«Korea» im British Museum blickt über Popkultur des Landes hinaus
Derzeit stehen die Menschen vor dem British Museum in London Schlange, um den Wandteppich von Bayeux zu sehen. Diese Woche öffnet dort die Ausstellung «Korea», die über die koreanische Popkultur hinausblickt und das künstlerische und kulturelle Erbe des Landes beleuchtet.

Die Schau spannt den Bogen von der frühen Eisenzeit bis zur Gegenwart und vereint Werke, die bis etwa 400 v. Chr. zurückreichen, mit Arbeiten zeitgenössischer koreanischer Künstler. «Die meisten Menschen, insbesondere junge Leute in Grossbritannien, kennen Korea vor allem durch seine Popkultur», sagte Kuratorin Sang-ah Kim. «Vielleicht wissen sie nicht, dass Korea eine lange Geschichte hat – mehr als 2000 Jahre voller Kreativität, Widerstandskraft und technischem Können.»
Gezeigt werden unter anderem Werke aus der Sammlung des 2020 verstorbenen ehemaligen Samsung-Vorsitzenden Lee Kun-hee und seiner Familie. Zu den Höhepunkten zählen Bodhisattva-Statuetten und eine Sammlung von Sutren aus der Zeit nach der Einführung des Buddhismus in Korea sowie die berühmte Seladon-Keramik der Goryeo-Dynastie. Ebenfalls ausgestellt ist ein Werk aus der Serie «Translated Vase» der südkoreanischen Künstlerin Yeesookyung – eine Skulptur, die aus von Töpfern aussortierten Scherben zusammengesetzt wurde und die Schönheit der Unvollkommenheit veranschaulicht.
Einigen Besuchern, die Korea vor allem durch zeitgenössische kulturelle Exportprodukte kennengelernt haben, dürften manche Exponate vertraut vorkommen. «Für die Menschen – besonders für das junge Publikum – könnte es eine wunderbare Überraschung sein, Werke wie 'Tiger und Elster' oder 'Sonne, Mond und fünf Gipfel' zu sehen, wenn sie zuvor 'K-Pop Demon Hunters' geschaut haben», betonte Kim.
Der Netflix-Animationsfilm greift auf traditionelle koreanische Bildsprache zurück: Gemälde von Tigern und Elstern inspirierten die Figuren «Derpy the Tiger» und «Sussie the Magpie», und die fiktive Gruppe HUNTR/X tritt vor einer digitalen Interpretation des Paravents «Sonne, Mond und fünf Gipfel» auf. Zu den neueren Werken gehört Suh Do Hos Fadenzeichnung «Self-Portrait», die sich mit Vorstellungen von Heimat, Migration und Zugehörigkeit auseinandersetzt, sowie Arbeiten von Lee Jung-seop. Dieser wurde während des Koreakriegs von seiner Familie getrennt und ritzte Bilder in die Folienauskleidung von Zigarettenschachteln, wenn er sich weder Farben noch Leinwand leisten konnte.
Die meisten der ausgestellten Werke sind Leihgaben des Nationalmuseums von Korea sowie des Nationalmuseums für moderne und zeitgenössische Kunst, Korea. Die Präsentation wird am Donnerstag, dem 1. Oktober, eröffnet und läuft bis zum 31. Januar 2027.










