Die Türkei hat ein US-Programm zur Hilfe für afghanische Mitarbeiter in dem Land kritisiert und zugleich vor einer Migrationskrise gewarnt. Hintergrund ist die Ankündigung der US-Regierung, Tausende weitere Afghanen aufzunehmen, die während des rund 20 Jahre langen Militäreinsatzes für die USA oder Einrichtungen mit US-Bezug gearbeitet haben. Auf Kritik stösst vor allem, dass im Zuge des Programmes Afghanen zunächst aus eigener Kraft das Land verlassen und für zwölf Monate oder länger in einem Drittstaat unterkommen müssen, während ein solcher Antrag auf Umsiedlung bearbeitet wird. Das werde für eine neue «grosse Migrationskrise» in der Türkei sorgen und das Leid der Afghanen auf den Migrationsrouten verstärken, teilte das türkische Aussenministerium in der Nacht zu Mittwoch mit.
Polizeibeamte begleiten einen Afghanen in ein Charterflugzeug (Archivbild). Foto: Michael Kappeler/dpa/Archiv
Polizeibeamte begleiten einen Afghanen in ein Charterflugzeug (Archivbild). Foto: Michael Kappeler/dpa/Archiv - dpa-infocom GmbH

Das Wichtigste in Kürze

  • Ankara erklärte dazu, die Türkei habe «nicht die Kapazitäten, eine neue Migrationskrise im Namen eines Drittlandes zu bewältigen.» Die Entscheidung der USA sei unverantwortlich.

In der Türkei leben bereits rund 3,6 Millionen Flüchtlinge aus dem Bürgerkriegsland Syrien, hinzu kommen Schätzungen zufolge bis zu eine halbe Million Afghanen sowie Migranten aus anderen Ländern.

Über den Iran kommen laut Beobachtern an der Grenze zum Nachbarland täglich einige Hundert Migranten in die Türkei, überwiegend Afghanen, aber auch Menschen aus Pakistan und dem Iran.

Nach Einschätzung des Menschenrechtsanwalts Anwalt Mahmut Kacan gibt es aber noch keinen neuen Trend zu massiver Migration aus Afghanistan in die Türkei. Bereits seit einigen Jahren, kämen im Sommer vermehrt Afghanen ins Land, sagte Kacan, der sich in der Grenzprovinz Van für die Rechte von Migranten einsetzt, der Deutschen Presse-Agentur. Man müsse die Situation im Herbst nach dem Abzug der internationalen Truppen aus Afghanistan beobachten. Für viele sei die Türkei nur ein Transitland, so Kacan. Ihr eigentliches Ziel sei Europa.

Die Migrationsroute über die Türkei ist gefährlich. Oft werden Menschen von Schmugglern von der Grenzprovinz Van weiter in Grossstädte wie Istanbul gebracht. Dabei kommt es immer wieder zu schweren Unfällen. Türkische Sicherheitskräfte hatten am Dienstag in Van 300 Migranten, die meisten davon aus Afghanistan, eingepfercht in einem Lastwagen entdeckt. Im Juli vergangenen Jahres waren mindestens 60 Migranten ertrunken, als ihr Boot auf dem Van-See sank.

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