Der politische Konflikt im Irak ist in der Nacht zum Dienstag weiter in Gewalt umgeschlagen. Videos zeigten die Miliz Saraja al-Salam des einflussreichen Schiitenführers Muktada al-Sadr, die sich in der sogenannten Grünen Zone in Bagdad mit Iran-treuen Milizen schwere Kämpfe liefert. Dabei waren lange Feuersalven zu hören. Mindestens elf Menschen seien getötet und 160 weitere verletzt worden, hiess es aus medizinischen Kreisen. Medien berichteten von 15 Toten und 350 Verletzten. Die Kämpfe gingen am Dienstagmorgen teils weiter.
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Anhänger des schiitischen Geistlichen Al-Sadr nehmen an einem Protest auf dem Gelände des Regierungspalastes in Bagdad teil. Foto: Ameer Al-Mohammedawi/dpa - sda - Keystone/dpa/Ameer Al-Mohammedawi

In der rund zehn Quadratkilometer grossen und eigentlich hoch gesicherten Grünen Zone im Zentrum Bagdads befinden sich zahlreiche Regierungseinrichtungen, das irakische Parlament sowie mehrere Botschaften, darunter auch die diplomatische Vertretung der USA.

Berichten zufolge gingen in der Nacht auch mehrere Raketen in der Grünen Zone nieder. Videos in sozialen Netzwerken sollen zeigen, dass daraufhin auch das Raketenabwehrsystem (C-Ram) zum Schutz der US-Botschaft aktiviert wurde. Der niederländische Aussenminister Wopke Hoekstra teilte mit, in der Gegend um seine Botschaft werde gekämpft. Die Mitarbeiter seien evakuiert worden und würden vorübergehend aus der deutschen Botschaft arbeiten. Die Lage im Irak sei «sehr angespannt» und ändere sich rasch, schrieb Hoekstra bei Twitter.

Al-Sadrs Anhänger hatten den Regierungspalast mit dem Büro von Ministerpräsident Mustafa al-Kasimi am Montag gestürmt und vorübergehend besetzt. Zuvor hatte der einflussreiche Geistliche seinen Rückzug aus der Politik erklärt. Am späten Montagabend gab der 48 Jahre alte Religionsführer bekannt, in einen Hungerstreik zu treten, bis die Gewalt gegen seine Anhänger eingestellt werde.

Al-Sadrs Bewegung war aus der Parlamentswahl im Oktober vergangenen Jahres als stärkste Kraft hervorgegangen. Es gelang ihr aber nicht, eine Regierung zu bilden. Al-Sadr fordert als Ausweg aus der Krise Neuwahlen.

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