Molkepulver erlebt Boom wegen Abnehmspritzen
Abnehmspritzen wirken am besten, wenn man seine Ernährung anpasst. Dabei schwören viele auf ein Nebenprodukt der Käseproduktion.

Das Wichtigste in Kürze
- Molkepulver boomt dank Abnehmspritzen – auch in der Schweiz.
- Die Molkenproteine sind beliebt für die Gewichtsabnahme und die Darmgesundheit.
- Preise für Molke steigen aufgrund der gestiegenen Nachfrage und des Hypes.
Sie helfen, den Blutzucker zu regulieren und Insulinprobleme zu reduzieren. Gleichzeitig zügeln sie den Appetit und steigern das Sättigungsgefühl: Sogenannte Abnehmspritzen wie Ozempic oder Wegovy lassen die Kilos purzeln.
Die Wirkstoffe darin ahmen das sogenannte GLP-1-Hormon nach. Und nein, das hat nichts mit den Grünliberalen zu tun.
Das Hormon verzögert nämlich die Magenentleerung, steigert das Sättigungsgefühl und unterstützt die Gewichtsabnahme. Sozusagen ein kleines «Appetit-Bremser-Hormon».
Nachhaltig wirkt die Spritze am besten, wenn gleichzeitig die Ernährung angepasst wird. Hier setzen viele auf eine Geheimwaffe: Molke – ja, genau, Das Nebenprodukt der Käseproduktion.
Als getrocknetes Pulver ist Molke ein beliebter Lebensmittelzusatz und Nahrungsergänzungsmittel. Sie enthält besonders viele Proteine und fördert die Darmgesundheit.
Auch Vegis und Senioren stürzen sich auf Molkeprodukte
Die US-Milchindustrie meldete am Berliner Milchforum Mitte März einen regelrechten Run auf Molkenderivate, auch bekannt als Whey-Pulver. Als Haupttreiber nannte sie die Abnehmspritzen.
Und auch in der Schweiz werden Anbieter regelrecht überrannt. «Einen eigentlichen ‹Run› spüren wir vor allem seit einigen Jahren deutlich», teilt die Biosana AG gegenüber Nau.ch mit.

Grund: «Molkenproteine sind heute nicht mehr nur im klassischen Sportlerumfeld gefragt, sondern haben sich zunehmend im Alltag etabliert.»
Wie stark die Zunahme durch Abnehmspritzen beeinflusst wird, kann Biosana nicht beurteilen. Denn auch bei Vegetariern oder Senioren wird das Eiweiss-Wunder immer beliebter.
Preise für Molke steigen wegen Hype
Auch Emmi, die Marktführerin unter den Milchprodukten, gibt bei Nau.ch zu bedenken: «Die steigende Nachfrage ist vor allem auf strukturelle Veränderungen im Konsumentenverhalten zurückzuführen.»
Denn: «Proteinreiche Ernährung gewinnt im Kontext eines aktiven und gesundheitsbewussten Lebensstils zunehmend an Bedeutung.»
Besonders beliebt seien Milchprodukte auch deshalb, weil sie einfach in den Alltag zu integrieren und zu einer guten Sättigung beitrügen.
«Auf dem internationalen Markt sind aktuell durchaus eine Marktdynamik und höhere Preise für Molkenproteinkonzentrate erkennbar», sagt Emmi.
Auch Biosana teilt mit: «Bei den Preisen beobachten wir eine anhaltende Teuerung auf bereits hohem Niveau. Dies hängt auch damit zusammen, dass wir konsequent auf Molke und Molkenproteine aus Schweizer Produktion setzen.»
Entsprechend könne man preislich nicht mit importierten Produkten aus dem Ausland mithalten.
Molke regt Abnehm-Hormone an
Katrin Haas und Karin Schütz vom Kompetenzzentrum Ernährungsmedizin, Essverhalten und Adipositas in Aarau bestätigen, dass Molke beim Abnehmen helfen kann. Und dies bei sogenannten GLP-1-Therapien mit Abnehmspritzen durchaus sinnvoll ist.
«Im klinischen Alltag empfehlen wir bei Patientinnen und Patienten unter GLP-1-Therapie gezielt eine ausreichende Proteinzufuhr. Molkenprotein ist dabei eine häufig genutzte, praktikable Option», sagen die Expertinnen zu Nau.ch.

Doch: «Ob der aktuelle Trend ausschliesslich auf die Abnehmspritzen zurückzuführen ist, lässt sich aus unserer Sicht jedoch nicht eindeutig sagen.»
Ganz grundsätzlich gelte: Protein – und damit auch Molkenprotein – kann die körpereigene GLP-1-Ausschüttung stimulieren.
Und: «Im Kontext von GLP-1-basierten Therapien kann eine ausreichende Proteinzufuhr zudem helfen, den Verlust von Muskelmasse während der Gewichtsabnahme zu reduzieren.»
Molke hilft, Muckis aufzubauen
Molkeprotein gilt als hochwertiges Protein mit einem hohen Anteil an essenziellen Aminosäuren und unterstützt den Muskelaufbau. «Es kann eine sinnvolle Ergänzung sein, wenn der Proteinbedarf über die normale Ernährung nicht ausreichend gedeckt wird.»
Entscheidend sei aber die Gesamtmenge.
Haas und Schütz erklären: «Für gesunde Erwachsene liegt der Bedarf in der Regel bei etwa 0.8–1.0 Gramm Protein pro Kilo Körpergewicht. Bei älteren Personen etwas höher.»
Und sie warnen: «Eine langfristig deutlich erhöhte Proteinzufuhr ist ohne medizinische Indikation nicht empfehlenswert.»













