersuchen. Das Ziel für Roche dabei: Weg von der klassischen Chemotherapie hin zu wirksameren und verträglicheren Behandlungen.
Generell ist in der Branche bereits von einer Verschiebung der Innovationszentren die Rede. Während früher Boston und die US-Westküste als Taktgeber galten, richten viele Pharmaunternehmen ihren Blick inzwischen verstärkt nach Shanghai, Peking oder Suzhou.










