Klima-Dilemma: Südpol-Guides verlassen ihren Traumjob
Touristenguides in der Antarktis kündigen frustriert. Denn: Der Massentourismus mit Kreuzfahrtschiffen ist Teil des Klima-Problems vor Ort.

Das Wichtigste in Kürze
- Reiseleiter kündigen wegen des Massentourismus ihre Jobs in der Antarktis.
- Während riesige Gletscher abbrechen, jubeln die Touristen.
- Kreuzfahrtanbieter vermarkten Reisen in die Antarktis als besonderes Naturerlebnis.
Die Antarktis zieht immer mehr Touristen an. Gleichzeitig verlassen immer mehr Reiseleiter die Region – und die Branche. Sie können nicht mehr mit dem vereinbaren, was sie dort täglich erleben.
Der Massentourismus, den sie selbst mitgestalten, schadet dem Ort, den sie lieben.

Wie das Wissenschaftsportal «phys.org» berichtet, wurden für eine neue Studie 25 ehemalige Expeditionsleiter befragt. Ihre Aussagen zeigen ein Dilemma: Sie wollen die Schönheit der Antarktis teilen. Doch genau das trägt zu ihrer Zerstörung bei.
Einer der befragten Guides beschreibt seinen inneren Konflikt. Er sagt: «Ich kann nicht mehr in dieser Farce des Klimawandel-Kreuzfahrttourismus arbeiten.»
Touristen jubeln, während Gletscher abbrechen
Besonders belastend war für viele Guides das Verhalten der Gäste. Sie sähen die sichtbaren Zeichen des Klimawandels, begriffen aber nicht, was diese bedeuten.
Ein ehemaliger Reiseleiter schildert eine Situation, die ihn bis heute bewegt.
Er erzählt: «Man sah gewaltige Gletscherabbrüche und hätte am liebsten geweint. Aber alle Gäste jubelten – da fragte ich mich: Kann man sich das denn nicht zusammenreimen?»
Diese Reaktion der Touristen war für viele Guides ein Wendepunkt.
Ein weiterer Aussteiger betont, dass die Antarktis Schutz und Fürsorge verdiene. Gleichzeitig gibt er zu: «Ich denke, der Tourismus und unsere Anwesenheit dort haben genau das Gegenteil bewirkt.»
Laut «phys.org» reisten allein in der Saison 2025/26 über 120’000 Menschen in das empfindliche Ökosystem.
Antarktisches Eis verliert massiv an Masse
Laut dem «World Ocean Review» (WOR) hat der Weltozean bereits 93 Prozent der zusätzlichen Wärme durch den Treibhauseffekt aufgenommen.
Besonders betroffen sind die Polarregionen: In der Antarktis haben sich die Eismassenverluste seit 2012 verdreifacht. Das trägt zunehmend zum Anstieg des weltweiten Meeresspiegels bei.

Der WOR warnt: Langfristig bedroht der Verlust des Polareises Küstenregionen auf der ganzen Welt.
Tourismus in der Antarktis wächst rasant
Jedoch hat der Tourismus in der Antarktis hat in den letzten Jahren stark zugenommen. Was einst eine Reise für wenige Abenteurer war, ist heute ein Massenphänomen.
Kreuzfahrtanbieter vermarkten Reisen in die Antarktis als Naturerlebnis der besonderen Art. Die Nachfrage wächst.

Dabei ist die Antarktis eines der empfindlichsten Ökosysteme der Erde. Schon kleine Eingriffe können bleibende Schäden hinterlassen.
Eine Antarktis-Reise hinterlässt einen grossen CO2-Fussabdruck
Obendrein kommt, dass die meisten Antarktis-Reisen im argentinischen Ushuaia starten. Von dort fahren die Kreuzfahrtschiffe in Richtung Südpol. Doch schon der Hinflug ist eine erhebliche Belastung für das Klima.
Der Flug verursacht bei einer vierköpfigen Familie rund 23,6 Tonnen CO2 Ausstoss. So viel wie eine Autofahrt von fast viermal um die Erde.

















