Trotz Trump-Telefonat: Hilft Putin dem Iran bei Angriffen gegen USA?
Russland soll Geheimdienstinformationen zu US-Standorten an den Iran weitergegeben haben. Experten schätzen die Beziehung zwischen Russland und dem Iran ein.

Das Wichtigste in Kürze
- Russland soll den Iran im Krieg mit Geheimdienstinformationen versorgt haben.
- Damit steht Wladimir Putin in einem Interessenskonflikt zwischen dem Iran und den USA.
- Russland-Experten schätzen die Beziehung zwischen dem Iran und Russland bei Nau.ch ein.
Im Krieg mit den USA griff der Iran laut mehreren Quellen auf russische Geheimdienstinformationen zu Standorten von US-Truppen zurück. Am Montag kam es zu einem Telefonat zwischen Donald Trump und Wladimir Putin.
Bereits seit einigen Jahren kooperieren der Iran und Russland untereinander. Russland-Experten ordnen die Kooperation, die sowohl im wirtschaftlichen als auch im Sicherheitsbereich stattfindet, gegenüber Nau.ch ein.
Die Gründe für die Kooperation seien laut Nicolas Hayoz, emeritierter (also teilweise in den Ruhestand getretener) Politikwissenschaftler an der Universität Fribourg, ziemlich klar: «Beide sind anti-westliche, autoritäre, repressive Regime, die gegen Demokratie und gegen eine von den USA dominierte, internationale Ordnung sind.»
Zudem stünden beide Länder unter Sanktionen, was sie laut Hayoz über die Kooperationen zu umgehen versuchen. «Es besteht eine enge Kooperation in wichtigen, vor allem militärischen Bereichen.»
Russland profitiert im Ukraine-Krieg von Iran-Lieferungen
Es müsse daran erinnert werden, dass Iran Russland im Krieg gegen die Ukraine massiv mit Lieferungen von Drohnen unterstützt habe. Der Iran hätte zudem weitere Waffen und Munition geliefert.
Deshalb dürfe angenommen werden, dass Russland den Iran auch jetzt im Zusammenhang des Krieges unterstütze. Dies in Form von der Bereitstellung von «nachrichtendienstlichen Informationen zu Standorten von US-Truppen, beziehungsweise Waffen».
Russland greift nicht aktiv in den Krieg ein
Das werde laut Nicolas Hayoz von mehreren Quellen bestätigt, genau so wie die Lieferung von Technologie zur elektronischen Kriegsführung. Zudem helfe Russland dem Iran auch auf diplomatischer Ebene, indem es den Krieg im Iran als «völkerrechtswidrig» verurteile.
Wer nun denkt, dass Russland aktiv in den Krieg eingreift, liegt aber falsch. Russland tut laut Hayoz nur das, was es schon seit längerem mit dem Iran gemacht hat: «Kooperation aufgrund von ähnlich ausgerichteten Interessen.»
Russland profitiert sogar vom Krieg
Für diese Art von Hilfe brauche es keine grössere Anstrengung. Im Gegenteil – Russland profitiere sogar vom Krieg: «Durch höhere Energiepreise und vor allem auch dadurch, dass Europa und die USA vom Krieg in der Ukraine abgelenkt werden.»

Wolfgang Müller, Professor für russische Geschichte an der Universität Wien, bestätigt: «Solange die USA keinen Erfolg verbuchen können, beziehungsweise das Regime in Teheran nicht stürzt, bedeutet der Iran-Krieg global: Steigende Ölpreise, Lockerung der US-Ölsanktionen gegen Russland, Umlenkung von US-Rüstungslieferungen aus der Ukraine in den Nahen Osten.»
Das meiste davon nütze Russland.
Putin steht in einem Interessenskonflikt
Nicht zuletzt das Telefonat mit Donald Trump legt nahe, dass Wladimir Putin in einem Interessenkonflikt steht. Laut Wolfgang Müller vermeidet Russland politisch direkte Kritik an US-Präsident Trump.
Gleichzeitig habe Putin starke Handelsinteressen im nahen Osten, so Hayoz. Er könne sich deshalb nicht erlauben, «auf Seiten des Irans in den Krieg einzugreifen, beispielsweise mit viel grösseren Waffenlieferungen».
Russland hat laut Müller auch kaum Kapazität dafür: «Aufgrund des andauernden Angriffskrieges gegen die Ukraine sind die Kapazitäten für Militärhilfe an das Regime im Iran stark eingeschränkt.»

















