Iran: Experte befürchtet US-Bodenoffensive im Iran

Simon Binz
Simon Binz

Iran,

Die USA verstärkten jüngst ihre Angriffe im Süden des Iran. Ein Experte sieht darin mögliche Vorbereitungen für eine Bodenoffensive.

Iran Krieg
Was für Pläne hat Donald Trump für den Iran parat? - keystone

Das Wichtigste in Kürze

  • Die USA greifen verstärkt Ziele im Süden des Iran an, etwa Brücken.
  • Ein Iran-Experte sieht darin Vorbereitungen für den Bodentruppen-Einsatz.
  • Laut Axios erwägt Trump zudem eine deutliche Ausweitung des Kriegs.

Die jüngsten US-Angriffe im Süden Irans könnten nach Einschätzung des Iran-Experten Hamidreza Azizi mehr sein als reine Luftschläge.

Der Gastwissenschaftler der Stiftung Wissenschaft und Politik schrieb auf der Plattform X, Washington greife dort gezielt Verkehrswege, Militärverbände und Stellungen entlang der Küste an. Ein Muster, das auf die Vorbereitung einer möglichen Bodenoperation hindeuten könnte.

Wie der US-Nachrichtendienst «Axios» unter Berufung auf drei amerikanische und israelische Regierungsvertreter berichtet, erwägt Präsident Donald Trump derzeit tatsächlich eine massive Ausweitung des Konflikts.

Glaubst du es wird zu US-Bodentruppen-Einsätzen im Iran kommen

Im Situation Room sollen Trump demnach mehrere neue Militärpläne vorgelegt worden sein. Eine Entscheidung sei zwar noch nicht gefallen, könnte aber bereits in den kommenden Tagen fallen.

Im Gespräch seien unter anderem Angriffe auf iranische Kraftwerke und weitere Infrastruktur, erneute Attacken auf Atomanlagen sowie ein möglicher Schlag gegen eine mutmassliche unterirdische Nuklearanlage am sogenannten «Pickaxe Mountain».

Zudem wolle die US-Regierung Dutzende zusätzliche Tankflugzeuge nach Israel verlegen, was die Reichweite und Einsatzdauer amerikanischer Kampfjets erheblich erhöhen würde.

Iran: Vereinbarung ist ausgesetzt

Die Hoffnung auf eine diplomatische Lösung schwindet derweil. Die iranische Regierung betrachtet das Mitte Juni mit den USA geschlossene Rahmenabkommen vorerst als ausgesetzt. Vizeaussenminister Kasem Gharibabadi liess laut der iranischen Nachrichtenagentur Fars verlauten, sein Land sei derzeit mit der Verteidigung des Landes beschäftigt.

Washington habe mit seinen Angriffen gegen die sogenannte Absichtserklärung von Islamabad verstossen, weshalb sich auch Teheran nicht mehr daran gebunden fühle – ein formeller Rückzug vom Abkommen sei dies laut Gharibabadi aber nicht.

Kasem Gharibabadi
Irans Vize-Aussenminister Kasem Gharibabadi hat das geschlossene Rahmenabkommen mit den USA vorerst als ausgesetzt bezeichnet. - keystone

USA und Iran hatten sich Mitte Juni grundsätzlich darauf geeinigt, innerhalb von 60 Tagen eine dauerhafte Vereinbarung auszuhandeln, unter anderem zur Öffnung der Strasse von Hormus.

Eine seit April geltende Waffenruhe war Anfang Juli erneut zusammengebrochen.

Muster spricht laut Experte für Bodenoperation

Azizi geht in seiner Analyse noch weiter und verweist auf die Auswahl der jüngsten Ziele: US-Streitkräfte hätten zuletzt gezielt Brücken und Bahnverbindungen im Süden des Landes angegriffen, dazu kämen Berichte über Attacken auf Flughäfen und Tanklaster in Bandar Abbas.

Solche Schläge könnten darauf abzielen, Nachschub und Bewegungsfreiheit iranischer Truppen einzuschränken.

Laut «Axios» bombardierte das US-Militär allein rund um Bandar Abbas mindestens sieben Brücken. Die Hafenstadt gilt als wichtiges logistisches Zentrum der Revolutionsgarden, über das Munition und Verstärkung zur Strasse von Hormus transportiert werden.

USA Iran
Das US-Militär hat in den vergangenen Angriffswellen ihren Fokus auf den Süden des Iran gelegt. - keystone

Auch Angriffe auf grössere Heeresverbände sprächen aus Azizis Sicht für eine umfassendere Strategie: In der südöstlichen Provinz Sistan und Belutschistan sei die 88. Panzerdivision der regulären Armee angegriffen worden, im südwestlichen Khuzestan Stellungen der 92. Panzerdivision.

Solche Angriffe könnten darauf abzielen, die iranischen Streitkräfte entlang der wichtigsten südlichen Achsen zu schwächen – und damit die Risiken einer späteren Bodenoffensive zu senken.

Keine Bestätigung für Bodenoffensive

Parallel dazu greifen die USA weiterhin Raketen-, Drohnen- und Radaranlagen sowie Marineeinrichtungen der Revolutionsgarden entlang des Persischen Golfs an. In der Summe deuteten die Entwicklungen zunehmend auf eine mögliche Bodenoperation im Süden Irans hin, so Azizi.

Die US-Kampagne könnte demnach über das bisherige Ziel hinausgehen, lediglich Irans Fähigkeit zu Angriffen auf Handelsschiffe zu schwächen. Washington könnte inzwischen davon ausgehen, dass nur die Kontrolle über die iranische Küste die Bedrohung der Strasse von Hormus dauerhaft beseitigen würde.

Iran Revolutionsgarden
Mitglieder der iranischen Revolutionsgarden. (Archivbild) - keystone

Einen öffentlich bestätigten Beschluss für eine Bodenoffensive gibt es bislang allerdings nicht. Auch die zusätzlichen Tankflugzeuge sprechen zunächst eher für eine Ausweitung der Luftangriffe.

Hunderttausende Soldaten nötig

Azizi warnt zugleich vor den Dimensionen einer solchen Operation. Eine Besetzung der iranischen Südküste ginge weit über frühere Überlegungen hinaus, die sich auf die Einnahme der für den Ölexport wichtigen Insel Kharg oder einzelner Inseln an der Strasse von Hormus beschränkt hatten.

Die iranische Südküste erstreckt sich über rund 1800 Kilometer – eine umfassende Kontrolle dieses Gebiets würde nach Azizis Einschätzung vermutlich Hunderttausende Soldaten erfordern.

Irak Iran
US-Soldaten im Irak (Archiv). - keystone

Selbst eine erfolgreiche Einnahme bedeute zudem nicht, dass die USA das Gebiet auch langfristig halten könnten. Der Iran verfüge über erhebliche strategische Tiefe – die Grösse des Landes und die Länge seiner Küste würden eine dauerhafte Kontrolle zusätzlich erschweren, so der Experte.

Kommentare

User #2155 (nicht angemeldet)

Viele herzlichen Dank, BB!!

User #1592 (nicht angemeldet)

Dieser (sein) Wahnsinn nimmt kein Ende solange er noch das Sagen hat

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