Nach Dürre und Fluten: Australische Bauern haben mit einer der schlimmsten Mäuseplagen zu kämpfen. Dabei greifen sie teils drastischen Mitteln gegen die Nager.
Dubbo Australien
Bauer Col Tink im australischen Dubbo versucht die Mäuse in eine Falle zu wischen. - AFP

Das Wichtigste in Kürze

  • Australische Bauern müssen ihre Ernte gegen die nächste Plage verteidigen.
  • Experten reden von der schlimmsten Mäuseplage seit Jahrzehnten.
  • Die Landwirte greifen zu teils drastischen und umweltschädlichen Mitteln gegen die Nager.

Nach zehrenden Jahren der Dürre und dann sintflutartigen Wassermassen sind im Osten Australiens viele Bauern mit der nächsten Herausforderung konfrontiert: Unzählige Mäuse streifen durch Felder oder Scheunen und machen den Landwirten die dem Boden abgetrotzte Ernte streitig. Die Bauern greifen zu teils drastischen Mitteln, um die Tiere loszuwerden.

Col Tink auf seinem Hof nahe Dubbo nutzt einen Besen, um die Nager in Richtung einer gigantischen Falle zu kegeln. In der werden die Tiere dann ertrinken. Auswirkungen auf die Zahl der Mäuse hat die Methode bei dem Farmer allerdings kaum. Sie fressen sich auch weiterhin in gigantischer Zahl durch Getreide- oder Heuvorräte.

Online werden Videos von Mäusemassen geteilt

So wie Col Tink geht es im Osten Australiens derzeit vielen Bauern. In den Online-Netzwerken werden Videos von Mäusemassen geteilt, die über Felder oder Strassen wimmeln oder sogar landwirtschaftliche Maschinen zerstört zurücklassen.

Dabei kämpfen viele Landwirte noch immer mit den Folgen der jahrelangen Dürre, auf die Ende 2019 dann verheerende Buschfeuer folgten. Erlösung versprechende Regenfälle verwandelten sich dann in zerstörerische Überschwemmungen, die mehrere Regionen betrafen.

Die Videos zeigen die Massen von Mäusen, die den Bauern in Australien die ganze Ernte wegfressen.

«Mein Vater ist 93 und es waren die schlimmsten drei Jahre, die er in seinem Leben gesehen hat», erzählt Tink. «Und ich denke, die Mäuseplage ist auch die schlimmste, die er je erlebt hat.» Der nun bevorstehende Winter muss nun «richtig kalt und ordentlich nass» werden. Sonst «mache ich mir schon Sorgen, was im Frühling los ist», sagt Tink der Nachrichtenagentur AFP.

Nach Einschätzung von Steve Henry von der staatlichen australischen Forschungsorganisation CSIRO sieht die Zukunft nicht gerade rosig aus. «Wenn eine Mäuseplage endet, endet sie über Nacht», sagt er. «Und das lässt sich mit Sicherheit gerade nicht beobachten.»

Aktuelle Plage ist «astronomisch»

Mäuseplagen sind in Australien keineswegs selten. Die von den Briten auf den Kontinent gebrachten Nager finden dort vielerorts ideale Bedingungen vor. Doch die aktuelle Zahl der Tiere ist laut Terry Fishpool, Getreideproduzent nahe Tottenham, «einfach astronomisch».

Forscher Bill Bateman von der Curtin University in Westaustralien verweist darauf, dass es gigantische Mäuseplagen einmal pro Jahrzehnt gebe. Allerdings könne der Klimawandel das Phänomen häufiger auftreten lassen. «Wenn wir nicht länger kalte Winter haben, stehen damit Ressourcen für die Mäuse das ganze Jahr über zur Verfügung. Dann wird das eher eine chronische Sache als eine akute», befürchtet er.

australien mäuseplage
Eric Fishpool hebt eine Plane an, die gelagertes Getreide abdeckt, während Mäuse auf seiner Farm in der Nähe von Tottenham, Australien, herumwuseln. - keystone

Die australische Regierung hat Millionengelder als Unterstützung für betroffene Bauern angekündigt und setzt auch auf potentere Giftstoffe gegen die Tiere. Der Einsatz der Chemikalie Bromadiolon wirkt schneller als die weit verbreiteten Zinkphosphide. Gleichzeitig sorgen sich Experten aber um Wildtiere, die die vergifteten Mäuse fressen.

Auch Bateman warnt vor möglichen Auswirkungen auf die Nahrungskette. «Wir brocken uns damit selbst Ärger für die Zukunft ein. Nicht nur was die Zerstörung der Biodiversität angeht. Sondern auch weil wir unsere erste Verteidigungslinie gegen künftige Mäuseplagen zerstören», sagt er.

Der Forscher hält neben einem zielgerichteteren Einsatz von Zinkphosphiden auch weitere Forschung zu den Ursachen von «monumentalen» Plagen für nötig.

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