Der UN-Sonderbeauftragte Jan Kubis spielt in der geplanten Präsidentenwahl in Libyen eine zentrale Rolle. Nun hat er seinen Rücktritt bekannt gegeben.
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Jan Kubis, UN-Sondergesandter für Libyen, schmeisst hin. Die Hintergründe sind unklar. - dpa

Das Wichtigste in Kürze

  • Am 24. Dezember wollen die Libyer einen neuen Präsidenten wählen.
  • Beobachter zweifeln jedoch daran, ob die Wahl stattfinden kann.
  • Überraschen ist der UN-Vermittler Jan Kubis nun auch noch zurückgetreten.

Rückschlag im Friedensprozess: Nur einen Monat vor der geplanten Präsidentenwahl in Libyen ist der UN-Sonderbeauftragte für das Krisenland, Jan Kubis, überraschend zurückgetreten. Das berichteten mehrere Diplomaten aus dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen der Deutschen Presse-Agentur am Dienstag.

Die Hintergründe des Rückzugs des Slowaken blieben zunächst unbekannt. Mit dem Rücktritt schwindet die Hoffnung auf Wahlen und längerfristige politische Stabilität in dem Wüstenstaat erneut.

Kubis war erst Anfang des Jahres als Vermittler in Libyen bestätigt worden. UN-Generalsekretär António Guterres hatte grosse Probleme, die Stelle zu besetzen.

Präsidentenwahl steht kurz bevor

Der eigentliche Favorit, der vorherige bulgarische Nahostgesandte Nikolai Mladenow, hatte sich kurz vor seiner geplanten Ernennung überraschend zurückgezogen. Zuvor war der ursprüngliche Vermittler, der Libanese Ghassam Salamé, unter Verweis auf hohen Stress und seine Gesundheit zurückgetreten.

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Der Chef der libyschen Wahlkommission, Imad al-Sajeh. - AFP/Archiv

Die Libyer sollen am 24. Dezember eigentlich einen Präsidenten und einige Wochen später ein Parlament wählen. Ein monatelanger Streit unter anderem über Kandidaten und verfassungsrechtliche Grundlagen liess viele Beobachter zweifeln, ob die Wahlen stattfinden können.

In dem ölreichen Land am Mittelmeer war nach dem Sturz des Langzeitherrschers Muammar al-Gaddafi 2011 ein Bürgerkrieg ausgebrochen. Unzählige Milizen ringen um Macht und Einfluss und diverse Staaten mischen mit.

Fehlende Unterstützung und Unstimmigkeiten

Ein direktes Aus für die Wahl bedeutet der Rücktritt von Kubis nicht. Er ist aber die zentrale Figur im UN-Vermittlungsprozess für Libyen. Unter ihm kam auch eine im Oktober 2020 vereinbarte Waffenruhe zustande.

Unter UN-Vermittlung entstanden auch der politische Fahrplan für Wahlen und die derzeit amtierende Übergangsregierung. Ein Grund für den Rücktritt könnte sein, dass Kubis sich nicht ausreichend bei seiner Arbeit unterstützt gefühlt habe. Auch von Unstimmigkeiten mit Guterres war die Rede. Dies verlautete der Sicherheitsrat.

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Saif al-Islam Gaddafi (links) reicht seine Präsidentschaftskandidatur ein. - Keystone

Trotz der vielen Zweifel laufen die Vorbereitungen zur Wahl. Fast 100 Bewerber reichten Unterlagen ein, um anzutreten. Die Wahlkommission teilte am Dienstag mit, deren Legitimität überprüfen lassen zu wollen. Ihre Unterlagen seien dafür unter anderem an die Kriminalpolizei und die Generalstaatsanwaltschaft übermittelt worden.

Unter den 98 Bewerbern sind einige höchst umstrittene Namen. Kandidieren wollen unter anderem General Chalifa Haftar. Seine selbst ernannte Libysche Nationalarmee (LNA) hatte über ein Jahr versucht, die Hauptstadt Tripolis gewaltsam einzunehmen.

Auch Gaddafis Sohn Saif al-Islam, der vom Internationalen Strafgerichtshof (IStGH) gesucht wird, will antreten. Unter den 98 Kandidaten sind zwei Frauen.

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